»Ame & Yuki – Die Wolfskinder« Band 3 – Manga-Test

Mit dem dritten Band von Ame & Yuki – Die Wolfskinder findet die Manga-Umsetzung von Mamoru Hosodas jüngstem Film ihren Abschluss. Gleichzeitig endet auch die zwölf Jahre andauernde Reise der Mutter Hana und ihrer beiden Schützlinge. Die Frage, welche sich von Beginn an durch die ganze Geschichte zog, wird ebenso beantwortet. Für welchen Lebensweg sollen sich Ame und Yuki entscheiden: den eines Wolfes oder eines Menschen? Im Mai brachte TOKYOPOP den letzten Band in die hiesigen Händlerregale.

Als ein neuer Mitschüler namens Sohei in Yukis Klasse dazustößt, interessiert sich der Junge für das Mädchen, weil er spürt, dass etwas an ihr anders ist. Von seinem aufdringlichen Verhalten in die Ecke gedrängt, bekommt Yuki Panik, dass der Mitschüler ihrem Geheimnis auf die Schliche kommen könnte. Als die Situation schließlich eskaliert, verwandelt sich das Wolfsmädchen und verletzt Sohei dabei am Kopf. Die Wunde ist eigentlich halb so schlimm, doch aus Scham und Gewissensbissen, Sohei gegenüber zutreten, traut sich Yuki fortan nicht mehr in die Schule. Was ist, wenn ihr Klassenkamerad das Geheimnis herumerzählt? Wo sie ihr Versprechen nun nicht halten konnte, sich unter keinen Umständen vor den Augen anderer zu verwandeln. Kann Yuki ihren normalen Alltag noch so wie bisher weiterführen? In dieser Zeit zieht es ihren Bruder immer öfter in die Berge. Dort lernt Ame von einem alten Fuchs, dem Herren des Waldes, die verschiedensten Seiten der Natur kennen und erfährt immer mehr darüber, wie man in der Wildnis überlebt. Weniger seine kindliche Abenteuerlust, als viel mehr seine erwachten Instinkte führen ihn regelmäßig dorthin.

Zwischen einem Dasein als Wolf oder Mensch hin- und hergerissen, prallen zwei gegensätzliche Einstellungen aufeinander. Wegen der jüngsten, unangenehmen Erfahrungen verabscheut Yuki mittlerweile ihre Tierseite. Ame wiederum meidet die Schule überwiegend und fühlt sich durch seine Abstecher in die Natur erfüllt. Schließlich bricht ein heftiger Streit zwischen den Geschwistern aus, bei dem selbst ihre Mutter nicht weiß, wie sie ihn beschwichtigen soll. Ehe es sich Hana versieht, haben ihre beiden Welpen längst etliche Schritte in Richtung erwachsen werden gemacht und ihren eigenen Lebensweg gewählt.

Auf diese Selbstfindungsprozesse der Kinder konzentriert sich der letzte Abschnitt der Geschichte, welcher wirklich schön ausgearbeitet und nachvollziehbar dargelegt wird. Obgleich ihre Entscheidungen allein wegen des Kontrastes vorhersehbar sind, steht hier ohnehin eher der Weg selbst im Vordergrund. Außerdem behandelt Hosodas Geschichte lediglich einen Abschnitt aus dem Leben von Hana und ihren Kindern, sprich euch erwartet ein halbwegs offenes Ende. Sei es das Gefühlschaos der ersten Liebe oder das Bedürfnis, endlich Verantwortung zu übernehmen. Die Pubertät der beiden Wolfskinder präsentiert der Manga auf eine sehr erfrischende unverbrauchte Weise und doch könnte man Parallelen zu uns allen ziehen. Allerdings wird, wie auch schon beim Film, die Handlung aus Sicht der Tochter Yuki erzählt, wodurch man nicht viel davon mitbekommt, was Ame zum Beispiel in der Wildnis treibt. Dieser Part wirkt ganz so, als würde  Yuki die Erlebnisse Ames vom Hörensagen der Mutter wiedergeben. Hana steht in den letzten Kapiteln vor der schweren Situation, ihre Kinder loslassen zu müssen, da Ame eben als Wolf viel eher zu seiner Reife findet. Und wenngleich die junge Mutter ihren beiden Sprösslingen immerzu die Freiheit lassen wollte, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, kann man Hana ihre elterliche Sorge nachfühlen. Trotzdem schafft sie es, wie das Cover schön zeigt, stets ihr warmes Lächeln zu bewahren.

Im Abschlussband von Ame & Yuki schlägt der Manga einen dramatischen Ton an, welcher sich auch in der eher düster gehaltenen Atmosphäre widerspiegelt. Was die detailreichen Hintergründe angeht, hat sich die Zeichnerin Yu verglichen zu den vorherigen Ausgaben gesteigert und kann zeichnerisch den wunderschönen Landschaften des Films gerecht werden. Zudem bleibt das Charakterdesign entzückend. Die Geschichte schafft es bis zum Schluss ungemein gut – und auf eine ungezwungene Weise – den Leser emotional abzuholen. Ungeachtet der bedrückenden Momente, bekommt man – trotz des märchenhaften Szenarios – eine lehrreiche Botschaft mit auf den Weg, welche sich zweifellos auf unsere Realität übertragen lässt: Mit Frohsinn nach vorne zuschauen. Insgesamt hat Yu eine tolle Manga-Umsetzung von Ame & Yuki hervorgebracht, die sich dicht an der Vorlage hält und kaum etwas missen lässt.

Wir bedanken uns herzlich bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Exemplars zu Ame & Yuki – Die Wolfskinder, Band 3.

Details

Titel: Ame & Yuki – Die Wolfskinder – Band 3
Originaltitel: おおかみこどもの雨と雪 (Ookami Kodomo no Ame to Yuki)
Mangaka: Yu
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Slice of Life, Drama, Fantasy
Altersempfehlung: 13+ Jahre
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=3842009941]

OOKAMIKODOMO NO AME TO YUKI © 2012 “WOLF CHILDREN” FILM PARTNERS
© Yu 2012 © YOSHIYUKI SADAMOTO 2012 / KADOKAWA CORPORATION
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014