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HomeMode & BeautyJapanisches Designerstudio macht aus alten Kimono moderne Alltagskleidung

Tradition trifft auf Nachhaltigkeit

Japanisches Designerstudio macht aus alten Kimono moderne Alltagskleidung

Kein Kleidungsstück steht mehr für Japan als der Kimono. Was früher Alltagskleidung war, wird heute in den meisten japanischen Haushalten aber nur noch zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt. Doch aus den Stoffen alter Kimono kann auch neue Kleidung werden, wie sich in Tokyo zeigt.

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Einmal einen richtigen Kimono zu tragen, für viele Japan-Interessierte ist das ein großer Traum. Im Leben der meisten Japaner hat das traditionelle Kleidungsstück jedoch kaum noch einen Platz. Nur zu wenigen Gelegenheiten im Leben nehmen insbesondere japanische Frauen die aufwändige Prozedur auf sich, die zum korrekten Tragen eines Kimono nötig ist. Alte Kimono, die in Familien weitergegeben wurden, aber letztlich für diese keinen Nutzen mehr hatten, stapeln sich heute in Secondhandläden im ganzen Land.

Lange Lebensdauer der Produkte als Ziel

Die hochwertigen Stoffe, aus denen viele alte Kimono bestehen, gestalten Designer zu Kleidungsstücken um, die modernen Ansprüchen und Moden folgen. “Wenn Dinge weiter benutzt werden sollen, dann müssen sie sich mit Lebensstilen weiterentwickeln”, so formuliert es Duni Park. Die gebürtige Südkoreanerin ist Leiterin der Gallery Shili in Tokyo. Die verwandelt alte traditionelle Kleidung aus Japan und Südkorea zum Beispiel in Kleider, Hemden und Schals.

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Zu kaufen gibt es die Kleidungsstücke der Designerin online und in Pop-Up-Geschäften, mit denen Gallery Shili in den letzten Jahren in großen Kaufhäusern in der japanischen Hauptstadt präsent war. Ihr Ziel ist es, ein Zeichen für Nachhaltigkeit in der Modebranche zu setzen, die oft von Schnelllebigkeit und Verschwendung geprägt ist. Stattdessen möchte man Teil eines Kreislaufs sein, der die Lebensdauer von Produkten verlängert.

In ihrer traditionellen Form werden Kimono aus Materialien wie Seide, Wolle oder Baumwolle hergestellt und waren auf eine lange Nutzung ausgelegt. Hochwertige Kimono wurden über Generationen in Familien weitergegeben, ob als Erbe oder als Teil der Ausstattung von Bräuten beim Umzug in den Haushalt des Ehemanns. Waren sie schließlich nicht mehr tragbar, warf man sie aber nicht weg.

In alten Stoffen steckt Geschichte

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Aus alten Kimono machte man bereits in der Vergangenheit zum Beispiel Kissenbezüge. Waren diese abgenutzt, machte man aus den Stoffen Windeln oder Wischtücher. Hatten sie das Ende ihrer Lebensspanne erreicht, konnten Kimonostoffe verbrannt und als Dünger über die Felder verstreut werden. “Kimono sind extrem umweltfreundlich. Es gibt keinen Abfall,” so formuliert es Eisaku Hida, Gründer des Online-Marktplatzes Kimonoya Japan.

Heutzutage finden all diese Schritte nicht mehr statt. Gebrauchte Kimono werden abgegeben oder verkauft und landen schließlich in Secondhandläden oder auf Flohmärkten. Etwa dem Oedo Antique Market. Dort sucht auch Designerin Park nach neuen Stoffen für ihr Unternehmen. Einige der dort verkauften Stoffe und Objekte haben bereits eine jahrhundertealte Geschichte. Diese Verbindung zur Vergangenheit und die Geschichten, die mit den Stoffen verbunden sind, machen für die Designerin einen weiteren großen Unterschied zwischen ihren Produkten und Kleidung aus neuen Stoffen aus.

Ihrer Arbeit kommt dabei auch zugute, dass Kimono traditionellerweise aus einer einzigen Stoffbahn genäht werden. Grundlage ist dabei der japanische “tanmono”-Stoff, ein eng gewebter von etwa vierzig Zentimeter Breite und 12 bis 15 Metern Länge. “Es braucht nur minimale Änderungen am tanmono, um daraus einen Kimono zu machen,” so Park. “Und wenn man einen Kimono zerlegt, wird er direkt wieder zum ursprünglichen tanmono-Stoff.”

Erotische Kunst unterm Kimono

Immer wieder findet die Designerin auch ungewöhnliche Stücke bei ihrer Jagd nach neuen Stoffen. Etwa solche mit Abbildungen von “shunga” – einer japanischen Form erotischer Kunst. Sie wurden für Unterkimono oder das Innenfutter von Männerkimono verwendet. Einige der Männer glaubten, das Tragen von Kimono mit shunga-Motiven würde ihre eigene Männlichkeit steigern. Nach außen wurden die Stoffe versteckt, doch jeder wusste von ihrer Verwendung.

Gerade solche Details sind es, mit denen sich Gallery Shili abheben will, in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Bereits jetzt achten viele Verbraucher weltweit darauf, Kleidung auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit zu kaufen. Ebenso werden die Entscheidungen aber von emotionalen Verbindungen zu den Stücken beeinflusst. Die will Gallery Shili mit den Geschichten hinter den Stoffen bieten.

Der aufwändige Prozess rund um die Beschaffung und Bearbeitung der Stoffe hat dabei seinen Preis. Für den kleinen Geldbeutel sind die Kleidungsstücke aus alten Kimono-Stoffen nämlich absolut nicht gedacht. Ein Schal kostet im Durchschnitt 33.000 Yen – ca. 233 Euro. Für modische Männerhemden werden 44.000 Yen (ca. 311 Euro) fällig und ein Jumpsuit für Frauen schlägt mit 99.000 Yen (ca. 700 Euro) zu Buche. Für die meisten Menschen in Japan werden Produkte aus wiederverwendeten Kimono-Stoffe damit auf absehbare Zeit nicht Teil der Alltagsoutfits werden.

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