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Gesehen: Nagasaki – Memories of my Son

Sumikai konnte auf der diesjährigen Nippon Connection einen Blick auf Nagasaki – Memories of my Son werfen. In dem Kriegsdrama spielen die Schauspieler Sayuri Yoshinaga, Kazunari Ninomiya und Haru Kuroki eindrucksvoll drei vom Atomangriff in Nagasaki mitgenommene Charaktere.

Worum geht es?

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Am 9. August 1945 fällt in Nagasaki eine Atombombe. Tausende Menschen sterben. Unter ihnen ist auch der junge Medizinstudent Koji, der gerade im Anatomie-Unterricht sitzt. Er hinterlässt seine Freundin Machiko und seine Mutter Nobuko. Drei Jahre später trauern die beiden dem Verstorbenen immer noch nach. Nobuko möchte aber über den Schmerz hinwegkommen. Am Abend nach dieser Entscheidung erscheint ihr Koji. Die beiden reden über die Vergangenheit und verarbeiten so ihren Schmerz. Aber auch Machiko wird beeinflusst und ermutigt, an ihre Zukunft ohne Koji zu denken.

Die Story

Die Geschichte besteht aus zwei Erzähl-Ebenen. Zum einen befinden sich die Charaktere in der Jetzt-Zeit von 1948. Zum anderen folgen immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit. Die Ereignisse von 1948 werden chronologisch erzählt. Sie erstrecken sich von August bis Dezember. Dahingegen sind die Rückblicke zeitlich ungeordnet. Diese hängen davon ab, wovon die anwesenden Personen gerade sprechen.

Insgesamt werden in Gegenwart und Rückblicken verschiedene Ereignisse während und nach dem Krieg thematisiert. So findet beispielsweise ein Rückblick auf den Tod des älteren Bruders statt, der als Soldat einsam beim Einsatz verstorben ist. Eine andere Szene zeigt, wie fanatisch nach Landesverrätern gesucht wird und kleinste Fehler von Unschuldigen schon zu einer Verhaftung führen. Ebenso schneidet der Film die Probleme mit der Versorgung von Lebensmitteln nach dem Krieg sowie dem Handel mit illegaler westlicher Ware an. Die eindrucksvoll gestaltete Vernichtung durch die Atombombe direkt am Anfang gehört genauso zu den thematisierten Kriegshandlungen.

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Schon recht früh werden Andeutungen zum Ende des Films gemacht. Im Laufe der Ereignisse häufen sich diese. Der aufmerksame Zuschauer kann also früh erahnen, wie das Ganze enden wird. Unerwartete Wendungen finden sich keine. Die Geschichte läuft ungehindert dem angedeuteten Ende entgegen. So herrscht auch kein großer Spannungsbogen. Die Auseinandersetzung mit der Trauer und Gespräche darüber sind eher das, was das Geschehen dominiert. Dadurch erhält der ganze Film auch seine Ruhe. Obwohl das Ende vorhersehbar ist, gelingt es dem Film durch seine realitätsgetreue Darstellung und glaubhafte Trauer trotzdem, den Zuschauer emotional mitzunehmen und bis zum Ende mittrauern zu lassen.

Die Charaktere und Schauspieler

Jeder der Schauspieler spielt seine Rolle glaubhaft und nachvollziehbar. Man konnte beim Schauen keine Makel bei der schauspielerischen Leistung erkennen. Von Anfang an schienen sich die drei Hauptdarsteller in ihren Rollen wiederzufinden.

Die Charaktere traten ernst und realitätsnah auf, ohne übertriebene Mimik und Gestik. Außerdem hatten zumindest die Hauptcharaktere eine Hintergrundgeschichte und Tiefe, die im Laufe des Films immer mehr durch die Rückblicke erläutert wird.

Der einzige überzogene, schräge Charakter war der Wanderhändler, der ein Auge auf Nobuko geworfen hat. Er brachte etwas Abwechslung und Lockerheit in die sonst so ernste Geschichte.

Die Rollen sind gut besetzt. Die drei Hauptdarsteller Sayuri Yoshinaga, Kazunari Ninomiya und Haru Kuroki beweisen, dass sie ihre bisherigen Auszeichnungen verdient haben. Ninomiya gewann schon 2006 Anerkennung für seine Darstellung in Letters From Iwo Jima. Kuroki war Preisträgerin des Silbernen Bären bei der Berlinale 2014. Damals spielte sie bei The Little House. Die beiden Jungdarsteller erhielten dieses Jahr auch für Nagasaki – Memories of my Son beim 39. Japan Academy Prize Auszeichnungen für ihre schauspielerische Leistung im Film. Yoshinaga gewann schon mehrmals einen Preis für ihre Darstellung, zuletzt 2012 für A Chorus of Angels.

Untertitel

Der Film lief in Japanisch mit englischen Untertiteln. Die Untertitel waren aber gut gesetzt, man konnte gemütlich mitlesen und gleichzeitig das Geschehen verfolgen. Erleichtert wurde dies bestimmt auch durch die Ruhe des Films mit wenigen hektischen Szenen und Gesprächen.

Die Umsetzung

Von Anfang an konnte man dem Geschehen gut folgen und mit den Charakteren mitfühlen. Schon die ersten Minuten nehmen den Zuschauer mit, wenn durch alte Aufnahmen und Kojis Selbstvorstellung dessen Tod eingeleitet wird. Auch die Bombenexplosion selbst ist so dargestellt, dass man sich deutlich vorstellen kann, welche Kräfte dort am Werk waren.

Nicht nur die ruhige Musik unterstützt die melancholische Atmosphäre des Films. Auch lange Einstellungen und eine ruhige Kamera geben zum einen den Schauspielern viel Zeit ihre Gefühle auszuleben, aber zum anderen dem Zuschauer ebenso die Möglichkeit sich hineinzufühlen.

Die Übergänge zwischen Realität und Vergangenheit sind fließend. So öffnet Koji eine Tür und steht zehn Jahre in der Vergangenheit oder Machiko sitzt in Kojis altem Zimmer am Tisch, die Kamera schwenkt von ihr weg in Richtung des Bettes und zeigt das Pärchen zusammen in dem Raum. Dadurch verfließen immer wieder Fiktion und Realität bei den Anwesenden, wenn sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Der Zuschauer muss auch in diesen Momenten immer wieder aufpassen, dass er nicht verwirrt wird. Die Vergangenheit unterscheidet sich aber dadurch von der Realität, dass andere Licht- und Farbverhältnisse vorherrschen.

Info

Nagasaki – Memories of my Son

nagasaki - memories of my son Poster
© Shochiku

Originaltitel: 母と暮せば
Transkription: Haha to Kuraseba
Format: Film
Produktion: Shochiku Co. Ltd.
Deutscher Publisher: bisher keine deutsche Lizenzen
Regie: Yoji Yamada
Drehbuch: Yoji Yamada, Emiko Hiramatsu
Musik: Ryuichi Sakamoto
Länge: 130 Minuten
Japanischer Kinostart: 12. Dezember 2015
Genre: Kriegsdrama, Geschichte, Fantasy
Sprache: Japanisch (mit englischen Untertiteln auf der Nippon Connection)


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