Kentaro Hagiwara: »Zuschauer weltweit sollen Spaß an Tokyo Ghoul haben!«

Am 7. Juli feierte der Realfilm Tokyo Ghoul Premiere und zwar nicht in den großen Kinos von Tokio, sondern in Berlin. Als Ehrengast war der Regisseur Kentaro Hagiwara vor Ort und machte mit seiner Anwesenheit den Abend perfekt. Wir nutzten die Gunst der Stunde und baten Hagiwara zum Interview.

Sumikai: Die Realverfilmung von Tokyo Ghoul feiert ihre Deutschlandpremiere. Was empfinden Sie dabei?

Kentaro Hagiwara: Ich hörte vorher schon, dass der Manga Tokyo Ghoul in Deutschland sehr beliebt ist. Deswegen wollte ich den Film, bevor er in Japan erscheint, gern schon in Deutschland zeigen. Da war Berlin der perfekte Ort für.

Ich habe mir heute Berlin angesehen und dabei bemerkt, welchen großen Wert die Stadt auf ihre Geschichte legt. Überall gibt es historische Denkmäler, bei denen man die Vergangenheit noch spüren kann. In Tokio wird immer wieder etwas Neues gebaut und viele alten Gebäude verschwinden dadurch. An diesem Punkt kann Tokio noch einiges von Berlin lernen. Ich bin schon fast neidisch, dass Kunst, Kultur und Geschichte in dieser Stadt so harmonisch existieren.

Sumikai: Tokyo Ghoul ist in Deutschland aber auch weltweit sehr beliebt. Was macht in ihren Augen die Faszination dieser Geschichte aus?

Kentaro Hagiwara: Alle Menschen haben einen gewissen Drang zum Gruseln. Es ist genauso, als würde man ein Geisterhaus besuchen. Man weiß schon vorher, dass man sich fürchten wird und trotzdem möchte man hineingehen. Diese Neugier macht den Manga sowohl für Jungen als auch für Mädchen interessant. Trotzdem ist Tokyo Ghoul in Japan vor allem bei Mädchen und Frauen sehr beliebt. Obwohl der Manga sehr viele grausame und groteske Szenen hat, sind die Bilder wunderschön. Auch werden in dem Manga sehr viele verschiedene Gefühle transportiert. Deswegen mögen Mädchen die Geschichte wahrscheinlich so, denke ich.

Sumikai: Auf was legten Sie bei der Umsetzung von Tokyo Ghoul als Realverfilmung am meisten wert? Gab es eventuell auch Dinge, die Sie vor große Herausforderungen stellten?

Kentaro Hagiwara: Ich wollte die Hauptfigur Ken wie einen ganz normalen Studenten in Tokyo darstellen. Deswegen war es mir wichtig, in dem Film Tokyo Ghoul an sich auch die Stadt Tokio zu zeigen. Ken lernt immer wieder neue Leute kennen, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Allerdings ist es so, dass sich viele normale junge Menschen in der Stadt nicht mehr für andere interessieren. Ken ist zu Anfang auch so. Durch die verschiedenen Ereignisse lernt er immer neue Personen kennen und entwickelt sich durch diese Begegnungen weiter. Dieser Aspekt der Geschichte war mir persönlich sehr wichtig.

Die Krallen der Ghule, mit denen sie die Menschen festhalten, sind im Manga nicht so präzise gezeichnet. Diese im Film trotzdem richtig darzustellen, war eine große Aufgabe. Ich habe mir den Manga sehr genau angesehen, die Anime aber nicht geschaut. Ich wollte aus dem Manga einen realen Film machen, nicht aus dem Anime.

Sumikai: Worin unterscheidet sich die Realverfilmung im Wesentlichen von der Manga-Vorlage?

Kentaro Hagiwara: Die Texte der Manga-Figuren und der realen Schauspieler sind natürlich schon verschieden. Im Manga wird viel erklärt, vor allem was Gefühle angeht. In einem Live-Action-Film sieht man viele Sachen auch so. Das ist der große Unterschied. Wie die Manga-Charaktere vor einem realen Hintergrund dargestellt werden, ist wirklich faszinierend.

Sumikai: Können Sie uns ihre Eindrücke von Masataka Kubota in der Rolle der Hauptfigur Ken Kaneki schildern?

Kentaro Hagiwara: Ich war total begeistert. Herr Kubota ist sehr talentiert, wenn es darum geht eine Manga-Figur in einem realen Film darzustellen. Er schafft es, den Charakter nicht zu mangahaft erscheinen zu lassen. Man kann sich das als einen Kreis vorstellen. Mitten in diesem Kreis zu stehen, ist nicht schwierig. Dann ist man die Manga-Figur. Die Herausforderung besteht darin, am Rand zu arbeiten, um die Übergänge zu transportieren. Denn bewegt man sich außerhalb dieses Kreises, ist der Darsteller wieder zu sehr Mensch und kann nicht überzeugen. Masataka Kubota versteht es meisterlich, sich an diesem Rand zwischen beidem zu bewegen und das ist seine große Stärke.

Bei den Aufnahmen habe ich oft den Original-Manga gezeigt und ihm gesagt, dass er diese Szene so spielen soll. Herr Kubota hat es sofort verstanden, die Darstellung entsprechend an diesen Rand anzupassen, ohne dass die Darstellung zu mangahaft wird. Somit kann man die Vorteile des Realfilms sehr gut mit denen des Manga kombinieren.

Tokyo Ghoul
Bild: Masataka Kubota als Ken Kaneki
Sumikai: Last but not least, möchten Sie dem deutschen Publikum bzw. unseren Leser ein paar abschließende Worte hinterlassen?

Kentaro Hagiwara: Ich wollte, dass nicht nur die japanischen Zuschauer den Film genießen, sondern auch die Fans weltweit Spaß an dem Realfilm Tokyo Ghoul haben. Ich weiß, dass es bereits viele Fans von der Reihe gibt. Trotzdem wollte ich den Film so gestalten, dass auch Leute, die den Manga noch nicht kennen, den Movie verstehen und mögen. Das war mein großes Ziel, während ich an Tokyo Ghoul gearbeitet habe.

Sumikai: Wir bedanken uns, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben und hoffen, dass Sie ihren weiteren Aufenthalt in Deutschland genießen.
Tokyo Ghoul Visual
Tokyo Ghoul © Shochiku

Inzwischen hat Kazé angekündigt, dass die Anime Nights fortgesetzt werden. Unter anderem steht auch die Präsentation der deutschen Synchronisation von Tokyo Ghoul auf dem Programmplan.

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