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Nippon Connection 2017 – große Auswahl an Filmen unterschiedlicher Genres

Sumikai war dieses Jahr wieder auf der Nippon Connection vertreten. Dort haben wir natürlich eine Reihe von Filmen unterschiedlichster Genres angesehen. Hier folgt nun ein Überblick der interessanten Streifen.

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Ein Teil der hier aufgelisteten Filme haben auch am Wettbewerb für die Preise in der Nippon Vision und Nippon Cinema Kategorie teilgenommen. Die Gewinner wurden zusammen mit der Verleihung des Nippon Honor Awards an Koji Yakusho am Sonntagabend bekannt gegeben.

Wie jedes Jahr stehen so viele interessant klingende Filme zur Auswahl, dass man leider nicht die Chance hat, alles zu sehen, was einen anspricht. Oftmals überschneiden sich die Termine. Unsere Redakteure haben sich unter anderem für folgende Titel entschieden:

A Bride for Rip van Winkle (Rippu van Winkuru no hanayome) von Shunji Iwai

Dies ist der längste Film in dieser Auswahl mit 3 Stunden Laufzeit. Trotz dieser Länge und der ruhigen Erzählung wird dem Zuschauer aber nicht langweilig. Man ahnt anfangs nicht, wohin die Geschichte sich entwickeln wird. Erst nach gut der Hälfte kann man es vermuten. Erzählt wird die Geschichte von Nanami, die ihren Ehemann online kennen lernt. Allerdings verläuft die Ehe anders als geplant. Bald schon sitzt sie mit nichts da und muss sich wieder allein durchschlagen.

A Silent Voice (eiga koe no katachi) von Naoko Yamada

A Silent Voice
© 2016 Yoshitoki Oima, Kodansha/ „Koe no Katachi“ Film Production Committee
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Der Anime ist kein Film für schwache Nerven. Er beschäftigt sich mit dem Thema Mobbing und den psychischen Folgen noch Jahre danach. A Silent Voice erzählt die Geschichte der gehörlosen Shoko, die als Kind von Shoya und den anderen Klassenkameraden gemobbt wurde. Als sie deswegen die Schule verlässt, ist Shoya der Sündenbock und erfährt die gleiche Behandlung wie Shoko zuvor. Dies hinterlässt bei beiden tiefe Narben, die sich noch Jahr später zeigen.

Der Film wurde auf der Nippon Connection mit englischen Untertiteln für Hörgeschädigte gezeigt, was die Thematik des Animes unterstreicht. A Silent Voice ist sehr gefühlvoll gestaltet mit einer gelungenen Kombination von Bild und Ton. Durch dieses Zusammenwirken kommt die Gefühlswelt der Protagonisten deutlich zum Vorschein.

Daguerrotype (dagereotaipu no onna) von Kiyoshi Kurosawa

Der Film ist in Frankreich entstanden und lief daher in Französisch mit englischen Untertiteln. Auch die Schauspieler sind Europäer. Daguerrotype handelt von Jean, der bei dem bekannten Fotografen Stéphane als Assistent zu arbeiten beginnt. Stéphane ist besessen von der alten Fotografie, speziell von Daguerrotypes. Sein Model ist seine Tochter Marie. Während Marie mit Jean wegziehen will, hat Stéphane den Tod seiner Frau noch nicht überwunden. Er sieht sie immer wieder als Geist erscheinen.

Statt eines Horrorfilms ist Daguerrotype ein Familiendrama, bei dem die Hinterbliebenen den Tod nicht verarbeitet haben und sich in Fantasien verlieren. Wie für japanische Filme bekannt, entwickelt sich die Geschichte langsam und in in ruhigen Bildern.

Death Note – Light up the NEW World von Shinsuke Sato

Nach zehn Jahren Pause ist dies nun die dritte Verfilmung des Manga. Er setzt die Geschichte um die todbringenden Notizbücher fort. Auch im Film sind zehn Jahre vergangen. Sechs neue Death Notes kommen auf die Erde und führen zu einem Machtkampf.

Die Götter sind gut animiert. Auch die Schauspieler leisten gute Arbeit. Insgesamt bestimmen viele Kämpfe den Film. Dadurch entsteht das Gefühl eines japanischen Blockbusters. Für Fans der Reihe gewiss eine gute und actiongeladene Fortsetzung.

Gukoroku – Traces of Sin von Kei Ishikawa

Gukoroku 11-16
© Warner Bros. / Office Kitano

Hier war der Regisseur bei der Ausstrahlung anwesend und beantwortete nach dem Film einige Fragen. Der düstere Thriller handelt von der Aufklärung eines Mordfalls, der ein Jahr zuvor geschah. Während der Recherchen kommen bei allen Beteiligten tiefe Wunden zum Vorschein.

Die vielen Rückblicke und die Einblicke in die Vergangenheit der Charaktere erzeugen eine packende Stimmung. Unterstützt wird dies durch eine passende musikalische Untermalung.

GOOD/BYE (sayonara mo dekinai) von Izumi Matsuno

Die Liebesgeschichte handelt von einem Expärchen. Die beiden sind zwar schon seit 3 Jahren getrennt, leben aber immer noch zusammen. Im Laufe der Handlung müssen sie ihre aktuelle Situation überdenken.

In ruhigen Bildern und langen Einstellungen wird die Geschichte erzählt. Die klassische Musik, oftmals eine Orgel, wird je nach Gefühlssituation der Charaktere passend eingesetzt. Alle Darsteller sind Laienschauspieler. Dies merkt man vor allem an der ungeschulten Mimik, vor allem bei Nahaufnahmen. Hintergrundgeräusche sind auch zeitweise lauter als gewohnt.

Gui aiueo:S A Stone from Another Mountain to Polish Your Own Stone von Go Shibata

Gui aiueo:S ist ein experimentaler Dokumentarfilm über eine Gruppe Männer, die Tonaufnahmen von verschiedenen Naturerscheinungen machen und nebenbei auf UFO-Suche gehen. Dem Film merkt man den experimentalen Charakter an. Er ist nicht nur in Schwarz-Weiß gehalten, sondern die Hintergrundgeräusche sind entweder sehr direkt und laut oder nicht vorhanden. Es wird keine direkte Geschichte erzählt, mehr einzelne Szenen und Ereignisse rund um die Gruppe. Zur Vorstellung waren der Produzent und später auch für Fragen der Regisseur anwesend.

Vor dem eigentlichen Film lief der Vorfilm The Interpreter, der auch sehr experimentell gestaltet war. Es war eine gezeichnete Erzählung. Dabei setzten sich die Bilder aus Bleistiftmalerei, schwarz-weiß-Drucken von existierenden Gebäuden und Druckgrafiken zusammen.

My Uncle (boku no ojisan) von Nobuhiro Yamashita

Dies ist einer der beiden Filme von Yamashita, die auf der Nippon Connection gezeigt wurden. Der Regisseur war auch im Film anwesend und gab ein Filmemachergespräch. My Uncle ist die Verfilmung eines Kinderbuchs aus den 1960er Jahren, also ist der Film auch für die ganze Familie geeignet. Selbst Erwachsene können gut über den dargestellten Humor lachen. Der Film erzählt die Geschichte von Yukio, der von seinem Onkel berichtet. Dieser ist ein nutzloser Philosophiedozent, der sich bei Yukios Eltern eingenistet hat. Sein Leben gerät durcheinander, als er die schöne Eri trifft und sich in sie verliebt. Im ganzen Film erscheint der junge Yukio erwachsener als die Erwachsenen selbst.

Shin Godzilla von Hideaki Anno und Shinji Higuchi

shin godzilla
© 2016 TOHO Co., Ltd.

Shin Godzilla erzählt die schon seit 1954 bekannte Geschichte des Monsters, das plötzlich in Tokyo erscheint und Zerstörung bringt. In dieser Neuverfilmung wird allerdings der Fokus nicht auf die Actionszenen gesetzt. Vielmehr beschreibt er die Vorgänge hinter den Szenen in der Regierung. Außerdem macht Godzilla eine Metamorphose mit, er verändert mehrmals seine Gestalt.

Idee des Films war, einen Kontrast zwischen Realität und Fiktion darzustellen. Daraus sollte ein möglichst ernsthafter und realistischer Film werden. Für japanische Verhältnisse ist eine gute Animation für die Szenen mit Godzilla verwendet worden, wenn er auch anfangs sehr eigenwillig aussieht. Zusätzlich geben die Schauspieler eine fantastische Perfomance, auch das Englisch der Darsteller ist gut. Man muss nur damit leben, dass manchmal etwas eigenwillige Einstellungen in den Szenen verwendet werden, wie immer wieder in japanischen Filmen.

SKIP CITY Shorts

In SKIP CITY Shorts zeigt die Nippon Connection eine Auswahl von Kurzfilmen, die auf dem SKIP CITY INTERNATIONAL D-Cinema FESTIVAL 2016 in Saitama liefen und hauptsächlich von jungen Regisseuren stammen. Vier Filme standen zur Auswahl. Bei zwei Filmen waren auch die entsprechenden Regisseure anwesend.

Tampopo auf dem Nippon Filmdinner von Juzo Itami

Bei Tampopo dreht sich alles ums Essen. Die zentrale Geschichte handelt von der Ramenladen-Besitzerin Tampopo, die mit der Zubereitung der Suppe Probleme hat. Hilfe erhält sie von zwei LKW-Fahrern, die ihr zeigen, wie man guten Ramen zubereitet. Neben dieser Handlung gibt es immer wieder Darstellungen von anderen Geschehnissen, bei denen verschiedenste Gerichte gekocht werden. Auch der diesjährige Preisträger Koji Yakusho hat einen Auftritt als Mann im weißen Anzug, der Essensspielchen mit seiner Freundin macht.
Insgesamt ist Tampopo eine leichte, an einen Western angehauchte Komödie, rund ums Essen.

The Phone of Wind: Whispers to Lost Families, NHK Dokumentation von Tomohiko Yokoyama und Ryo Urabe

The Phone of the Wind von NHK
© NHK

Zentrum der Dokumentation ist eine Telefonzelle, die in Otsuchi steht und Windtelefon genannt wird. Dorthin gehen Hinterbliebene, die mit ihren verstorbenen Familienmitgliedern sprechen wollen. Speziell sind hier Personen interviewt worden, die jemanden bei der Katastrophe in Fukushima 2011 verloren haben.

Die etwa 50 Minuten lange Dokumentation zeigt, wie die Hinterbliebenen mit ihrer Trauer auch mehrere Jahre nach der Katastrophe umgehen. Der Regisseur der Dokumentation stand nach dem Film auf der Nippon Connection auch für ein Q&A zur Verfügung.

The Projects (danchi) von Junji Sakamoto

Der Film ist eine leichte Komödie über ein Ehepaar, das in ein Wohnprojekt zieht. Die Apotheker haben nach dem Tod ihres Sohnes ihr Geschäft aufgegeben. Trotzdem erhalten sie noch Besuch von einem ehemalige Kunden. Das Leben der anderen Bewohner und die Gerüchteküche werden auch aufgegriffen und beeinflussen den Verlauf der Geschichte. Wer den Film beginnt zu schauen, ahnt aber anfangs noch nicht, wie das Ende aussieht.
Die Handlung ist ruhig erzählt und wird durch ebenso ruhige Musik unterstützt.

TKY2015 Short Film Series

Die Kurzfilme hier sind Teil eines Projekts, das Tokyo mit seinen Leuten und Kultur darstellen sollte. Außerdem förderte das Projekt junge Regisseure. Sechs Filme erzählen Geschichten um Leute, die in Tokyo leben. Dabei reicht das Spektrum von einem surreal anmutenden Traum über eine Geschichte von einem bestimmten Stadtteil bis zu einem Interview auf der Straße. Der Regisseur eines der Filme war auch anwesend und stand für Fragen zur Verfügung.

Wet Woman in the Wind von Akihiko Shiota

Screenshot Wet Woman in the Wind
© Nikkatsu

Der Film ist Teil des Roman Porno Reboot Projects von Nikkatsu. Er erzählt die Geschichte von Kosuke und Shiori. Kosuke möchte von der Frauenwelt nicht mehr wissen, Shiori hat aber Gefallen an ihm gefunden und versucht auf ungewöhnliche Weise, ihn herauszufordern. Obwohl Wet Woman in the Wind ein Erotikfilm ist, gestaltet Shiota die Geschichte anders als die traditionellen Werke. Er wollte eine starke, selbstbestimmte Frau darstellen. Daneben sind viele lustige Szenen zwischen den beiden Hauptcharakteren zu finden. Akihito Shiota war auch auf der Nippon Connection anwesend. Er gab nicht nur ein Q&A nach der Vorstellung, sondern auch ein Filmemachergespräch.

Insgesamt gab es wieder eine große Vielfalt an Filmen auf der Nippon Connection. Sie reichten von experimentellen Arbeiten und low budget Filmen bis zu teuer ausgearbeiteten Streifen. Viele Vorstellungen wurden gut besucht. Für A Silent Voice gab es beispielsweise schon direkt zu Beginn des Filmfests keine Karten mehr, auch Her Love Boils Bathwater war schnell ausverkauft. Von ihrer Filmauswahl her war die Nippon Connection auch dieses Jahr ein voller Erfolg – da freut man sich schon aufs nächste Jahr.

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