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Nobuhiro Yamashita im Filmemachergespräch auf der Nippon Connection

Regisseur Nobuhiro Yamashita war dieses Jahr zu Gast bei der Nippon Connection. Das renommierte Filmfest zeigte auch zwei seiner Filme: Over the Fence und My Uncle. Für die beiden Filmvorführungen stand der Regisseur im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Zudem gab er ein Filmemachergespräch.

Bei diesem wurde auch wieder auf die Filme kurz eingegangen. Daher fließen hier auch die Antworten aus dem Q&A nach My Uncle mit ein.

Viele Filme von Yamashita liefen schon auf der Nippon Connection. Dies ist aber das erste Mal, dass der Regisseur selbst zu Gast ist. Sein allererster Film wurde auch auf dedem Filmfestival ausgestrahlt. Daher betrachtet der Regisseur die Nippon Connection als den Startpunkt seiner Karriere.

Er ist dieses Jahr auch Teil der Jury, die den Nippon Jury Award vergeben. Yamashita findet es zwar schwer, Filme aus dem eigenen Land zu bewerten, kann sich aber gut in die Newcomer hinein versetzen. Von daher ist er zuversichtlich, dass er die Filme gut bewerten kann.

Regisseur Nobuhiro Yamashita
© Kiyoe Akechi

Yamashita ist zwar verheiratet, hat aber keine Kinder. Diese Erfahrung hat auch einen Einfluss auf seine Filme. Lange Zeit wollte er nicht alt werden und nutzte daher junge Protagonisten in seinen Filmen. Mittlerweile ist er aber über vierzig. Damit ändern sich auch seine Themen. Er muss sozusagen erwachsen werden.

Yamashita wechselt immer wieder die Drehbuchautoren. Er entscheidet dies von Fall zu Fall. Am Anfang seiner Karriere wurden die Drehbuchautoren immer vom Produzenten vorgegeben. Mittlerweile setzt er sich erstmal mit dem Produzenten zusammen und sucht im Anschluss einen Autor aus. Insgesamt mag es Yamashita, je nach Arbeit mit unterschiedlichen Leuten zusammen zu arbeiten. In den letzten 15 Jahren hat er aber oft mit Suto Filme produziert.

Die Filme My Uncle und Over the Fence sind kurz hintereinander entstanden. Yamashita glaubt aber, dass die Zuschauer beide Filme mögen werden, auch wenn My Uncle eher sein Genre ist. Beide Filme wurden ihm angeboten.

Während My Uncle eine Fantasiegeschichte ohne Realitätsbezug ist, handelt Over the Fence von Alltagsproblemen. Shiraiwa und Yamashita sind etwa gleich alt. Yamashita hat Eigenschaften von ihm selbst in den Shiraiwas Charakter eingebaut. Dagegen ist der Onkel eine reine Fantasiefigur.

My Uncle

In My Uncle erzählt ein Grundschüler namens Yukio von seinem nichtsnutzigen Onkel. Die Erlebnisse schreibt er in einem Tagebuch, das er für die Schule anfertigen muss, auf.

Produzent Yasushi Suto hat den Film in die Wege geleitet. Er wollte Yamashita als Regisseur und Ryuhei Matsuda als den Hauptdarsteller. Der Dreh dauerte zwei Monate lang, zwanzig Drehtage in Japan, zwanzig in Hawaii. Den Jungen Yukio haben sie über ein Casting gefunden. Er verstand die Thematik von Anfang an sehr gut. Dadurch konnten sie auch improvisieren. Zum Beispiel verstand er, dass Yukio sein Leben besser im Griff hat als der Onkel.

Die Vorlage des Films ist ein Kinderbuch aus den 70ern. Produzent und Drehbuchautor Suto liebte das Buch als Kind so sehr, dass er es schon Jahre vorher verfilmen wollte. Yamashita selbst hat das Buch nicht gekannt. Er begann erst in der Universität Bücher zu lesen, zuvor waren las er nur Mangas.

Da die Buchvorlage etwas älter ist, sind auch die Dialoge im Film in einer etwas älteren Sprache. Daher musste das Team vor allem in Japan gründlich üben. In Hawaii gab es mehr Szenen mit englischer Sprache, daher war das Ganze etwas freier.

Im Film sieht man immer wieder DVDs von Stummfilmen. Yamashita hat aber bisher selbst wenige geschaut. Eine gewisse Orientierung gab ihm ein Film von Jaques Tatis. In diesem spielte auch ein Onkel mit.

Boku no Ojisan
(c) 1972 北杜夫/新潮社 
(c) 2016 「ぼくのおじさん」製作委員会

Der Onkel in My Uncle ist Philosoph und mag auch Immanuel Kant. Yamashita hat daher versucht, Philosophiebücher zu lesen, aber keine Verbindung dazu aufbauen können. Schließlich hat er nur über Kant geschrieben.

Der Film ist an junge Leute gerichtet, aber nicht unbedingt als Kinder- und Jugendfilm zu verstehen. Auch für Erwachsene, die sich in die Situation hineinversetzen können, ist er geeignet. In My Uncle ist der junge Yukio teilweise erwachsener als sein Onkel. Selbst alle anderen Erwachsenen verhalten sich wie Kinder. Diese Situation soll Kinder zum Lachen bringen. Auch Yamashita selbst kann sich am Ehesten mit dem Onkel identifizieren. Ihn mag er am liebsten.

Ryuhei Matsuda, der im Film den Onkel darstellt, hat anfangs nur ernste Filme gemacht. Mittlerweile gehören aber auch immer mehr Komödien zu seinem Repertoire. Damit zeigt er eine Entwicklung. Die Vielfalt seiner Filme nimmt zu. Er hat eine einmalige Ausstrahlung, die auch in Komödien gut wirkt. Die Idee, Matsuda den Onkel spielen zu lassen, kam von Suto.

Matsuda gestaltete beim Dreh auch den Charakter seiner Figur mit. Yamashita ist der Meinung, dass der Schauspieler viel über seinen Charakter nachdenkt und sich so gut in ihn hineinversetzen kann.

Eine Inspiration für My Uncle ist der Film Tora-san. Dies ist ein langer Streifen, bei dem der Hauptcharakter keine Entwicklung zeigt. Daher kam Yamashita die Idee, dass man nicht unbedingt eine Charakterentwicklung benötigt. Er wollte selbst einmal einen solchen Film drehen.

Das Ende des Films ist so gestaltet, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Allerdings hat er in Japan nicht viel eingebracht. Von daher ist eine Fortsetzung unwahrscheinlich. Man kann auch nicht lange auf den Dreh für das Sequel warten, weil sonst der Darsteller von Yukio zu alt ist. Yamashita kann sich aber vorstellen, eine Weiterführung der Geschichte in Form eines Animes zu machen.

Over the Fence

Die Produktion des Films war eine Herausforderung, da es der dritte Teil aus einer Serie von Buchverfilmungen ist. Außerdem ist Yamashita nicht gewohnt, Liebesgeschichten zu schreiben. Die ersten beiden Filme der Reihe stammten von zwei Regisseuren der selben Universität wie Yamashita, einer davon sogar aus dem selben Jahrgang.

Over the Fence
©2016 „Over the Fence“ Production Committee

Der Film war eine lokale Produktion in Osaka, alle Mitarbeiter stammten von dort. Yamashita hat anfangs auch mit solchen lokalen Themen gearbeitet, bis er nach Tokyo ging. Er mag es aber, so lokale Filme zu drehen, vor allem, da es viel familiärer ist. Alle Mitarbeiter haben zum Beispiel im selben Hotel zusammen übernachtet.

Yamashita war das erste Mal in Hakodate. Die ganze Stadt hat für ihn wie ein Filmset ausgesehen. Insgesamt werden Hafenstädte ja oft wegen ihres multikulturellen Einflusses für Filme genutzt, zum Beispiel Actionfilme.

Im Originalwerk ist der Hauptcharakter 24 Jahre alt. Damit sich Yamashita aber besser mit ihm identifizieren kann, hat er ihn für den Film 40 Jahre alt gemacht. Dies ist etwa sein Alter.

In Over the Fence ist ein leichter Humor eingebaut. Zum Beispiel streitet sich ein Pärchen in Anwesenheit eines Kindes. Die Frau rennt weg. Der Mann möchte ihr hinterher, wird aber von dem Kind aufgehalten, da er es nicht unbeaufsichtigt lassen kann. Solche Szenen sollen Pärchen darauf hinweisen, dass außer ihnen auch noch andere auf der Welt leben. Yamashita möchte dies so zeigen, da er es auch nicht mag, wenn sich Leute in der Öffentlichkeit küssen.

Yamashita hatte mit dem Cast von Over the Fence noch nie zuvor gearbeitet. Dies war eine Herausforderung für ihn. Außerdem spielten die Hauptcharaktere in nur wenigen Szenen zusammen. Dadurch konnte er auch nicht voraussehen, wie diese aufeinander reagieren.

Die beiden Hauptdarsteller Joe Odagiri und Yu Aoi sind in Japan ziemlich bekannt. Da Over the Fence ein Low Budget Film ist, haben beide Darsteller nicht die gewohnte Gage bekommen. Die beiden mochten das Drehbuch aber so sehr, dass sie sich sofort bereit erklärten, für weniger Geld mitzuspielen.

Yamashita erhielt schon mehrmals Lob für die Darstellung weiblicher Charaktere in seinen Filmen. So war dies auch bei Over the Fence. Er arbeitet gerne mit Frauen zusammen, er bewundert sie. Wenn Yamashita männliche Charaktere darstellt, kann er sich mit ihnen identifizieren. Bei Frauen muss er mehr überlegen und reflektieren, welche Beweggründe sie zum Beispiel haben. Das mag er. Dadurch sind die männlichen Charaktere immer sehr konkret und reflektiert von ihm vorgegeben. Die weiblichen Charaktere kann er nicht komplett verstehen. Dadurch hat die Darstellerin mehr Freiheit.

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