Radiance von Naomi Kawase – Eine Hommage ans Kino

In ihrem neuen Werk Radiance (jap. Hikari) erzählt die preisgekrönte japanische Filmemacherin Naomi Kawase (Kirschblüten und rote Bohnen) nicht nur eine bezaubernde Liebesgeschichte, sondern schafft zugleich ein tiefgehendes Werk über die Schönheit des Kinos.

Misako Ozaki (Ayame Misaki) hat einen sehr seltenen Beruf. Sie ist Audiodeskriptorin und schreibt mit großer Leidenschaft und viel Hingabe Hörfassungen von Kinofilmen für Blinde. Nach einer Vorführung trifft die junge Frau auf den schroffen und unnahbaren Fotografen Masaya Nakamori (Masatoshi Nagase), der ihre Arbeiten unverblümt kritisiert und dabei zur Herausforderung für Misako wird. Zwischen Masaya, der nach und nach sein Augenlicht verliert, und Misako, die das Verschwinden ihres Vaters nicht überwinden kann, entwickelt sich bei all der anfänglichen Abneigung ein leidenschaftliches Band.

„Du kannst nichts mehr sehen und hast mir doch soviel gezeigt“

Misako entdeckt in den Werken von Nakamori eine seltsame Verbindung zu ihrer eigenen Vergangenheit und Nakamori, der mit letzter Kraft an seinem schwindenden Sehvermögen festhält, findet in der jungen Frau eine Partnerin, die sein Leben wieder mit Bildern füllen kann. Gemeinsam erkunden die Protagonisten schmerzvolle Erinnerungen, unterdrückte Gefühle und eine strahlende Welt, die den beiden bislang unsichtbar war.

Radiance von Naomi Kawase
Misako Ozaki (Ayame Misaki) und Masaya Nakamori (Masatoshi Nagase) © Association Française du Festival International du Film (www.festival-cannes.com)

„Nichts ist schöner als das, was vor unseren Augen verschwindet“

Wie schon mit Kirschblüten und rote Bohnen erschafft Naomi Kawase auch mit Radiance einen poetischen Film mit wunderschönen und ausdrucksstarken Aufnahmen. Dabei steht nicht nur die Liebesbeziehung der beiden Protagonisten im Vordergrund, sondern die Wahrnehmung an sich. Den so seltenen Beruf der Protagonistin kann man auch als Hommage an die Schönheit des Kinos verstehen, die hier mit eindrucksvollen Großaufnahmen und lichtdurchfluteten Bildern belebt wird. „Nichts ist schöner, als das was vor unseren Augen verschwindet“ bildet dabei das zentrale Thema des Films. Nur durch die Beziehung zu dem erblindenden Fotografen lernt Misako, die Welt mit neuen Augen wahrzunehmen und wesentliche Dinge, die für das menschliche Auge oberflächlich nicht sichtbar sind, wahrzunehmen und in Worte zu fassen.

Infos zur Regisseurin:

Die im Jahr 1969 geborene Filmemacherin Naomi Kawase (河瀬 直美) wurde für ihre Filme schon mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet. In Cannes gewann sie 2007 den Großen Preis der Jury für ihre Werk Wald der Trauer und 1997 wurde sie mit der Goldenen Kamera für ihr Debüt Suzaku ausgezeichnet. Auch der Film Kirschblüten und rote Bohnen, der 2015 auf dem Filmfestival in Cannes Premiere feierte, wurde mehrfach ausgezeichnet und von Kritikern aus aller Welt gelobt.

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