Interview mit Yoshiki zur Deutschlandpremiere von We are X

Yoshiki präsentierte die Dokumentation We are X in Berlin und wir durften ihn treffen

Yoshiki X JAPAN

Letzte Woche Donnerstag startete Yoshiki seine große European Theatrical Tour 2017, im Zuge derer er den Film „We are X“ in ausgesuchten Kinos zeigt. Als Startpunkt der großen Tour wurde Berlin ausgewählt, was uns natürlich sehr freut. Und obwohl Yoshiki einen sehr vollen Terminkalender hatte, nahm er sich Zeit, um uns ein paar Fragen zu beantworten.

Für die Zeit seines Besuchs residierte Yoshiki im Hyatt Hotel, das nur wenige Minuten vom Sony Center entfernt liegt, in dem auch die restlos ausverkaufte Vorführung des Films stattfinden sollte. Auch die meisten Interviewtermine fanden im Hotel statt.

Während der Fahrt in die siebte Etage hatte ich erst einmal Zeit das Ambiente auf mich wirken zu lassen. Als ich die Ohren aufsperrte, fiel mir sofort auf, dass ich hier genau richtig bin. Aus einem Zimmer erklang schöne Klaviermusik. Yoshiki spielte „Wind of Change“ von den Scorpions.

Dann war es endlich soweit. Ich erlebte einen entspannten und rücksichtsvollen Star, der mir Rede und Antwort stand.

Sumikai: Erst einmal möchte ich dich sehr herzlich in Deutschland begrüßen und dir danken, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Im Mai wurdest du an den Nackenwirbeln operiert, wir hoffen, dass du dich davon gut erholt hast. Gibt es noch Probleme, die dich oder X Japan gravierend beeinflussen?

Es war und ist immer noch schwer, weil es so eine große Operation war. Man sieht auch die Narbe immer noch sehr deutlich, wo mir der Hals aufgeschnitten wurde. Sie haben ihn vorne aufgeschnitten, um an meine Nackenwirbel zu gelangen.

Ich habe immer noch ein seltsames Gefühl, als ob dieser Bereich (der vordere Teil des Halses) nicht mehr richtig zu mir gehört. Ich fühle mich aktuell immer noch sehr seltsam in meinem eigenen Körper, obwohl es schon über vier Monate her ist.

Kurz nach der Operation startete schon meine Physiotherapie, die ich bis heute weiterhin mache. Die Übungen und Lektionen tun mir wirklich gut und ich fühle mich immer besser. Inzwischen habe ich schon wieder ein viel besseres Gefühl in den Fingern meiner rechten Hand. Die linke Seite des Wirbels war mehr geschädigt und sorgte dafür, dass ich dort große Schwierigkeiten hatte.

Mittlerweile kann ich schon wieder Piano spielen, was vorher nur sehr mühsam möglich war. Und auch an den Drums fühle ich mich immer sicherer. In ein paar Wochen kann ich wieder richtig loslegen. Darauf freue ich mich schon sehr.

Trotzdem war es eine harte Zeit. Besonders wenn ich ins Bett gehe, ist es heute noch schwierig. Meine normale Schlafposition kann ich leider immer noch nicht einnehmen. Die schmerzhaftesten Momente sind zurzeit wirklich die, wenn ich ins Bett gehe.

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X Japan

Sumikai: Kannst du uns kurz etwas zu der Dokumentation „We Are X“ sagen und verraten, welcher Part davon dir am meisten gefällt? In der Dokumentation gibst du den Fans tiefe Einblicke in dein Innerstes. Wie fühlt es sich für dich an, das nach einer gewissen Zeit wieder zu sehen?

Ich wollte eher Teil der Dokumentation sein als einfacher Produzent oder Erzähler. An manchen Stellen wäre es für mich auch gar nicht möglich gewesen den Film so gut zu machen. Es war zu schmerzhaft für mich über den Tod zu sprechen. Deswegen danke ich dem Produzenten Stephen Kijak dafür, dass er so einen guten Job gemacht hat.

Obwohl es zweitweise emotional sehr schwierig war an der Dokumentation zu arbeiten, eröffnete sie uns doch einen neuen Weg in die Zukunft. Die Arbeit an dem Film ermöglichte uns ganz neue Möglichkeiten zu erkennen. Vor allem auch die Präsentation, erst in Deutschland, dann in Europa und später auch in den USA ist eine große Chance.

Es gibt viele Momente im Film, die für mich heute noch unvergleichlich sind. Vor allem die Interviews, die ich für den Film gab, sind mir im Gedächtnis geblieben. Besonders als ich über meinen Vater und hide gesprochen habe, fiel mir das überhaupt nicht leicht. Auch die Bilder aus der Vergangenheit, die gezeigt werden und die mich auf einem Weg begleiteten, gehen mir heute noch sehr nah.

Vor allem die Bilder, die mich als Kind am Strand zusammen mit meinem Vater zeigen und wie ich nackig durch die Gegend laufe, sind mir heute schon ein wenig peinlich. Aber auch das bin ich. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diese Bilder eigentlich zur Verfügung stellen soll. Aber alle haben gesagt, wir müssen dieses Bild unbedingt zeigen. Im Endeffekt sind es wirklich die meisten privaten Fotos und Bilder, die mir heute noch nahegehen, obwohl ich sie natürlich sehr mag.

Sumikai: Gibt es Dinge oder Entscheidungen in deiner Musikkarriere, die du rückblickend bereust oder vielleicht anders machen würdest?

Es gibt natürlich sehr viel, was ich heute bedauere. Vor allem der Verlust dieser wichtigen Teile der Band, aber auch meiner Freunde ist sehr traurig. Als hide und Taiji starben, habe ich mich immer wieder gefragt, was ich falsch gemacht habe und inwieweit ich zu ihrem Schicksal beigetragen habe. In dieser Zeit bin ich sehr in mich gegangen und habe mir selbst viele Fragen gestellt.

Diese beiden Dinge sind es, die ich meisten bedauere, obwohl ich nicht weiß, ob oder wie ich sie heute besser machen könnte. Der Rest ist einfach irgendwie passiert, meistens ohne dass ich persönlich großen Einfluss darauf nehmen konnte. Natürlich kann man es nicht immer allen recht machen und das will ich auch gar nicht.

Yoshiki
X Japan

Sumikai: Zum Schluss noch die Frage, ob du nicht ein paar Worte an deine deutschen Fans richten möchtest?

Es ist inzwischen mein vierter Besuch in Deutschland. 2011 kam ich mit X Japan hierher, um ein Konzert zu geben, 2014 war ich im Zuge meiner Classical Tour allein hier zu Besuch. Ich bekomme auch immer noch sehr viel Post von meinen deutschen Fans. Ich freue mich sehr darüber und auch dass sie mich bis heute unterstützen, bedeutet mir sehr viel. Ich bin sehr sicher, dass ich noch einmal hierherkommen werde, um die Bühne so richtig zu rocken. Ich freue mich schon sehr auf diesen Moment.

Sumikai: Vielen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Wir hoffen, dass du deine Zeit hier in Berlin genießt und wünschen dir viel Erfolg für deine weitere Tournee.

We are X – Wenn Kunst den Menschen beschreibt

Die Dokumentation We are X erzählt die Geschichte einer Band, die ganz klar zwei Leben lebt. Man sieht die Anfänge einer Gruppe, die mit dem äußeren Erfolg innerlich immer mehr zerbricht. Im Mittelpunkt steht Yoshiki als Mitbegründer und Leader, der X Japan mit aufbaut, aber auch den Niedergang mitverfolgt. Wobei in seinem Fall die Auflösung 1997 wohl eher die Vollbremsung zwei Zentimeter vor der Mauer gewesen sein dürfte. In dem Film erlebt man lange Zeit einen Getriebenen, der seinem Wunsch nach Unsterblichkeit nachjagt. Dieses Ziel zumindest hat X Japan inzwischen erreicht.

X Japan
We are X

Während sich We are X nach außen hin sehr laut präsentiert, wie man es bei einer solchen Musikgruppe erwartet, sind es vor allem die leisen Töne, die in Erinnerung bleiben. Yoshiki gibt tiefe Einblicke, nicht nur in die Geschichte der Band, sondern auch in sein Inneres. Der Selbstzerstörungs-Trip, auf dem er sich lange Zeit anscheinend befand, wird mit starken Bildern dargestellt und auch nicht beschönigt. Wir können alle froh sein, dass es ihm und auch der Band nach der Pause wieder einigermaßen gut geht und wir uns noch auf viele weitere Jahren freuen können.

Sumikai wird den Weg von Yoshiki und X Japan natürlich weiterhin im Auge behalten und zu gegebener Zeit hoffen wir, dass Yoshiki sein Versprechen einhält und wir ihn oder X Japan wieder hier in Deutschland begrüßen dürfen.

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