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Kommentar: japanische Idols – ein Blick hinter die Fassade

Sie singen, schauspielern, modeln, sind Werbeikonen oder im Synchrongeschäft – machen manchmal auch alle genannten Dinge: japanische Idols. Hinter der süßen und unschuldigen Fassade dieses lebendigen, blumigen Business‘ in Japan, schaut es allerdings nicht ganz so rosig aus.

Was sind Idols (アイドル, aidoru)

Im westlichen Raum versteht man unter diesem Begriff „Stars“, während in Japan vorwiegend junge Mädchen damit gemeint sind, die man als „kawaii“ (hübsch, niedlich) betrachtet, dem zufolge auf ihr Äußeres reduziert werden und damit in den Massenmedien erfolgreich sind. Besonders das weibliche Idol wird als Repräsentant für das Idealbild einer japanischen Frau und als Sinnbild für die konservativen moralischen Werte der japanischen Kultur vermarktet. Nicht zu verwechseln ist dies mit Gravure Idols, die mit Erotischem assoziiert werden.

In Japan bezeichnet man vereinzelt auch männliche Personen als Idol, wenngleich der Begriff hier in den meisten Fällen jene Bedeutung widerspiegelt, wie man sie auch im westlichen Raum kennt – z. B. mega erfolgreiche Männer, wie die Mitglieder der Boygroup SMAP.

Die Karriere beginnt oftmals im jungen Alter.

Die Idol-Branche ist für junge Mädchen verlockend. So bieten Institutionen Schulungen oder Trainings an, die kleine Kinder – gar erst im Grundschulalter – für das Showbusiness vorbereiten. Um die Talente ihrer Kinder zu fördern, greifen Eltern oftmals tief in die Tasche. Ob es im Endeffekt erfolgsversprechend ist, kann keiner garantieren. Und ob dieses Vorgehen allgemein für junge Kinder förderlich ist, sei an dieser Stelle ebenso fragwürdig.

Momoiro Clover Z (Japan Expo 2013)
By Dj ph from Paris, France (Japan Expo 13 by Dj ph -113) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Die harte Realität beginnt mit dem Eintritt ins Idol-Business.

Wer den Sprung schafft, dem erwartet harte Arbeit und noch mehr Disziplin. Japan ist allgemein betrachtet ein konservatives aber auch diszipliniertes Land. Genau dies verlangt das Idolgeschäft ab. Wie bereits erwähnt, die Mädchen repräsentieren das Idealbild einer japanischen Frau und sind das Sinnbild für die heimische Kultur. Agenturen oder Plattenfirmen warten daher mit strengen Regeln in ihren Verträgen auf. Jede noch so kleine „Jugendsünde“, die in die Öffentlichkeit gerät, mag der Karriere des Mädchens oder der Jugendlichen zum Verhängnis werden.

Um auf zwei Beispiele einzugehen: Von der damals 18-jährigen Ai Kago, zu dem Zeitpunkt noch Mitglied der Idol-Girlgroup Morning Musume, wurden im Februar 2006 Bilder in der japanischen Boulevardzeitung Friday veröffentlicht, auf denen sie beim Rauchen zu erkennen war. In Japan ist dies erst ab einem Alter von 20 Jahren erlaubt. Kagos Management reagierte nur einen Tag nach dieser Information mit ihrer Suspendierung.

Ein noch viel krasseres Beispiel, das auch die Weltpresse beschäftigte, ist jenes von Minami Minegishi, die man dabei erwischte, wie sie die Nacht bei ihrem Freund verbrachte. Um sich für den Regelbruch zu entschuldigen, rasierte sich Minegishi die Haare ab, rechtfertigte sich weinend vor der Kamera für ihre „Schandtat“ und bettelte um ihren Verbleib in der Idolgruppe AKB48.

Versteht mich nicht falsch: Regelbrüche sind selbstverständlich unschön und natürlich müssen junge Menschen mit den Konsequenzen leben. Allerdings nur im gewissen Rahmen. Es sollte jedem erlaubt sein, positive wie negative Erfahrungswerte zu sammeln, um daraus zu lernen, ohne dass es gleich in der Öffentlichkeit zerrissen wird.

Sex sells – Ein Business hart an der Grenze

Selbstverständlich unterscheidet man zwischen Gravure Idols und Idols. Jetzt kommt jedoch das große ABER: Kontrovers mag es für den westlichen Betrachter werden, wenn man jugendliche Mädchen in niedlichen und teils knapp bekleideten Kostümen auf der Bühne tanzen sieht. Dies zumeist vor erwachsenen Männern, die die Mädchen begeistert anfeuern. Ohne Witz: Mittlerweile veranstalten einige Idolgruppen „Girls Only“-Events, da sich weibliche Fans ungerne ins männliche Getümmel begeben.

Noch schlimmer ist das sexistisch angehauchte Posieren auf Fotos, wie man sie aus Photobooks kennt, welche von den jungen Idols auf den japanischen Markt kommen.

Kawaii-sein zählt – der öffentliche Druck wird enorm.

Je schöner und niedlicher du bist, um so erfolgreicher wirst du vermarktet. Nun stelle man sich vor: Als pubertierendes Mädchen entwickelt sich der Körper manchmal auch etwas ungünstig bzw. es entspricht nicht dem japanischen Idealbild. Was passiert? Das Mädchen gerät unter öffentlichen Druck, ihr Aussehen zum Positiven zu verändern. Denn mal ehrlich, wer möchte mit solchen Aussagen konfrontiert werden: „Du bist fett!“ oder „Trinke mehr Milch, damit deine Boobies wachsen!“. Das ist übrigens kein Scherz, sondern es sind tatsächlich Kommentare, wie man sie in Fanforen, Social-Media- oder Blog-Kommentaren liest. Ich will nicht wissen, wie sich pubertierende in der Öffentlichkeit stehende Mädchen fühlen, wenn sie derartige Dinge über sich in Erfahrung bringen.

Und alle Idols haben sich furchtbar lieb …

Idol-Gruppen werden in den meisten Fällen durch Castings aus den unterschiedlichsten Charaktertypen zusammengewürfelt. All diese Mädchen stehen direkt in der Konkurrenz. Wer übernimmt in der Gruppe die Führung? Wer spricht in den Medien und ist das Vorzeigegesicht? So heiter und schön das Miteinander der Mädchen vor der Kamera oder auf Fotos aussieht, so rosig kann es angesichts der Tatsache normalerweise nicht sein. Nur in den seltensten Fällen treten interne Konflikte allerdings an die Öffentlichkeit.

°C-ute (Japan Expo 2014)
By Serwan Melk (Berryz Kobo x °C-ute) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Das japanische Idol-Business ist schnelllebig.

Da wird ein japanisches Idol nach dem anderen aus dem Boden gestampft und binnen zwei Jahren interessiert sich niemand mehr dafür. Diese Schnelllebigkeit sorgt natürlich nicht nur für „Abwechslung“ bei den Idol-Fans, sondern baut beruflichen Druck auf und der Konkurrenzkampf ist, wie bereits erwähnt, untereinander enorm.

Das mag selbstverständlich bis zu einem gewissen Punkt förderlich sein, da man stets versucht, sein Bestes zu geben. Auf der anderen Seite stelle ich es mir jedoch äußerst deprimierend vor, trotz Eifer und des hineingesteckten Geldes zur Finanzierung dieser Karriere, kläglich zu scheitern. Man bedenke: In Japan spezialisieren sich Agenturen auf bestimmte berufliche Perspektiven. Wer beispielsweise gleichzeitig Seiyu, Sänger und Model werden möchte, der wird im schlimmsten Falle von drei Agenturen betreut, die natürlich stets zur Kasse bitten.

Letztendlich kann man sagen: Ein Idol in Japan zu sein ist mit einem enormen Druck verbunden, der von der strengen sowie geordneten japanischen Gesellschaft aber auch von dem schnelllebigen Business ausgeübt wird. Manch einer zerbricht am Ende daran bzw. gibt auf. Wer irgendwo mit dem Strom dieses Geschäftes sowie dem medialen Umfeld schwimmt und knallhart dranbleibt, der mag am Ende belohnt werden. Wenngleich dieser Markt umkämpft ist, weil es eben sehr viel Konkurrenz gibt. Idols leben mit dem ständigen Druck, ersetzbar zu sein. Meist ist die Karriere auch nur von kurzer Dauer bzw. findet im Erwachsenenalter (20+) ein Ende.

Für mich persönlich entwickelt sich diese Branche übrigens zu rasant und bietet selbst im musikalischen Sinne kaum noch Reizhaftes. Viele Lieder klingen eben doch sehr stereotypisch und synthetisch. An beispielsweise Idols aus dem Hello!Project oder von Yasushi Akimoto (AKB48 sowie dessen Schwestergruppen) habe ich daher seit einigen Jahren das Interesse verloren. Man kann hier schon gar nicht mehr von irgendwelchen „Stars“ reden, welche die japanische Musikgeschichte prägen und auch noch in 20 Jahren in den Köpfen der Leute schwirren. Hier stehen individuelle Persönlichkeiten kurzzeitig im Rampenlicht oder es werden Gruppierungen als Kurzprojekt aus dem Boden gestampft, die einem bestimmten Unterhaltungszweck erfüllen sollen.

Was haltet ihr von japanischen Idols/Idolgruppen? Teilt uns gerne eure Meinungen mit.

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7 Kommentare

  1. Ich bin/war ein Fan von CIAO BELLA CINQUETTI (Ex-THE Possible) und bin zum Glück immer noch mit dem Ex-Member YURIKA AKIYAMA befreundet. Vielem aus dem Artikel kann ich zu stimmen, da ich es selbst von ihr gehört habe. Aber auch noch viele andere Dinge die innerhalb der Gruppen bleiben und nur Andeutungsweise darüber hinaus kommen. So gut wie keiner der noch so Hardcore Irren Fans – der denkt das Idol gehöre ihm, hat im entfernsten eine Ahnung das eine „Ich habe dich gern“ Umarmung oder sogar ein Wangenküßchen oft tatsächlich viel mehr ist. Um der Einsamkeit zu entkommen, da wie angesprochen Idols „jungfräulich, unschuldig, Partnerlos“ sein sollen, kommt es oft vor das man sich innerhalb der Gruppe dann eine „Zweck“Partnerin sucht. Und das sind nicht wenige Gruppen!
    CBC selbst hatten ein Paar!!! Das hatte sich allerdings im Laufe der Zeit entwickelt und wurde echte, wahre Liebe, die noch etwas über die „Trennung“ hinausging, bis es nicht mehr funktionierte, da Ex-Member und Member keine Zeit mehr für einander hatten und die Beziehung auch an Konflikten wegen CBC dann zerbrach.
    Das Paar zeigte sich zu der Zeit sehr deutlich, ohne sich zu verstecken oder verleugnen zu müssen. Es gab in MV’s tiefe Blicke, auf Fotos innige Umarmungen, bei Song Performances nun sogar 2 erotische Berührungsparts, eine rote Rose geschenkt, einen Heiratsantrag in einem Song-Sketch… ect.

    Ich selbst habe auch einen offenen „Streit“ unter den Mädchen mit bekommen, da CBC fleißig auf Twitter waren. Yurika „Akkyan“ Akiyama war im Sommer 2014 sehr krank und mußte oft pausieren (u.a. private Probleme) Band Chefin Robin schrieb das sie wohl verflucht sei und Akkyan meinte das ihre schlechte Gesundheit wohl dann daran liegen würde. Robin entschuldigte sich und Akkyan schrieb zurück das sie sich das erst überlegen muß. Wenn man sich in der Gruppe auskennt, dann ist das hart, weil beide „ECHTE Beste Freundinnen“ sind! Was genau da vorgefallen war kam nie zur Sprache. Ich selbst weiß nur im geheimen das es Handgreiflichkeiten wegen Band Schönheit Yurika gab, die eben auch noch eine Verehrerin hatte, die die Beziehung nicht akzeptieren konnte!!!
    Auch schrieb sich besagtes, echtes Paar offen Liebesbekundungen auf Twitter, küßte sich auf der Bühne und konnte sogar im Live Stream nicht die Finger von einander lassen. Seit Sie nun die Gruppe verlassen hatte, war mehr als deutlich zu sehen wie sehr das Member unter ihrem gebrochenem Herzen litt. Sie lächelte zwar alles bei Auftritten und Shoots weg, doch zeigte sich dafür umso privater und ‚ungeschönt‘ bei Instagram. Dafür gab es vom Management eine Verwarnung! Sie dürfe ihre Gefühle nicht so offen zur Schau stellen und sollte sich mehr auf die Gruppe und ihre neue Position konzentrieren! Unfassbar!!!

    Was noch angesprochen werden müßte ist das es auch Fans gibt, die komplett austicken, wenn sie sich von ihrem Idol nicht beachtet genug fühlen. Diese Irren haben echt den Schuß nicht gehört! Sie lauern dem Idol dann auf so genannten Hand-Shake-Events auf und beschimpfen, bedrohnen oder verletzen es sogar. Viele Idols sind schon mit Messern attakiert worden, bekommen Drohbriefe und sogar richtige Morddrohungen wenn es dann ins Stalking übergeht. Meine Freundin blieb sowas erspart, ich kenne nur posivite Berichterstattungen, doch auch sie hatte mal einen Fan der sie verfolgt hatte. Er tauchte auf jedem Konzert, HSE und noch so kleinem Auftritt auf. Sie mußte lächlen, ihn mit Kußhand als ihren treuen Fan begrüßen und abermals LÄCHELN, obwohl sie innerlich geschrieen hatte. Eines Tages war er dann nicht mehr da und ich denke so irre wie der war, das er am 10. August 2015 dann Selbstmord begangen hat, als Yurika klamm heimlich ihr „Sayonara“ im Blog verkündete und für außenstehende Fans verschwand. Nur ihre engsten Freunde durften weiterhin teihaben an ihrem ’neuen‘ Leben als normale junge Frau die so viel nachholte, ihr gebrochenes Herz mit Herumreisen heilte und nun leider doch dem japanischen Alltagsdruck der Gesellschaft gefolgt ist – mit Ehemann und baldigem Baby…

  2. Dieser Artikel ist einseitig und inhaltlich an vielen Stellen falsch.

    Tatsächlich ist Japan, unabhängig von der Idolbranche, laut Global Gender Report 2016, zusammen mit Korea, das rückständigste industrialisierte Land im Bezug auf die Geschlechtergleichheit, weltweit. http://reports.weforum.org/global-gender-gap-report-2016/rankings/ Auf Platz 111 (im Vergleich: Deutschland befindet sich auf Platz 13) nimmt das Einfluss auf alle relevanten Bereiche des Lebens. Die von dir angesprochene Kritik an der Idolindustrie zeigt nur Symptome eines viel tiefer liegenden Problems auf.

    Zum eigentlichen Inhalt deines Artikels:

    Männliche Idole spiegeln, genauso wie ihre weiblichen Pendants, das Idealbild des japanischen Mannes wieder. Dass das Ideal bei Männern anders aussieht als bei Frauen hängt mit der Gesellschaft, nicht mit dem Idolbusiness zusammen. Tatsächlich werden aber auch männliche Idols nicht weniger provokativ und sexualisiert in Szene gesetzt als weibliche. Einer der größten Unterschiede besteht darin, dass männliche Idols länger im Geschäft bleiben können. Das hat aber ebenfalls zum einen mit gesellschaftlichen Erwartungen und der Kaufbereitschaft zu tun, zum anderen damit, dass sich das männliche Idolgeschäft gänzlich in der Hand von Johnny’s Jimusho befindet, die aufgrund nicht vorhandener Konkurrenz, einen größeren Einfluss auf den Markt haben, als die unzähligen Idolagenturen die Frauen managen.

    Nicht unerwähnt bleiben soll hierbei jedoch, dass auch männliche Idole keine öffentlichen Beziehungen führen dürfen, im höheren Alter zwar gegebenenfalls heiraten dürfen, hierfür jedoch um Erlaubnis bitten müssen bei ihrer Agentur (und meines Wissens nach wurde einer Heirat bisher erst in drei Fällen, über das letzte Jahrzehnt hinweg, zugestimmt) und bei Nichtbeachtung von japanischen Gesetzen (minderjähriges Rauchen, Trinken, Drogenkonsum) suspendiert und/oder entlassen. Hinzu kommen die Misbrauchvorwürfe, von diversen Mitgliedern der Agentur, gegenüber dem ehemaligen Agenturinhabers Johnny Kitagawa und seinem Team.

    Kago Ai wurde nicht entlassen weil sie öffentlich beim Rauchen erwischt wurde. Da war sie nicht die einzige, über die Jahre hinweg, der dies vorgeworfen wurde. Kago Ai wurde suspendiert und letztendlich entlassen, weil sie trotz mehrfacher Auffoderung zur Unterlassung, mit einem 37 Jahre älteren Pachinko-Spliehallenbesitzer ausgegangen und geschäftlichen Kontakte gepflegt hat, obwohl ihm eine Verbindung zur japanischen Mafia nachgesagt wurde.

    Wer sich mit dem japanischen Showgeschäft auskennt der weiß, dass große Teile davon mutmaßlich von der Yakuza gesteuert werden und hier immer wieder Verhaftungen und Untersuchungen durch die japanische Polizei vorgenommen werden. Problematisch ist, dass Verbindungen häufig nicht eindeutig nachgewiesen werden können, da niemand einen Mitgliedsausweis der Yakuza bei sich im Portemonnaie aufbewahrt. Kago Ais Gruppe, Morning Musume, bzw. deren Agentur UP-Front hatten erst einige Jahre vor Kagos Entlassung Probleme mit der Yakuza. Auf der Toilette eines Studios wurden einige Mitglieder aus der Kloschüssel heraus beim Toilettengang gefilmt und die Agentur wurde im Nachhinein mit der Öffentlichmachung dieser Aufnahmen erpresst. Auch in diesem Fall konnte eine Verbindung zur Mafia nicht eindeutig nachgewiesen werden. Aber Kago Ai unterhielt auch nach ihrer Entlassung weiterhin Kontakt zu dubiosen Geschäftsleuten und ihr erster Ehemann wurde letztendlich tatsächlich wegen Kontakten zur Mafia verhaftet und verurteilt.

    Absolut richtig ist, dass in Photobooks anzügliche Bilder von Minderjährigen veröffentlicht werden. Aber auch dies ist kein Phänomen das aus der Idolbranche stammt oder nur diese betrifft. Tatsächlich wird man in Japan kaum eine bekannte japanische Schauspielerin, oder ein Model finden, von der keine Gravure-Bilder und Photobooks existieren. Diese sind aber in der Regel kein Bestandteil eines Idolvertrags, sondern werden angefertigt nachdem die Mädchen, bzw. deren Eltern entsprechenden Angeboten zugestimmt haben und werden oftmals nicht von den Agenturen selbst, sondern von externen Anbietern produziert. Und auch hier ist es mutmaßlich eher der öffentliche Druck und die Alltäglichkeit mit der solche Bilder angenommen werden, der die jungen Frauen dazu bringt entsprechende Angebote annehmen zu wollen. Im Gegensatz dazu gibt es auch Idolagenturen, wie zum Beispiel StarDust, die Idolgrößen wie z.B. Momoiro Clover Z managen, die es ihren Idolen untersagt Photobooks zu produzieren. Vorrangig als Schutzmaßnahme gedacht, um die Mädchen nicht selbst der Kritik der Öffentlichkeit bei einer Verweigerung auszusetzen, kann man aber auch hier wieder ansetzen und hintefragen ob dies nicht ein Eingriff in die Freiheit der jungen Frauen ist, ihre Karriere in die eigene Hand zu nehmen. Kurz: Das Problem hat mit der japanischen Entertainmentindustrie zu tun und in jedem Fall der japanischen Gesetzgebung, die entsprechende Bilder von Minderjährigen erlaubt und ist komplexer und weitreichender als die Idolindustrie.

    Ferner kritisierst du, dass die Beziehungen der Idols untereinander häufig ausschließlich positiv dargestellt werden und ein großer Konkurrenzdruck zwischen ihnen bestehen muss. Hier bin ich etwas ratlos wo ich ansetzen soll, um diese Argumente zu entkräften. Selbstverständlich besteht sowohl zwischen Menschen des öffentlichen Lebens, als auch bei allen Berufssportlern und Branchen anderer umkämpfter Jobpositionen Konkurrenzdruck. Egal in welcher Branche und in welchem Land sie aktiv sind. Tatsächlich ist Japan aber im Bezug auf die Darstellung von Beziehungen unter Frauen abseits des Idolbusiness und eventuell diverser Manga- und Animeproduktionen, schrecklich rückständig. Jedes Jahr erscheint eine große Anzahl von Büchern im Land, die sich mit der Konkurrenz zwischen Frauen beschäftigt und diese mit der Natur der weiblichen Psychologie begründet. Darstellungen von dem Miteinander unter Frauen, insbesondere im Beruf, sind oftmals negativ. Ihnen wird vorgeworfen irrational Konkurrenzkampf orientiert und insgesamt zu emotional zu sein. Das Idolbusiness stellt Frauen im Gegensatz dazu als positiv und menschlich im Umgang miteinander dar. Deine Kritik daran, dass interne Konflikte nicht nach außen getragen werden ist mir gänzlich unverständlich und sollte meiner Meinung nach überall dort, wo professionelle Arbeit geleistet wird, selbstverständlich sein.

    Hinzu kommt, dass das Idolgeschäft heutzutage im Bezug auf Frauen in Führungspositionen geradezu progressiv im Vergleich zu anderen Geschäftsbereichen in Japan ist. In einem Land in der der Großteil der weiblichen Bevölkerung zwar Universitäten besucht, mehr als die Hälfte hiervon jedoch auf sogenannte Frauenuniversitäten gehen, in denen sie keinen wirtschaftlich relevanten Abschluss erhalten, sondern in Fächern wie Hauswirtschaft und Ernährungstheorie unterrichtet werden (z.B. gerade einmal 20% aller Studenten der renommierten Todai Universität sind Frauen), bricht der Prozentsatz der weiblichen Idole, die nach High School Abschluss eine richtige Universität besuchen Rekorde im direkten Vergleich. Viele größere Idolagenturen sorgen dafür, dass die Gruppenmitglieder, neben ihren Idolaktivitäten die Universität besuchen können und stellen sie auch immer wieder bei sich ein, nachdem sie ihre Idolkarriere beendet haben. Und dies sowohl in kreativen Bereichen, als Songschreiber, Regisseure und Choreographen, als auch im Managementbereich. Dies steht im krassen Kontrast zur restlichen Geschäftslandschaft in Japan, die Frauen oftmals nur Positionen als bessere Kaffeemädchen im Büro und als Teilzeitkräfte offenhält, in der Erwartung, dass sie mit Mitte Zwanzig heiraten und Kinder bekommen und in Folge dessen ihren Beruf aufgeben, um einer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter nachzukommen.

    Zusammengefasst liest sich dein Artikel wie von jemandem geschrieben der zwar die Schattenseiten der Branche beleuchtet, aber keineAhnung vom eigentlichen Land hat, in dem sie sich befindet. Und um Missverständnisse zu vermeiden: Aktuell gibt es in Japan hunderte von großen und kleinen Idolagenturen. Und bestimmt werden viele davon eine bedenkliche Geschäftsmoral besitzen, die gegebenenfalls von der übermächtigen Sexindustrie beinflusst ist. Einen allgemeinen Rundumschlag kann man hier aber nicht machen und dann schon gar nicht die Rolle der Frau in Japan im Allgemeinen außen vor lassen.

    • Danke für das Feedback :). Tut mit Leid, wenn der Eindruck entstanden ist. Wir sind natürlich leserorientiert, dass der Text auf die Wesentlichen Dinge eingeht und kein ganzer Aufsatz darüber verfasst wurde, dürfte nachvollziehbar sein. Der Artikel spezialisiert sich auf Idols und allgemein versteht man darunter tatsächlich die Mädels. Klar gilt das teilweise auch für Boy-Groups (Johnnys z.B.), das steht aber auch so im Text.

      Ai Kago wurde „suspendiert“ (sprich, aus allen Aktivität genommen), weil sie geraucht hat. Komplett rausgeworfen, aus dem von dir genannten Grund. Das ist also faktisch korrekt. Zum Thema interne Konflikte: Ich verfolge die Idolbranche schon seit 2003. Manch internes Problem kam bei Idolgruppen oftmals erst zum Vorschein, wo sie schon gar nicht mehr existierte bzw. wo manch Mitglied gar nicht mehr Teil der Gruppe war. Da plauderten halt Ex-Members im späteren Interviews über gewisse Konflikte. Das ganze ist also nicht aus den Haaren herbeigezogen. Und mal ganz ehrlich: Wo viele unterschiedliche Charaktertypen aufeinandertreffen, kann im Hintergrund nicht immer alles tutti sein, das ist völlig normal. Aber nach Außen wird dieses Bild in der Idolbranche vermittelt.

  3. Ich verfolge die Idolszene in Japan generell eher mit gehobener Augenbraue. Ob Anime oder reale Personen. Es wird hier massiv auf kitschig süss reduziert und das Frauenbild in Japan ist knallhart davon geprägt. Was bei uns normal erscheint auch mal eine gewisse „Rundung“ zu haben, ist bei Japan schon durch diesen Hype fast ein No Go. Aber mir gefällt auch ehrlich gesagt inzwischen sehr vieles nicht mehr, je weit ich mich mit der japanischen Kultur beschäftigte.

  4. In dem Artikel fehlt mir noch die absolut unterirdisch schlechte Bezahlung der meisten Idols, während die Macher wie Yasushi Akimoto zig Millionen einstreichen. Meistens sind dies richtige Hungerlöhne, welche nicht wirklich zum überleben reichen, nur die Mädels in der „Center Position“ kriegen ein klein bisschen mehr.

    Zudem ist für mich das Idol-Business schlicht und einfach zum großen Teil Kinderarbeit und die Ausbeutung dieser.
    Die Bedingungen, welche hier in Japan herrschen sind in Europa undenkbar und würden am Arbeitsschutzgesetz gnadenlos scheitern.

  5. Ich persönlich kann solch eine Entwicklung nicht gutheißen. Ein Idol beeindruckt heutzutage nicht durch ihre Musik, sondern nur durch ihr Äußeres. Und wie jeder weiß, das Äußere sollte nicht immer alles sein. Und das schlimmste ist, sie performan nicht vor irgendwelchen normalen Fans, nein, es sind mittlerweile diese ganzen Scheiß Hardcore-Otakus, die sich 20 Exemplare des gleichen Albums kaufen, nur damit ein anderer Otaku diese nicht in die Finger bekommt. Den das Idol gehört nuuuuur den Otakus selbst und wehe, die hat ein Freund oder ist sogar schwanger von ihm. Heute ist es wirklich so, die ganze Industrie lebt nur von diesen beschissenen Otakus, die ihre Idols besser kennen als ihre eigene Familie. Furchtbar….
    OK, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich solche Idols nicht mag oder nicht hübsch finde. Klar, ich finde solche Mädels immer süß. Würde sogar ganz gerne selbst eine im RL sehen statt immer nur über´s Internet. Am liebsten hätte ich auch einen ganzen Harem.
    Aber was mich stört ist eben diese Entwicklung des Idol-Marktes, da es letztendlich nur darum geht, eine kleine Fanbase mit haufenweise Idols zufrieden zu stellen. Und die Mädels sind ja nicht mal richtig berühmt. Da ist keine Janet Jackson oder Whitney Houston oder Kylie Minogue dabei, nein, das sind Mädels, die nicht mal bei google auftauchen, wenn man deren Namen eingibt.
    Und eins könnt ihr mir glauben: Ich bin beispielsweise großer Babymetal-Fan, aber in erster Linie wegen ihrer Musik, weil ich auch Heavy Metal-Fan bin. Klar, die Mädchen mag ich auch, logisch. Man kann nicht die Musik mögen, aber den Sänger hassen. Und umgekehrt auch nicht.

  6. Seit meinen fünften Lebensjahr kenne ich schon japanische Musik ( heute bin ich 20). Seit mehreren Jahren bin ich auch ein großer Fan von AKB48 und seinen Schwestergruppen, beschäftige mich jeden Tag damit und möchte deswegen mal was dazu schreiben. Natürlich ist nicht alles Friede, Freude , Eierkuchen. Jedoch : in welchen Showbusiness läuft alles perfekt ab? Kommentare wie „Du bist fett!“ sind wirklich unterstes Niveu. Heutzutage ist es aber leider gängig geworden dass Leute im Internet ihre Anonymität ausnutzen und solche Sachen schreiben und sich schon zum Hobby machen irgendwelche Stars schlecht zu machen ( und das nicht nur bei japanischen Idols sondern bei Stars aus aller Welt). Das sind nun mal Leute die mit ihr eigenem Leben nicht zufrieden sind und ihren Frust an anderen Leuten rauslassen. Ein gutes Beispiel für ein “ nicht typisches Idol“ ist Kinoshita Momoka“ aus NMB48. Sie hat ihren eigenen Stil und entspricht nicht dem typischen niedlichem Idol und ist trotzdem Idol bei NMB48. Ich finde es toll dass man ihr diese Freiheit auch gibt! Zu der Dauer der Karriere: die kann ganz unterschiedlich sein. Bei manchen kann die von langer Dauer sein, auch nach dem Austritt der Gruppe, bei manchen wiederrum nicht. Doch das gleiche gilt wieder für das allgemeine Showbusiness. Sich zu halten ist immer das schwierigste, auch bei Sänger oder Schauspieler die nie in ihr Leben Idols waren. Die “ Skandale“ finde ich persönlich auch oft übertrieben aber Boulevardzeitungen sind ja leider immer scharf darauf “ große Nachrichten“ zu überbringen. Am besten denen gar nicht viel Beachtung zu schenken. Mit Minegishi Minami fand ich damals auch nicht gut aber letztendlich ist alles wieder für sie gut geworden. Sie ist sogar captain vom Team K. Sashihara Rino hatte ebenfalls mal ein “ Skandal“ gehabt und hat trotzdem dieses Jahr schon zum dritten Mal die senbatsu elections gewonnen. Sie ist ein gutes Beispiel dafür dass nicht alle Fans ein Idol schlecht da stehen lassen nur wegen irgendwelchen Artikel in einer Zeitschrift. Ich denke die 48/46 Gruppen haben sehr viel zu bieten. Ich denke wenn man sich genau damit beschäftigt merkt man dass es auch viele verschiedene Lieder gibt, die nicht immer “ typische niedliche idol songs“ sind und es viele verschiedene Charaktere unter den Member ( und auch bei den fans) gibt . Nun das war jetzt meine persönliche bescheidene Meinung. Danke fürs lesen. 🙂

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