Musik-Special: der Musikstil Visual Kei

Visual Kei – man kennt sie, die Bands/Musiker mit den verrückten Outfits und der lauten Musik.

Aber wann definiert man einen Musiker oder eine Band als Visual Kei??? Heutzutage entstehen und verschwinden Bands in dieser Stilrichtung schneller als in anderen Musikbereichen! Trotz allem gehört sie mit zu den vier beliebtesten Musikrichtungen in Japan. Also gehen wir doch mal genauer auf diesen Musikstil ein:

Bedeutung

Die Bezeichnung „Visual Kei“ (jap. ヴィジュアル系 vijuaru kei) setzt sich aus zwei verschiedenen Sprachen zusammen: Visual (optisch, visuell) aus dem Englischen und Kei (Clique, Herkunft) aus dem Japanischen. Sie dient als Sammelbegriff für Bands verschiedener Musikrichtungen, die man in erster Linie an ihrem optisch auffälligen Kleidungsstil und den meist überschminkten Gesichtern erkennt.

Merkmale

In den 80er Jahren startete die Band X Japan mit wechselnden Musikstilen wie zum Beispiel Metal, Rock, Jazz, Punk, Pop und Rap durch. Besonders durch ihr auffälliges, wildes Auftreten, welchem sie mit schreiend bunt gefärbten und toupierten Haaren, zerfetzter Lederkleidung mit Ketten und Nieten sowie extremem Make-Up Ausdruck verliehen, machten die Mitglieder die japanische Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Dies sind alles Merkmale des heutigen Visual Kei. Daher gilt die Band X Japan als allgemeiner Gründer dieses Stils. Aber wie kamen die fünf Musiker auf diese Idee?

© Warner Music Japan
Herkunft und Einflüsse

Gehen wir zurück in das 17. Jahrhundert, als der Kaiser keine Frauen im Theater duldete! Somit war es gang und gäbe, dass sich japanische Männer als Frauen verkleideten und schminkten. Man kann also durchaus sagen, dass der Visual Kei einen traditionellen, Jahrhunderte alten Kabuki-Theater-Hintergrund hat, was sich im Aussehen der Kleidung, der Frisuren und des Make-Ups widerspiegelt.

Neben dem japanischen, traditionellen Einfluss dienten auch westliche Musiker als Vorbilder für den Visual-Kei-Stil. Denken wir dabei nur an Künstler bzw. Bands wie KISS, David Bowie, Culture Club (Boy George) oder Twisted Sister.

Fakt ist, dass kaum ein Visual-Kei-Musiker nicht androgyn wirkt und daher offen mit seinem Geschlecht und Alter spielt. Daher sind auch die Outfits in einem ständigen Wechsel zwischen verschiedensten, modischen Elementen wie Gothic, Punk, Schuluniformen und sehr vielen Fantasiekostümen. Die Band ist in ihren Outfits meistens in Farbe, Design oder Stil aufeinander abgestimmt und die Mitglieder unterscheiden sich untereinander meist nur in Frisuren und Make-Up.

© PaRaDEiS, Moi Dix Mois, PSC, Aicle, MAVERICK, Ayabie, brainsync, Resistar Records, MORRIGAN

Natürlich bildeten sich auch in den Jahren viele Untergruppen des Visual Kei, am bekanntesten sind:

1. Kawaii Kei / Oshare Kei
© Himeyuri , white cafe

Diese Unterform beschreibt besonders übertriebene, niedlich getrimmte Bands. Oftmals wird zwischen Kawaii Kei und der bekanntesten Untergruppe Oshare Kei nicht unterschieden. Bands wie PaRADEiS, Aicle oder die hier zu Lande bekanntesten Vertreter An Cafe sind Beispiele dieses speziellen Musikstils.

PaRADEiS wurde im Mai 2008 von den Bandmitgliedern Mashiro (Sänger) und Ryuki (Bass) gegründet. Zusammen mit Miharu (Schlagzeug), Sei und Ao (Gitarre) hat die Band bis Oktober 2010 zusammen Musik gemacht.

2006 hat auch SuG als Oshare Kei Band angefangen – damals noch mit Takeru (Sänger), Yuji (Gitarre), Masato (Gitarre), Shouta (Bass) und Mitsuru (Schlagzeug). Nach und nach wechselten nicht nur die Bandmitglieder am Bass (heute Chiyu) und Schlagzeug (heute Shinpei), sondern auch der Stil von SuG ging in eine andere Richtung, so dass man sie heute nicht mehr als Oshare Band zählen kann.

An Cafe ist wohl die Band, an die man immer als erstes denkt, wenn es um Oshare Kei geht. Seit 2003 ist die Band aktiv und heute erfolgreicher als je zuvor. Miku (Sänger), Takuya (Gitarre), Kanon (Bass), Yuuki (Keyboard) und Teruki (Schlagzeug) sind seit 2015 bei dem Major Label White Cafe unter Vertrag.

2. Angura Kei
© PSC

… oder auch Underground Kei genannt, kombiniert Traditionelles und Modernes aus Japan. Anders als bei den anderen Stilrichtungen steht das Traditionsbewusstsein zu Japan mit seinen Mythen und Bräuchen in romantischer Verbindung. Welche Band kommt einem bei dieser Beschreibung sofort in den Sinn?

Ganz klar: MUCC, eine Band die seit 1997 bis heute immer wieder ihre Fans begeistert. Mit jeder Single (34 Stück) und jedem Album (22) verändern Tatsurou (Sänger), Miya (Gitarre), YUKKE (Bass) und Satochi (Schlagzeug) ihre Musik und ihr Styling. Damit entfernt sich MUCC immer weiter von dem Visual Kei Image. Auch in Deutschland ist MUCC sehr bekannt. Neben den sechs Alben und der Single Saishuu Ressha, die bei Gan-shin erschienen, waren die vier Japaner schon mehrere Male auf Europa-Tour.

Auch Plastic Tree, heidi und Merry zählen zu dem Angura-Kei-Stil.

3. Goochiku Kei

© GMO

Wie man vom Namen schon ableiten kann, greift das Bandstyling die Gothic-Mode auf. Gitarrist Mana ist das beste Beispiel dafür, mit seiner Band Moi dix Mois. Nach dem die bekannte Band Malice Mizer sich getrennt hatte, startete Mana dieses Soloprojekt. Neben seiner Rolle als Gitarrist fungiert er als Komponist, Texter und Kostüm Designer.

Natürlich kann man den Visual Kei noch in viele weitere Untergruppen aufteilen, aber eins haben alle gemeinsam: In allen Stilen des Visual Kei geht es um die reine MODE! Dadurch bleibt die Musikrichtung ungebunden und die Bands können oft und somit sehr flexibel zwischen den einzelnen Genres wechseln.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    mir fällt da eine Frage zu ein. Würde man auch die Wagakki Band (mit Yuko Suzuhana) dazu zählen? Da gibt’s ja auch Bandmitglieder, die recht androgyn daherkommen?
    Viele Grüße!

    • Hallo Sarah,
      viele japanische Musiker wirken recht androgyn, was aber nicht bedeutet das sie deswegen zur Visual-Kei-Szene dazu gezählt werden.

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