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Universitätspräsidentin zeigte sich beeindruckt

73-jährige Japanerin schreibt außergewöhnliche Doktorarbeit über Dämonenparade

Man hat ja bekannterweise nie ausgelernt, was eine Seniorin aus Nagoya kürzlich bewies. Die 73 Jahre alte Misako Nagura hat kürzlich ihren Doktorgrad erhalten. Ihr Thema ist dabei durchaus ungewöhnlich, sie hat sich nämlich mit Dämonenparaden beschäftigt.

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Nagura promovierte Ende September mit einer Forschungsarbeit über eine Bildrolle, welche die „Nachtparade der hundert Dämonen“ genannt wird. An sich ist das Schriftstück nicht besonders und es gibt mehrere Bilder von Dämonenparaden. Die zahlreichen Oni und Yokai sind dazu ein fester Bestandteil der japanischen Folklore.

Studieren als alter Kindheitstraum

Allerdings sind sich die Forscher bis heute nicht sicher, was eigentlich der Ursprung und die Bedeutung der Paraden waren. Aus diesem Grund stehen die Bildrollen im Mittelpunkt vieler wissenschaftlicher Debatten und Nagura befasste sich ebenfalls intensiv mit dem Thema.

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Die Seniorin hatte eigentlich schon als junge Frau studieren wollen. Sie gab den Traum aber in der Highschool aus gesundheitlichen Gründen auf. Stattdessen fing sie an, in einem Kindergarten und in einer Möbelwerkstadt zu arbeiten. Als sie mit 53 hörte, dass es auch Aufnahmeprüfungen für Erwachsene gibt, wollte sie es dann doch versuchen.

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Nagura hat sich dann mit 54 Jahren an der Aichi Prefectural University eingeschrieben und einen Bachelor in Literatur belegt. In ihrer Diplomarbeit hatte sie sich erstmals mit den Dämonen beschäftigt, nachdem sie im dritten Jahr bei einem Vortrag auf die Bildrollen zu den Dämonenparaden getroffen war.

Kaum ausführliche Forschungen zu den Dämonenparaden

Besonders interessierte sie sich für ein Exemplar von Tosa Mitsunobu aus der Muromachi-Zeit, das als nationales wichtiges Kulturgut gilt und wohl das älteste seiner Art ist. Als sie 2006 den Abschluss machte, setzte sie 2009 in der Graduiertenschule ihre Forschungen fort. Das war jedoch keine einfache Aufgabe.

Es gibt nämlich nach wie vor nur wenig Forschung in dem Bereich. Trotzdem fand Nagura eine Verbindung zwischen der Parade und traditionellen buddhistischen Tänzen sowie Chantings. In ihrer Arbeit befasst sie sich deswegen mit der Möglichkeit, dass die Parade von buddhistischen Prozessionen beeinflusst wurde.

Die Präsidentin der Universität und Naguras Doktormutter, Rei Kufukihara, lobt die Seniorin sehr für ihre Leistung. An etwas zu arbeiten, zu dem es so gut wie kein Material gibt, sei so gut wie unmöglich. Trotz des Mangels an Ausgangstexten habe Nagura dank ihrer Leidenschaft diese Herausforderung gemeistert.

Die Freude am Weiterlernen

Auch ihre Enkelkinder zeigten sich erstaunt von ihrer Arbeit. Für ihre Forschungsarbeit hat sie am Ende dann aber doch bis dieses Jahr gebraucht, nachdem sie schon 2017 die benötigten Punkte an der Universität erreicht hatte und zu Hause weiter geschrieben hatte.

Gegenüber der Presse erklärte die Seniorin, dass die Universität ihr die lebenslange Freude vom Weiterlernen beigebracht hat und sie endlich ihre Sehnsucht nach dem Studienleben wiederbeleben konnte. Schluss ist für Nagura allerdings noch lange nicht. Es gebe noch viele Teile, die noch nicht veröffentlicht sind und sie will noch weitere Arbeiten schreiben.

Nagura hat sich auch bereits im Ausland mit ihren Forschungsergebnissen einen Namen gemacht. Unter anderem hielt sie 2016 eine sehr positiv aufgenommene Präsentation in Brasilien. Scherzhaft meinte sie dazu, dass die Menschen dank Pokémon sehr an japanischen Monstern interessiert waren.

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