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Nur nach Außen harmonisch

Abes Staatsbegräbnis zeigt, wie zerrissen die japanische Gesellschaft ist

Das Staatsbegräbnis des ehemaligen japanischen Premierministers war wochenlang dominierend in den japanischen Medien, denn die Kritik war groß.

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Das Begräbnis fand am 27. September statt und wurde von Demonstrationen begleitet. Die Zeremonie hat daher eines deutlich gezeigt: Die japanische Gesellschaft ist zerrissen.

Staatsbegräbnis zeigte Zwiespalt der japanischen Gesellschaft

Wenn man im Ausland an Japan denkt, dann denkt man an eine einheitliche Gesellschaft, in der es harmonisch zugeht. Doch das Staatsbegräbnis zeigte sehr deutlich, dass Japan ein Land ist, in dem die Menschen voller Sorgen sind und die Resignation, insbesondere gegenüber der Politik, groß ist.

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Für die Menschen, die Blumen für Abe niederlegten, steht der ehemalige Premierminister dafür, den Nationalstolz des Landes ausgebaut zu haben, in dem Japan unter seiner Führung einen großen internationalen Beitrag geleistet hat, anstatt seine Brutalität im Krieg aufzuarbeiten. Tatsächlich ist es so, dass dieser Teil der Geschichte gerne verschwiegen wird.

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Dementsprechend hörte man von vielen Trauernden auch, dass Abe eine großartige Persönlichkeit war, der Japan nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu internationaler Bedeutung verholfen hat.

Auf der anderen Seite stehen allerdings die Kritiker, die Abe vorwerfen, nationalistische Gefühle zu schüren und eine selbstherrliche Führung betrieben zu haben.

Im ganzen Land fanden am Tag des Staatsbegräbnisses Demonstrationen statt und von vielen Teilnehmern hörte man, dass sie meinen, dass Abe nichts für den normalen Menschen getan hat. Dass die LDP die Kritik im Vorfeld der Zeremonie komplett ignoriert hat, spaltet daher noch weiter.

Zeremonie erinnerte an kaiserliche Zeremonien der Vorkriegszeit

Die militaristischen Töne der Zeremonie waren besonders auffällig in einem Land, das seit 1947 unter einer pazifistischen Verfassung steht, die Abe revidieren wollte, um das Militär zu stärken.

Eine Militärkapelle spielte Trauermusik und es gab eine Salve aus 19 Gewehren, als Abes Asche in die Trauerhalle gebracht worden sind. Außerdem standen dutzende Soldaten in weißen Uniformen, mit Gewehren stramm vor einem Wall aus Zehntausenden weißen und gelben Chrysanthemen, in dessen Mitte einem Foto von Abe ausgestellt wurde.

Das Staatsbegräbnis erinnerte an kaiserliche Zeremonien aus der Vorkriegszeit, bei denen der Nationalismus zelebriert wurde und es spiegelte Abes Bestreben wider, die Art und Weise, wie Japan international Auftritt zu verändern.

Abes Erbe, mag es noch so umstritten sein, wird in seiner Partei weiterleben. Trotz der Demonstrationen stellt die LDP seit Kriegsende fast ununterbrochen die Regierung und Abe hat in seiner langen Amtszeit sechs Wahlen gewonnen.

Die LDP versammelt zudem eine große Anzahl der Bevölkerung hinter sich und der amtierende Premierminister Fumio Kishida bleibt Abes Zielen treu, in dem er versprochen hat, Japans militärische Fähigkeiten zu stärken.

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