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Ältere japanische Betrugsopfer erwägen immer öfter Selbstmord

Viele ältere Menschen in Japan, die auf Betrüger hereinfallen und ihnen ihr Geld geben, tragen sich mit dem Gedanken an Selbstmord. Sie geben sich selbst die Schuld, von den Betrügern getäuscht worden zu sein.

Der buddhistische Priester Eiichi Shinohara berät die Opfer solcher Maschen. Die Betrüger sprechen meist ältere Menschen an und geben vor, ein Familienmitglied sei in Schwierigkeiten und sie sollten ihm helfen. Oder die Menschen geben sich als Wohltäter aus, die nur eine kleine finanzielle Starthilfe benötigen, um den Menschen viel Geld zu überweisen.

Shinohara berichtet von einer 74-jährigen Japanerin, die auf diese Weise um 20 Millionen Yen (159.000 Euro) geprellt wurde. In den Gesprächen mit dem Priester erklärte die Frau, dass ihre Familie deswegen jetzt schlecht von ihr reden würde, was sie kaum verwinden könne.

Die Frau sagte einen Anruf eines Bankangestellten erhalten zu haben, indem dieser behauptete sie habe in einer großen ausländischen Lotterie 300 Millionen Yen gewonnen. Die alte Dame dachte, mit dem Geld das Unternehmen eins Familienmitgliedes vor dem Bankrott retten zu können. Um das Geld zu erhalten, müsse die Japanerin allerdings eine Provision in Höhe von 10 Prozent vorschießen. Später warfen ihre Söhne der Frau vor, zu gierig gewesen zu sein.

Selbstmord als Ausweg aus der familiären Isolation

Die Japanerin erfuhr von Shinohara, der immer wieder Anfragen von Menschen erhielt, die mit Selbstmord drohten. Sie fragte ihn nach der schmerzlosesten Art aus dem Leben zu scheiden. Der Priester bietet allen Betroffenen seine Unterstützung an, vor allem weil die meisten Menschen, die sich an ihn wenden psychisch labil sind.

Shinohara arbeitet hauptsächlich als Hohepriester in einem buddhistischen Tempel in Narita (Präfektur Chiba). Einen Großteil seiner Zeit investiert er allerdings auch in die Beratung von Opfern. Für diesen Service macht er auch in Zeitungen und im Fernsehen Werbung. Vor sieben Jahren erhielt es die ersten Anfragen von Menschen, die über Selbstmord nachdachten, weil sie auf Betrüger hereingefallen waren. Aktuell erhält er jährlich mehrere Anfragen von Japanern, die sich mit dem Gedanken tragen.

Die Betrugsopfer werden oft von anderen Familienmitgliedern kritisiert. Eine Person, die ihr Geld an einen Betrüger verlor und hinterher von ihrer Familie deswegen kritisiert wurde, beging daraufhin Suizid. Das verantwortliche Familienmitglied reagiert so betroffen, dass es selbst selbstmordgefährdet wurde.

Der Priester erklärte, dass die meisten Opfer aus Gutherzigkeit handeln und deswegen von ihrer Familie Verständnis und keine Vorwürfe bekommen sollten. Die Isolation würde nur dafür sorgen, die alten Leute für weitere Betrüger noch anfälliger zu machen. Durch diese Leute denken die Betroffenen ihren Familien doch noch von Nutzen sein zu können.

Finanz-Betrügereien auf dem Vormarsch

Eine 70-jährige Frau aus Tokyo wurde im Januar 2018 Opfer eines Betrügers, der ihr 1,4 Millionen Yen (11.200 Euro) abnahm. Zwei Wochen nachdem sie eine Anzeige bei der Polizei stellte, wurden die Frau tot aufgefunden. Die Polizei stufte ihren Tod als Selbstmord ein. Ihr Abschiedsbrief deutete darauf hin, die Frau sei wegen der finanziellen Einbußen depressiv geworden.

Die Kategorie des geldwerten Betrugs umfasst in Japan Betrügereien um hilfsbedürftige Familienangehörige, gefälschte Abrechnungen, Darlehensbetrug und gefälschte Rückerstattungsbescheide. Die Zahlen der nationalen Polizei beweisen, inwieweit die jährlichen Zahlen in diesem Bereich in den letzten Jahren gestiegen sind. In den ersten 11 Monaten des letzten Jahres gab es 15.000 Betrügereien, bei denen insgesamt 31 Milliarden Yen an die Gangster flossen. Personen ab 65 Jahren machten 80 Prozent der Opfer aus.

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