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HomeNachrichten aus JapanAkita ist Japans verschlafenste Präfektur und das ist etwas Gutes

Bewohner gehen früher ins Bett und schlafen auch deutlich länger

Akita ist Japans verschlafenste Präfektur und das ist etwas Gutes

Zum alltäglichen Bild von Japan gehören unter anderem vollkommen übermüdete Menschen, die in der Bahn oder an anderen öffentlichen Plätzen einschlafen. Im Durchschnitt schlafen Japaner deutlich weniger als Menschen in anderen Ländern. Eine Ausnahme scheint die Präfektur Akita zu machen, denn dort schlafen die Menschen so viel wie nirgendwo anders in Japan.

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Laut einer Statistik des Statistikbüros des Ministeriums für innere Angelegenheiten und Kommunikation schlafen in Japan die Menschen im Durchschnitt sieben Stunden und 40 Minuten. Den niedrigsten Wert verzeichnete die Präfektur Saitama mit nur sieben Stunden und 31 Minuten. Nur Bewohner von Akita kommen auf die eigentlich empfohlenen acht Stunden (und zwei Minuten).

Senioren schlafen mehr

Ebenfalls gehen die Menschen von Akita deutlich früher ins Bett als die anderen. Im Durchschnitt gehen die Bewohner um 22:30 Uhr ins Bett. Die Frage, die sich nun viele stellen, ist, warum ausrechnet in der Region die Menschen länger im Bett bleiben.

Tetsuo Shimizu, ehemaliger Vorsitzender der japanischen Gesellschaft für Schlafforschung und derzeitiger Direktor des Zentrums für psychische Gesundheit und Wohlfahrt der Präfektur Akita hat eine einfache Antwort.

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Senioren machen einen großen Teil der Bevölkerung der Präfektur aus und die haben entsprechend mehr Zeit zum Ausschlafen. Laut dem Jahresbericht des Kabinettsbüros zur alternden Gesellschaft von 2019 waren 36,4 Prozent der Bewohner von Akita über 65 Jahre alt. Auch in der Hinsicht ist Akita mit dem Wert an der Spitze, sie sind nämlich die einzige Präfektur, die auf über 35 Prozent kommt.

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Ebenfalls könnte die ältere Bevölkerung auch die frühe Uhrzeit erklären, da sie einen erhöhten Schlaf-Wach-Zyklus haben. Shimizu erklärte weiter, dass es im Winter wenig Tageslicht gibt und es ziemlich kalt wird. Die Menschen gehen deswegen lieber früher ins Bett als Heizmaterial zu verschwenden.

Viel Schlaf macht noch keinen gesunden Menschen

Doch noch andere Faktoren spielen eine Rolle. Akita besitzt ebenfalls eine der kürzesten Pendelzeiten von ganz Japan. Im Vergleich dazu weisen die schlaflosen Spitzenreiter wie Saitama die längsten Fahrtzeiten auf. Shimizu erklärt weiter, dass Akita weit von großen Metropolen entfernt ist und überwiegend auf Landwirtschaft setzt. Viele Einwohner müssen deswegen kaum bis gar nicht pendeln.

Ausreichender Schlaf ist zwar gesund, bedeutet jedoch nicht gleichzeitig, dass die Menschen auch gesünder sind. Trotz den positiven Zahlen sehen die Sterblichkeitsraten in Akita ganz anders aus. Nach den Angaben des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales von 2015 lag die Sterblichkeitsrate bei Frauen bei 86,38 Jahren und damit auf dem viertletzten Platz. Bei den Männern sah es sogar noch düsterer aus mit 79,51 Jahren und dem vorletzten Platz.

Shimizu hat dafür auch eine Erklärung und schiebt es auf den Alkohol. Die Bewohner der Präfektur trinken wohl gern vor dem Schlafengehen oder fallen gleich betrunken ins Bett. Sowas wirkt sich nicht nur negativ auf den Schlaf aus, sondern auch auf die körperliche Gesundheit.

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Dass an der Vermutung etwas dran ist, zeigt eine Statistik zu Haushaltsausgaben des Statistikbüros. Im Durchschnitt haben die Menschen von Akita zwischen 2017 und 2019 jährlich umgerechnet 463 Euro für Alkohol ausgegeben. Sie geben damit in ganz Japan am meisten für Alkohol aus.

MS

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