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Arbeitsmarkt in Japan – Zahl ausländischer Arbeitnehmer auf Rekordhoch

Laut Angaben des Arbeitsministeriums ist die Zahl ausländischer Arbeitnehmer in Japan auf 1,28 Millionen angestiegen. Zwar versteht sich die Inselnation noch immer nicht als Einwanderungsland, doch der demographische Druck zwingt das Land dazu, immer mehr ausländische Arbeitskräfte aufzunehmen – wenn auch nur zaghaft.

Japan ist nicht nur bei Touristen so beliebt wie nie zuvor. Auch die Zahl der in Japan lebenden Ausländer und Arbeitnehmer nimmt kontinuierlich zu. Derzeit leben dort rund 2,3 Millionen Ausländer. Das entspricht einem Anteil von 1,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer befindet sich mit 1,28 Millionen Menschen auf einem Rekordhoch (Stand: Oktober 2017). Vergleicht man die Zahlen mit dem Vorjahr, dann arbeiten rund 18 Prozent mehr Ausländer in Japan als noch im Jahr 2016.

Die größte Gruppe unter den ausländischen Arbeitern sind die Chinesen mit 372.263 Beschäftigten. An zweiter Stelle stehen die Vietnamesen mit 240.259 Arbeitnehmern, gefolgt von philippinischen Arbeitskräften, deren Zahl bei 146.798 liegt. In Japan arbeiten zudem rund 117.299 Menschen brasilianischer Herkunft und 69.111 Nepalesen.

Besonderen Zuwachs verzeichnet die Gruppe der ausländischen Studenten und Auszubildenden. 459.132 Auslandsstudenten und 257.788 Auszubildende sind derzeit als Arbeitnehmer gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung von 24 Prozent bei den Studenten und 22 Prozent bei den ausländischen Auszubildenden, den sogenannten „Trainees“.

Das umstrittene Ausbildungssystem der japanischen Regierung

Letztere sind über das sogenannte Technical Internship Training Program der Japan International Trading Corporation (JITCO) ins Land gekommen. Das Ausbildungssystem wurde 1993 als Teil der japanischen Entwicklungshilfe für asiatische Schwellenländer eingeführt und sollte offiziell den Wissenstransfer fördern. Besonders Menschen aus asiatischen Entwicklungsländern sollten im Rahmen des Programms die Möglichkeit erhalten, für einen begrenzten Zeitraum (in der Regel drei Jahre) in Japan zu arbeiten. Dabei sollen die ausländischen Arbeitnehmer bestimmte Fähigkeiten erlernen, die sie dann wiederum in ihrem Heimatland nutzen können. In der Praxis sind die sogenannten „Trainees“ jedoch überwiegend ungelernte Arbeitskräfte, die von zahlreichen Unternehmen ausgebeutet und zu Niedriglöhnen beschäftigt werden, um den akuten Personalmangel auszugleichen. In der Fertigungsindustrie sind sogar knapp 40 Prozent aller Arbeitnehmer als Auszubildende angestellt.

Warum Japan mehr ausländische Arbeitnehmer gebrauchen kann

Die Zahl der Geburten in Japan befindet sich auf dem niedrigsten Stand in der Geschichte des Landes. 2017 kamen nur 941.000 Babies zur Welt. Unterdessen hat die Zahl der Menschen über 65 mit einem Anteil von 27.2 Prozent an der Gesamtbevölkerung ein Rekordhoch erreicht. Das heißt: Mehr als ein Viertel der Japaner befindet sich im Rentenalter – Tendenz steigend. Diese Überalterung der Gesellschaft bei einem gleichzeitigen Rückgang der Erwerbsbevölkerung könnte verheerende Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und das System der sozialen Sicherung haben. Japans Bevölkerung schrumpft im rasanten Tempo und das führt bereits jetzt zu einem akuten Mangel an Arbeitskräften. In vielen Branchen, so zum Beispiel in der Bauindustrie, im Pflegesektor oder in der Gastronomie ist das bereits zu spüren.

Anders als zum Beispiel in Deutschland, wo man den Geburtenrückgang durch Einwanderung ausgleichen will, sieht die japanische Regierung in der Zuwanderung von Ausländern keinen Weg, dem demographischen Wandel entgegenzuwirken. Auch wenn die Regierung unter Premierminister Shinzo Abe verstärkt daran arbeitet, mehr hochqualifizierte Arbeitskräfte und ausländische Studenten ins Land zu locken, so versteht sich Japan nicht als klassisches Einwanderungsland. Ganz im Gegenteil: Die Regierung will die Lücke auf dem Arbeitsmarkt vor allem durch Frauen und Erwerbslose, sowie durch die längere Beschäftigung von Älteren schließen. Auch sollen – besonders im Pflegesektor – immer mehr Roboter zum Einsatz kommen, um den Personalmangel auszugleichen.

Kritiker, Gewerkschaften, Berufsverbände und Wissenschaftler kommen allerdings zum Schluss, dass sich der Arbeitskräftemangel in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen wird. Japan werde schlicht und einfach keine andere Wahl haben als verstärkt auf ausländische Arbeitnehmer zurückzugreifen, was die Regierung dazu veranlassen sollte, geltende Bestimmungen und Richtlinien der Immigrationspolitik zu überdenken und den demographischen Realitäten anzupassen.

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