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HomeNachrichten aus JapanAtombombenmuseum von Nagasaki kämpft um den Erhalt von Artefakten

Artefakte verfallen und Überlebende verschwinden

Atombombenmuseum von Nagasaki kämpft um den Erhalt von Artefakten

76 Jahre ist der Atombombenabwurf auf die Stadt Nagasaki her. Das lokale Atombombenmuseum versucht, an den Schrecken der Bombe zu erinnern, doch die Aufgabe wird immer schwieriger. Einerseits verfallen Artefakte, andererseits können nicht alle gezeigt werden.

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Seit 25 Jahren gibt es das Museum im Hiranomachi Stadtviertel von Nagasaki. Geleitet wird es nur von dem Kurator, Shotaro Okuno. Er steht dabei vor der Herausforderung, die Artefakte zu erhalten und der Nachwelt zu vermitteln, was ein Kampf gegen die Zeit ist.

Kleidungsstücke verfallen langsam

2012 stellte Okuna fest, dass sich eine aufgehängte Hose vom Präsidenten des damaligen Nagasaki Medical College langsam auffädelten. Präsident Susumu Tsunoo war am 9. August 1945 nur 700 Meter vom Hypozentrum der Atombombe entfernt. Die Hose wurde durch die Explosion von Glassplittern zerfetzt und Blutflecken bezeugen das Schicksal von Tsunoo.

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Okuno wollte eigentlich die Hose mit traditionellen Methoden reparieren. Aus Angst aber, etwas zu verändern, entschied er sich dagegen und nun liegt die Hose in einem Glaskasten. Allgemein versucht Okuno, der seit 2008 als Kurator arbeitet, den Verfall der Stücke mit Maßnahmen zu reduzieren. Verhindern kann er ihn nämlich nicht gänzlich, besonders nicht bei Papier und Stoff.

Aber auch um historische Stätten muss sich Okuno kümmern, wie der ehemaligen Shiroyama National Elementary School. Er muss die Orte pflegen und erhalten sowie Forschung für andere potenzielle Stätten durchführen. Ursprünglich gab es überhaupt keinen Kurator, weil das japanische Gesetz es nicht vorschreibt. Da der Erhalte der Erinnerung mit der sinkenden Zahl der Überlebenden aber immer wichtiger wurde, stellte die Stadt Okuno ein.

Atombombenmuseum kann nicht alle Artefakte zeigen

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Das Museum versucht aber nicht nur, alle Stücke zu erhalten, sondern auch die Wünsche der Überlebenden zu erfüllen. Es gibt mehr als 15.000 Artefakte in der Sammlung, Bilder und Fotos nicht mit eingeschlossen. Aus dem Grund kann immer nur ein Teil davon dauerhaft gezeigt werden

So wird nur jeden August die Luftschutzhaube eines kleinen Kindes ausgestellt. Sie gehörte dem damals zwei Jahre alten Bruder von Yoshinori Ide.

Das alte Kleidungsstück ist das einzige, was von dem kleinen Jungen übrig ist, Fotos und andere Erinnerungsstücke gibt es nicht mehr. Für Ide ist die Haube der letzte Beweis, dass sein Bruder gelebt hat. Er selbst war zum Zeitpunkt noch im Bauch seiner Mutter, die den Atombombenabwurf mit schweren Verbrennungen überlebte.

Nach ihren Angaben hatte Ides Bruder sie aufgrund ihrer Verletzungen nicht erkannt und er war gestorben, ohne mit seiner Mutter zu reden. Ides Mutter hat bis zu ihrem Tod 2010 jeden August vor der Haube gebetet. Die Aufgabe hat nun der 78 Jahre alte Ide übernommen.

Stadt versucht, Erinnerungen zu bewahren

Die Haube ist eigentlich weder Teil der Dauerausstellung noch der Sonderausstellung. Auf Bitte der Familie hin wird sie aber immer im August ausgelegt, damit Ideas großem Bruder gedacht werden kann. Idea selbst möchte, dass Besucher sehen, dass auch so ein kleines Kind zu den Opfern gehörte.

Anders als das Hiroshima Peace Memorial Museum, dass acht Kuratoren hat und ständig die Ausstellungsstücke wechselt, hat sich an den 420 dauerhaften Stücke in Nagasaki so gut wie nichts geändert.

Zurzeit bemüht sich die Stadt, neues Material zu sammeln, da es irgendwann keine Überlebenden mehr geben wird. 25.300 registrierte Atombombenüberlebende wurden angeschrieben und um Objektspenden gebeten.

Okuno betont, dass das nun die letzte Chance sei, von den Überlebenden zu lernen und ihr Wissen weiterzugeben. Aus dem Grund will die Stadt nun noch zwei weitere Kuratoren einstellen, damit sie das Erbe der Atombombenopfer an die nächsten Generationen weitergeben können.

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