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HomeNachrichten aus JapanAtombombenopfer kommt nach 75 Jahren zurück zur Familie

Verstorbener Teenager ist wieder bei seiner Schwester

Atombombenopfer kommt nach 75 Jahren zurück zur Familie

Asahi – 75 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima gibt es immer noch zahlreiche Opfer, die nicht zurück an ihre Familie übergeben werden konnten. Umso freudiger ist nun die Nachricht, dass nach all der Zeit ein Teenager endlich wieder nach Hause kann.

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Am 8. Dezember 2020 wurden Kiyoko Iwata die sterblichen Überreste ihres Bruders Kikuma Michihara übergeben. Die 83-Jährige war den Tränen nah, als sie die Urne vor dem Memorial Tower am Hiroshima Peace Memorial Park von einem Stadtbeamten erhielt. Es war dabei ein besonderes Tag, nämlich der 79. Jahrestag des Beginns des Pazifikkriegs.

Bruder überlebte die Bombe

Iwata erklärte, dass sie ihren Bruder gerne willkommen heißen will. Ihr Bruder war die 75 Jahre sicher sehr traurig und muss Schmerzen gehabt haben, so Iwata. Die Überreste werden nun dem Familiengrab beigesetzt.

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Michihara war 18 Jahre alt, als Iwata ihn ein letztes Mal sah, als er in den Krieg zog. Iwata erinnert sich, wie sie als Grundschülerin mit einer Japanflagge aus Papier ihm noch zum Abschied winkte. Laut ihr habe ihr sanfter Bruder sie sehr als einzige Schwester geliebt.

Der Teenager wurde der ersten Infanterie Reserve des Chugoku Distrikts von Hiroshima zugeordnet. Den Abwurf der Bombe am 6. August überlebte Michihara schwer verletzt. Am 31. August starb er schließlich im Krankenhaus im Hafen Distrikt Ujina. Die sterblichen Überreste von ihm wurden von dem Untersuchungsteam der damals noch kaiserlichen Armee eingesammelt, die für Strahlungsmessungen zuständig waren.

Sterbliche Überreste werden per Zufall gefunden

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Wiedergefunden wurde die Asche allerdings erst 2019 bei den Besitztümern von Doktor Yoshio Nishina vom Riken Forschungsinstitut, der bereits 1951 verstarb. Er hatte zwei Tage nach dem Atombombenabwurf als Mitglied des Untersuchungsteams das kaiserliche Hauptquartier Hiroshima besucht.

Als seine Sachen nun 2019 sortiert wurden, weil das ehemalige Riken Gebäude in Tokyo abgerissen werden sollte, wurden sieben Knochen und 21 verbrannte Überreste gefunden, die von Atombombenopfer stammen. Bei fünf Boxen war ein Name vermerkt, darunter der von Michihara.

Im November wurden sie Hiroshima übergeben, wo dann die Familienregister und andere Unterlagen zu Atombombenopfer überprüft wurden. Obwohl der Name Kikuo vermerkt war, war sich die Stadt sicher, dass es sich um Iwatas Bruder handelte.

Suche nach den Familien von Atombombenopfern hält an

Es kommt nur selten vor, dass Atombombenopfer mit ihrer Familie vereint werden. Tatsächlich ist es das erste Mal seit 2017, dass es wieder zu einer Rückgabe kommt. Seit 2010 ist es sogar erst die dritte Rückgabe. Zurzeit sucht Hiroshima ebenfalls noch nach der Familie von Toshiro Kinouchi, dessen Überreste und Name ebenfalls beim Doktor gefunden wurden.

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Hiroshima hat weiterhin die sterblichen Überreste von etwa 70.000, die im Victim Memorial Tower aufbewahrt werden. Von einigen ist der Name bekannt, trotzdem wird immer noch nach ihren Familien gesucht.

Jährlich werden deswegen Listen mit 815 Namen von Opfern veröffentlicht, die auf eine Rückgabe warten. Die Listen werden dabei direkt an Gruppen von Überlebenden und lokale Regierungen gegeben, die nach Informationen suchen.

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