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Außen- und Handelsminister Casten Nemra der Marshallinseln fordert Entschädigung für Atombombenopfer

Atombombentests auf pazifischen Inseln erinnern Japaner an die Katastrophe von Hiroshima und Nagasaki

In den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkrieges wurden die pazifischen Inseln für amerikanische Atombombentests genutzt. Der Spitzendiplomat der Marshallinseln rief dazu auf, auf die Gefahren der Atombomben zurückzublicken und sich deren Zerstörungsausmaß bewusst zu werden. Im vergangenen Monat blickt Japan auf die nukleare Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren zurück.

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Der Außen- und Handelsminister Casten Nemra der Marshallinseln sagte in einem schriftlichen Interview, dass die Bewohner auf den pazifischen Inseln eine einzigartige Perspektive auf die Geschehnisse haben. Diese gilt es zu bewahren, denn die Anzahl an Überlebenden schwindet mit der Zeit.

Zukünftige Generationen müssen sich daran erinnern

„Wir müssen sicherstellen, dass diese Erfahrungen aufgezeichnet und mit unserer jüngsten und nächsten Generation geteilt wird“, sagte Casten Nemra weiterhin. Kein weiteres Land sollte unter den negativen Folgen eines nuklearen Angriffes leiden müssen. Auch Japan hat ihren Weg gefunden die Geschichte zu bewahren.

Hiroshima hat sich beim Wiederaufbau der eigenen Stadt zur Aufgabe gemacht, an die nukleare Explosion zu erinnern. Dort wurde in der Nachkriegszeit mit dem Friedenspark, dem Friedensmuseum und der Atombombenkuppel eine neue Stadtmitte geschaffen. Die Stadt gilt heutzutage als internationales Symbol, weil dort das erste Mal geschah, dass eine Atombombe über einem dicht bevölkerten Gebiet explodierte.

Der Wiederaufbau von Hiroshima ist für japanische Städte eher untypisch. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Städte regelmäßig von Erdbeben, Taifunen, Flutwellen und Kriege zerstört. Großflächige, monumentale Wiederaufbauplanungen und Denkmale als Erinnerung an die vorhergehende Zerstörung sind selten. Hier stellt Hiroshima eine Ausnahme dar und zeigt, dass diese Katastrophe nicht Vergessenheit geraten darf.

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Im vergangenen Monat jährte sich zum 75. Mal der Atombombenabwurf auf Hiroshima. Zu dem Anlass stellte die Stadt Ruinen vom Atombombenabwurf aus.

Das Ausmaß der Atombombentests auf die Marshallinseln

Vom Zeitraum von 1946 bis 1958 fanden 67 amerikanische Atombombentests auf den Marshallinseln statt. Die meisten der Detonationen fanden auf einer Reihe von Atollen (ringförmiges Riff, das eine Lagune umschließt) die als berüchtigte „Pacific Proving Grounds“ galten.

Die stärkste Detonation war der „Castle Bravo Test“  mit einer Wasserstoffbombe am 1. März 1954 beim Bikini Atoll. Es verursachte radioaktiven Niederschlag in einem weiträumigen Gebiet, welches sich auf die Nachbarinseln und deren Bewohner auswirkte. Bis heute sind die Folgen zu spüren. Ein Krater auf dem Bikini Atoll erinnert an diesen Test.

Das Bikini-Atoll am August 2011 auf den Marshall Inseln. Das dunkel-blaue Gebiet (Mitte, oben) ist ein Krater durch die Explosion von 1954. Bild: Kyodo
Das Bikini-Atoll am August 2011 auf den Marshallinseln. Das dunkel-blaue Gebiet (Mitte, oben) ist ein Krater durch die Explosion von 1954. Bild: Kyodo

Viele Menschen wurden von ihren Heimatinseln vertrieben und können aufgrund der Strahlung und weiterer toxischer Verseuchung nicht zurück.

Es muss Verantwortung übernommen werden

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„Die Vereinigten Staaten haben im Laufe der Zeit Maßnahmen ergriffen, aber unser nukleares Risiko besteht nach wie vor, und es muss noch viel mehr getan werden“, sagte Nemra. Seit 1970 gilt ein internationaler Atomwaffensperrvertrag, der unter anderem die Verbreitung von Kernwaffen verbietet und zur Abrüstung verpflichtet.

Im Oktober letzten Jahres wurden die Marshallinseln zum Mitglied des UN-Menschenrechtsrates gewählt. Sie haben die globale Bühne betreten, indem sie sich für die Entschädigung von Atomwaffenopfern einsetzen.

„Wir wollen sicherstellen, dass diese Stimmen Gehör finden und nicht aufgrund einer größeren Politik übersehen werden“, sagte Nemra und forderte andere Länder, die ähnliche Ziele verfolgen, auf, ebenfalls eine Mitgliedschaft anzustreben, um dazu beizutragen, dass der Einsatz von Atomwaffen international überprüft wird.

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