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HomeNachrichten aus JapanAvatar-Roboter-Café in Tokyo nimmt Schwerbehinderten die Einsamkeit

Behinderte Menschen können von Zuhause aus arbeiten

Avatar-Roboter-Café in Tokyo nimmt Schwerbehinderten die Einsamkeit

In Japan gibt es viele Cafés, die mit verschiedenen Themen locken. Ein neues Lokal in Tokyo setzt auf Roboter, die allerdings mehr als nur eine kleine Spielerei sind. Sie sollen nämlich dabei helfen, dass behinderte Menschen arbeiten können und sich nicht mehr einsam fühlen.

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Avatar Robot Cafe DAWNver.beta heißt das Café, dass am 21. Juni im Nihimbashi Bezirk der Hauptstadt öffnen wird. Insgesamt hat das Café Platz für 70 Personen und bietet neben Kaffee auch Mittagessen und andere Dinge an. Es wurde dabei barrierefrei eingereicht und kann von Rollstuhlfahrern genutzt werden. Zusätzlich gibt es Netzteile zum Ausleihen, um medizinische Geräte aufzuladen.

Bettlägrige Menschen können von Zuhause aus arbeiten

Als Kellner werden keine Menschen, sondern Avatar-Roboter genutzt, die von Menschen mit schweren Behinderungen gesteuert werden. Der Roboter „OriHime-D“ ist 120 Zentimeter groß und kümmert sich um die Gäste. So sollen kranke Menschen die Möglichkeit bekommen, auch von Zuhause aus zu arbeiten und sich mit Menschen zu unterhalten.

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Die sogenannten Piloten von „OriHime-D“ leiden unter anderem an ALS und SMA und können sich deswegen nur eingeschränkt bewegen. Den Roboter können sie jedoch ganz einfach vom Bett aus kontrollieren und bewegen. Dank eines Lautsprechers kann mit Gästen direkt gesprochen werden und über eine Kamera können die Piloten die Menschen sehen.

Für Personen, die Schwierigkeiten beim Sprechen haben, gibt es zusätzlich eine künstliche Stimme. Neben dem Avatar-Roboter kommt noch der „tele-barista“ hinzu, der von einem ehemaligen Barista mit ALS gesteuert wird. Über einen Computer werden die gewünschten Daten eingegeben, um den Kaffee nach Wunsch des Kunden zuzubereiten.

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Die Idee für das Projekt hatte der Roboterforscher Kentaro Yoshifuji, welcher der Mitbegründer von Ory Laboratories Inc. ist und das Café Mithilfe von Crowdfunding finanziert hat. Einen ersten Testlauf gab es bereits in Form eines Pop-Up-Stores. Das Projekt wurde von seinen persönlichen Erfahrungen beeinflusst.

Roboter könnten die Gesellschaft verändern

Er war als Kind oft krank und fehlte in der Schule, die er auch irgendwann nicht mehr besuchen wollte und sie deswegen schwänzte. Er bemerkte dabei schnell, dass er sehr einsam wurde. Durch seine Mutter kam er auf das Bauen von Robotern.

Da er sich auch später nicht ganz wohl mit seiner Umgebung fühlte, kam ihm die Idee Roboter zur Kommunikation zu nutzen. Er entwickelte so OriHime, mit dem Kinder in Krankenhäusern mit ihrer Familie sprechen können. 2012 gründete er dann sein eigenes Unternehmen.

In dem Zeitraum traf er auf Yuta Banda, der seit seinem vierten Lebensjahr wegen eines Autounfalls bettlägerig war. Er war von OriHime begeistert und wollte ihn bei seinen Projekten unterstützen. Zusammen fingen sie mithilfe von OriHime an, Vorträge zu halten und später wurde Banda sein Sekretär.

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Banda brachte Yoshifuji auch auf die Idee des Cafés, nachdem sie gescherzt hatten, dass er als Sekretär Kaffee machen sollte. Leider wird Banda die Eröffnung nicht mehr miterleben, da er 2017 nach einer Krankheit im Alter von 28 Jahren verstarb. Yoshifuji bemühte sich jedoch um so mehr, die Idee umzusetzen, die für ihn der letzte Wille von Banda war.

Nun geht der Traum vom weltweit ersten Café in Erfüllung, in dem Avatar-Roboter verwendet werden. Yoshifuji hofft, dass die Menschen zusammen mit ihm sich begeistern lassen. Für die Zukunft wünscht er sich eine Gesellschaft zu schaffen, in der kranke und behinderte Menschen die Hoffnung haben, arbeiten zu können. Das Café soll deswegen zeigen, dass Avatar-Roboter für die Gesellschaft eine Option sein können.

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