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Ärzte fordern weiterhin ein einheitliches System, um für mehr Sicherheit zu sorgen

Bei mehr als der Hälfte der Toten in Japan wird ein Coronavirus-Test verweigert

In Zeiten der Corona-Krise arbeiten auch Pathologen mit Vorsicht. In einigen Fällen wollen sie deswegen nachträglich prüfen lassen, ob Verstorbene möglicherweise an dem Virus verstorben sind. Meistens macht ihnen jedoch die regionale Regierung einen Strich durch die Rechnung. Laut einer Umfrage sollen nämlich mehr als die Hälfte der Anfragen für einen Test abgelehnt werden.

Die Japanese Society for Forensic Pathology führte im April eine Befragung zu der Thematik bei forensischen medizinischen Einreichungen und medizinischen Prüfern durch. Schon vor einigen Tagen berichteten verschiedene Pathologien in Japan, dass ihnen die öffentlichen Gesundheitszentren einen Test verweigern. Auch wenn die Verstorbenen vor ihrem Tod hohes Fieber hatten oder andere Symptome des Virus aufwiesen, wurden Tests häufig abgelehnt.

Trotz begründeten Verdacht

Die Umfrage der Vereinigung bestätigt die Aussagen. In 12 von 23 Fällen zwischen Januar und Mitte April wurden Anfragen von 26 Organisationen abgelehnt. Die Gesellschaft ist von den Ergebnissen schockiert. Es sei wichtig, die Tests zu machen, um die richtige Todesrate des Virus zu erfassen. Postmortale Tests sind deswegen besonderes bei Personen wichtig, die Symptome hatten, da ihre Hinterbliebenen und andere Personen im näheren Umfeld infiziert sein können.

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Bei einem Fall handelt es sich um einen zehn Jahre alten Jungen, bei dem eine Atemwegsinfektion bei der Obduktion festgestellt wurde. Die Ärzte, die versuchten ihn wiederzubeleben, hatten eine Probe eingeschickt, die jedoch negativ war. Die Pathologen wollten allerdings einen zweiten Test zur Sicherheit machen und um sich selbst vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Das Gesundheitszentrum lehnte den Antrag jedoch ab.

Auch bei anderen Fällen gibt es einen berechtigten Verdacht. Meistens wird der Antrag jedoch damit abgelehnt, dass es entweder in der Vergangenheit einen negativen Test gab oder das die Person wohl keinen Kontakt mit anderen infizierten Personen hatte. Eine befragte medizinische Einrichtung gab dazu an, dass durch die Ablehnungen der Tests der Eindruck entsteht, dass Leichen nicht getestet werden können.

Keine Richtlinien zum richtigen Umgang mit Toten

Das ist jedoch ein folgenschwerer Fehlschluss. Wie problematisch die Ablehnungen sind, zeigten zwei Fälle bei einem Arzt in der Kanto Region. Er beantragte für zwei Tote einen Test, nachdem bekannt wurde, dass sie starke Symptome aufwiesen. In beiden Fällen wurde festgestellt, dass sie an den Folgen einer Infektion mit dem Virus gestorben sind. Beide Test wurden zuvor abgelehnt und das zuständige Gesundheitszentrum wollte im Nachhinein nicht erklären wieso.

Der Arzt versucht die Behörde jedoch etwas in Schutz zu nehmen. Er glaubt, dass kein Test erlaubt wurde, da zu der Zeit die PCR-Tests begrenzt waren. Dazu fielen die Fälle nicht unter die regulären Entscheidungswege für eine Untersuchung, weswegen gar nichts anderes möglich war als abzulehnen. Trotzdem bezahlt der Arzt nun aus eigener Tasche die Tests, um sicherzugehen, dass Familienmitglieder und andere nicht von den Toten vielleicht angesteckt wurden.

Allgemein haben Pathologen in Japan es zurzeit schwer mit der Situation umzugehen. Es gibt keine Richtlinien von der Regierung oder Ärzteorganisationen, die einen erklären, wie sie mit möglichen Infizierten umgehen sollen. Die Entscheidung für die Anforderung von Tests liegt ganz alleine bei den Ärzten und den Gesundheitszentren.

Bestatter sprechen sich auch für die Tests aus

Der Direktor des Verbandes, Toshikazu Kondo, versteht den Konflikt zwischen beiden Parteien. Es ist selbstverständlich, dass die Gesundheitszentren den Lebenden den Vortritt überlassen. Die Tests bei den Toten wären trotzdem sehr wichtig, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Zusätzlich sei nicht nur der Öffentlichkeit und den Medizinern geholfen, auch Bestatter sind für die Tests. Die All Japan Funeral Directors Co-operation und Japan Hearse Association fordern Informationen zu Infektionen und mehr Tests. Denn auch bei ihnen geht es um die Sicherheit der Mitarbeiter.

Das japanische Gesundheitsministerium ist bereits auf die Problematik aufmerksam geworden. Die Abteilung für Tuberkulose- und Infektionskrankheiten gab dazu an, dass allgemein bei einem Verdacht von den Ärzten getestet werden soll. Aus dem Grund empfinden sie es sehr bedauerlich, wenn Anfragen verweigert werden.

Fehlende Test wirken sich wohl nicht auf die Zahlen aus

Das Ministerium weist jedoch daraufhin, dass, wenn Zentren nicht genug Kapazitäten haben, Schwierigkeiten mit den Tests bei Toten leider nicht vermeidbar sind. Auch auf die Möglichkeit, dass durch die fehlenden Tests die Sterblichkeitsrate zu dem Virus verfälscht wird, äußerten sie sich. Mehrere Experten sind sich aufgrund verschiedener Berichte sicher, dass es mehr Infizierte und verstorbene Infizierte gibt, als verzeichnet werden.

Die Abteilung des Ministeriums sieht das jedoch anders. Sie würden bereits die Personen zählen, die nach dem Tod positiv getestet werden. Aus dem Grund glauben sie nicht, dass es einen großen Unterschied bei der Gesamtzahl gibt. Die Pathologen geben sich damit nicht wirklich zufrieden. Sie halten weiter an ihrer Forderung fest und pochen auf die Dringlichkeit eines Systems für postmortale Tests.

MS

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