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Brot erobert die Welt, und auch Japan?

Die japanischen sowie auch die ausländischen Massenmedien schlagen Alarm – angeblich entscheiden sich immer mehr Japaner fürs Brot anstatt für Reis. Dabei gehört doch Reis fast zu allen traditionellen japanischen Gerichten. Die Deutschen werden immer wieder als “Rekordmeister im Brotessen” genannt. Was ist aber, wenn ihnen die Japaner den Titel wegschnappen möchten?

Wird jetzt auch Sushi gegen Butterbrot oder Sandwiches mit Räucherlachs verlieren?

Brot wurde in Japan erst in den 1950ern populär. Aufgrund von Schwierigkeiten in der Nachkriegszeit war es unmöglich, das komplette Volk mit Reis zu versorgen. Zwischen den 50ern und 70ern war Brot auch einer der wichtigsten Bestandteile des Mittagessens in japanischen Schulen. Doch nachdem Japan seine Wirtschaft wieder auf die Beine gebracht hatte, stieg der Konsum von Reis wieder an.

2011 war das erste Jahr, in dem der Verbrauch von Brot in Japan den Verbrauch von Reis wieder überholte. Davor war dies nur einmal passiert – in 1985.

Den Japanern schmeckt der Reis nicht mehr so wie früher

Reis wird unbeliebter bei vielen Japanern, weil er laut der jüngeren Generation “geschmacklos” ist. Forscher meinen aber, dass es am Lebensstil vieler Japaner, vor allem in Großstädten, liegt. Eigentlich, wenn man den klebrigen Reis länger kaut, erzeugt er einen leicht süßlichen Geschmack im Mund. Doch wer hat schon Zeit, so lange zu kauen? Deswegen wird Brot in den japanischen Medien oft als Lieblingsprodukt von jungen Leuten dargestellt. Es handelt sich aber eher um eine Wunschvorstellung der Brothersteller, denn in Wirklichkeit wird Brot am meisten von den Senioren gekauft. Besonders eine Marke, die in Seven Eleven verkauft wird, und zu 230 Yen (ca. 1,80 Euro) für eine 5 Stück-Packung erhältlich ist. Diesen Preis können sich also auch Rentner mit kleinem Budget leisten.

Japanisches Frühstück
Bild: すしぱく

Der Hauptgrund für die Beliebtheit von Brot bei den Senioren ist, dass sich die Mahlzeit viel leichter zubereiten lässt. Wenn die Kinder von Zuhause ausziehen, machen viele Japaner einfachere Gerichte, wie Toastbrot zum Frühstück, und Salat mit Brot zur Mittagszeit.

Wenn sich also schon sogar die Hüter der Traditionen im Land für das Weizengebäck entscheiden, stimmt es vielleicht auch, dass bald gar kein Reis mehr gegessen wird?

Brot wird öfter als Reis gekauft

Das Innenministerium von Japan hat die Statistik für das Jahr 2017 veröffentlicht, in dem man Verbrauch von Reis, Brot und Nudeln in japanischen Haushalten (ab 2 Personen) sieht.

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob die Japaner tatsächlich vorhaben, auf Reis zu verzichten, und Brot als Beilage für alles zu nutzen.

Dennoch muss man sich diese Statistiken nochmals ganz genau anschauen. Laut deren Zahlen wird Brot zwar viel häufiger als Reis gekauft, was aber noch nichts über die Mengen von gekauften Produkten aussagt. Brot wird meistens in einer Packung von 5 oder 10 Scheiben gekauft.

Dafür kaufen Japaner den Reis noch immer in großen Packungen von 5 oder sogar 10 Kilo, die auch über längere Zeit ausreichen. Wenn man das wieder auf Mahlzeiten umrechnet, sieht man, dass sowohl Brot und Reis ungefähr in denselben Mengen konsumiert werden.

Außerdem wird nur ungekochter Reis in diesen Statistiken aufgezählt. Der Reis in Fertiggerichten, wie Bento und Onigiri, taucht hier nicht auf, obwohl sie in jedem Supermarkt erhältlich sind und auch täglich konsumiert werden.

Wie viele Bäckereien brauchen die Japaner?

Auch wenn man die Bäckereien in Japan näher betrachtet, sieht man, dass es gar nicht so leicht ist, die Geschäfte am Laufen zu halten. In 2016 wurden zum Beispiel in Tokyo zwar 58 neue Bäckereien eröffnet, jedoch 111 existierende geschlossen. In Kyoto im selben Jahr gab es 28 neue Laden, dafür 48 Geschäftsaufgaben.

Bei Japanern sind Lebensmittel sehr stark von der Jahreszeit und den damit verbundenen Trends verknüpft. Im Sommer müssen sich die Bäcker stets etwas mit frischem Obst überlegen, der Herbst wiederum bringt Kürbisbrote mit sich, der Winter entsprechende Weihnachtsspezialitäten und der Frühling schließlich steht für die Herausforderung, Sakura in das Gebäck zu integrieren. Die Bäcker müssen also ständig auf der Hut sein, nicht den nächsten Trend zu verpassen, um keine Kunden zu verlieren.

Es ist also letztlich falsch, zu behaupten, dass Brot in Japan den Reis ganz einfach auf Platz zwei der Grundnahrungsmittel schieben wird.

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