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Fürstlicher Empfang in der Burg des Weißen Reihers

Burg Himeji begrüßt ihre neuen Fürsten – als Dank für eine Großspende

Die Burg Himeji in der japanischen Präfektur Hyogo zählt als die vielleicht schönste Burg Japans. Mehrere Kriege hat sie überstanden und ist seit 1993 Weltkulturerbe. Millionen Menschen besuchen den Burgkomplex jedes Jahr. Nach fast 160 Jahren hat Himeji nun sogar drei neue Fürsten – als Ergebnis eines besonderen Steuerrechts in Japan.

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Helikopterflug, Autofahrt mit Chauffeur und ein opulentes Dinner hoch über den Dächern der Stadt. Um die neuen Fürsten zu begrüßen, zog die Stadt Himeji am 19. Mai alle Register. Ins Feudalzeitalter zurückgekehrt ist man in Japan aber natürlich nicht und die normalen Bürger Himejis haben von den Fürsten rein gar nichts mitbekommen. Vielmehr handelte es sich um eine besondere Veranstaltung als Dank für eine großzügige Spende im Rahmen von Japans “Furusato Nozei”-System.

Mit Steuer-Anreizen die Landflucht ausgleichen

Furusato Nozei” bedeutet soviel wie “Heimatsteuer” und soll dabei helfen, ein sich verschärfendes Problem in Japan zu beheben: die Landflucht. Denn die meisten jungen Menschen zieht es in die großen Städte, nur wenige bleiben auf dem Land. Dadurch fehlen in ländlichen Regionen wiederum Steuereinnahmen, die man nutzen könnte, um die Regionen attraktiver zu machen. Je mehr Menschen also vom Land wegziehen, umso schwieriger wird es, durch Ausbau von Wirtschaft und Infrastruktur Anreize fürs Bleiben oder Zurückkehren zu schaffen.

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Um das Problem anzugehen entwickelte die Regierung daher 2007 die Heimatsteuer. Seitdem haben alle Einwohner Japans die Möglichkeit, im Rahmen des “Furusato Nozei”-Programms freiwillig Beiträge an ländliche Regionen zu entrichten. Wer mehr als 2000 Yen (etwa 15 Euro) zahlt, bekommt einen Nachlass auf die Einkommens- und Wohnsitz-Steuer. Angesprochen werden damit besonders Bewohner von Großstädten. An welche Region der Beitrag gezahlt wird, entscheiden die Spendenden selbst, man ist nicht an die tatsächliche Heimatstadt gebunden.

Wer den Spendenen nichts zu bieten hat, geht leer aus

Was sich im ersten Moment nach einer praktikablen Lösung anhört – vom Land weggezogene Personen unterstützen ihre Heimat im Rahmen ihrer Möglichkeiten – entwickelte jedoch schnell eine Eigendynamik. Um für die Spendenden attraktiver zu werden, begannen viele Orte, Anreize zu bieten. Das zahlte sich aus: Städte die lokale Produkte als „Geschenk“ für eine Spende im Rahmen des Systems anboten, erhielten nach Auswertungen bis zu 60 Millionen Yen (ca. 444.257 Euro) ausgezahlt. Das sorgt für Kritik: denn Gebiete, die keine außergewöhnlichen Produkte anbieten können oder denen das Geld fehlt, um damit Werbung zu machen, gehen leer aus. Dabei hätten sie die freiwilligen Beiträge am ehesten nötig.

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Trotz der Verzerrungen wird das System bis heute mit nur geringfügigen Veränderungen – Belohnungen dürfen nicht mehr als 30 Prozent des Spendenwertes entsprechen – weitergeführt und erfreut sich in Japan großer Beliebtheit. Denn für die Spender sind die “Geschenke” unter Umständen deutlich wertvoller als der steuerliche Vorteil, der letztlich sehr gering ausfällt. Es gibt sogar eine eigene Webseite des “Furusato Nozei”-Systems, auf der man einsehen kann, welche Belohnungen gerade angeboten werden. Dort kann man angeben, an welcher Art von Geschenk man interessiert ist – etwa Süßigkeiten, Reisen, Kleidung oder Möbel – oder wie viel man bereit ist zu spenden. Allein in der Kategorie Reisen gibt es zum Zeitpunkt diese Artikels über 9000 Angebote, für Fleisch über 60.000. Hat man ein attraktives Angebot gefunden, kann die Spende direkt über die Webseite bezahlt werden.

Im Dezember 2021 entschied auch die Stadt Himeji, am “Furusato Nozei”-Programm teilzunehmen und verkündete, für eine Spende von 30 Millionen Yen (ca. 222.128 Euro) würde der 49. Fürst der Burg begrüßt werden. Im Gespräch waren zuvor auch andere Veranstaltungen wie Schatzsuchen oder ein Fangen-Spiel auf dem Burggelände. Um die Würde des Ortes zu wahren entschied man sich schließlich gegen diese Optionen. Ebenfalls schieden Aktivitäten aus, die zu Schäden an der Burg führen könnten. Stattdessen wollte man eine Veranstaltung anbieten, die außerhalb der regulären Öffnungszeiten eine besondere Nutzung der Burg ermöglichte.

Gleich drei Personen teilen sich den Titel “49. Fürst von Himeji”

Dass sich tatsächlich ein Spender für das Angebot findet, damit wurde in der Stadtverwaltung nicht ernsthaft gerechnet. Doch nur zwanzig Tage nach der Veröffentlichung spendete eine Person außerhalb Himejis die geforderten 30 Millionen Yen. Zur Identität der Person schweigt die Stadt auf deren Wunsch – ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, ist unbekannt, ebenso Alter oder Wohnort der Person. Sie nahm zudem nicht selbst an der Veranstaltung teil, sondern bestimmte drei andere Personen, die zu den neuen Fürsten der Burg Himeji werden sollten. Auch sie blieben anonym. Aktuell werden von der Stadt jedoch Porträts der drei neuen Fürsten angefertigt, sodass sie womöglich irgendwann auch öffentlich zu sehen sein werden.

Vor drei Tagen begrüßte man die drei neuen Fürsten nun offiziell in „ihrer“ Burg. Bevor sie dieser aber auch nur nahe kamen, ging es zuerst in luftige Höhen. Mit einem Helikopter flog die Gruppe von der Stadt Kobe aus über die Seto-Inlandsee und landete schließlich auf einem Sportplatz in Himeji. Von dort wurden sie per Auto zur Burg gefahren, die sie in traditionelle Haori-Jacken gekleidet betraten.

In der Burg wurden die Fürsten von etwa zwanzig Mitarbeitern der Stadt und dem Archäologen Yoshihiro Senda begrüßt und erhielten eine exklusive Führung über das Gelände. Neben den auch für normale Besucher zugänglichen Teilen der Anlage konnten sie ein im Keller der Burg gelegenes Badezimmer besichtigen, dass normalerweise nicht besucht werden kann.

Schauspieler in Himeji
Szenen wie diese vermittelten den Fürsten einen Eindruck vom Leben im Sengoku-Zeitalter. Bild: MS

Im Hauptturm der Burg wartete dann bereits der Bürgermeister Himejis, Hideyaso Kiyomoto, um den drei Gästen das ständige Recht zum Betreten der Burg zu verleihen. Im Anschluss daran spielte eine Gruppe professioneller Schauspieler in historischen Gewändern und Rüstungen den Fürsten Szenen aus der Sengoku-Zeit Japans vor, als sich Feldherren im ganzen Land bekriegten. Dabei wurde unter anderem gezeigt, wie die Burganlage mit Feuerwaffen verteidigt werden kann.

Die Veranstaltung endete mit einer Übernachtung im Hotel Nikko Himeji. In dessen Bar im obersten Stockwerk erwartete die Fürsten ein opulentes Dinner mit Blick über die Dächer der Stadt auf “ihre” Burg, währenddem unter anderem Seegurke und Trüffel serviert wurden. Geschmückt war der Raum dabei mit fünfzig Deko-Kirschbäumen in voller Blüte.

Andere Städte und Gemeinden in Japan dürften aufmerksam auf Himejis Aktion schauen, schließlich haben auch sie Interesse an Spenden in Millionen-Höhe. Es bleibt abzuwarten, was für ausgefallene Angebot sich in Zukunft noch im “Furusato Nozei”-System finden lassen. Vielleicht suchen bald auch andere Burgen nach neuen Fürsten.

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