Anzeige
HomeNachrichten aus JapanChef der Bank of Japan gerät wegen "Realitätsferne" unter Beschuss

Realität bei den Menschen sieht anders aus

Chef der Bank of Japan gerät wegen „Realitätsferne“ unter Beschuss

Der Vorsitzende der Bank of Japan gerät wegen Äußerungen zu den steigenden Preisen immer mehr unter Beschuss, da viele seine Aussagen als realitätsfremd ansehen.

Anzeige

Der Yen verliert weiter an Wert und ist mittlerweile so schwach wie seit 1998 nicht mehr. Der Rückgang treibt die Importe in die Höhe, was für ein ressourcenarmes Land wie Japan sich natürlich in den Verkaufspreisen widerspiegelt.

Chef der Bank of Japan sieht Toleranz gegenüber Preissteigerungen

Vor diesem Hintergrund erklärte der Chef der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, die Menschen würden „Preiserhöhungen tolerieren“.

LESEN SIE AUCH:  Japans Haushalte werden wegen des Preisdrucks sparsamer

Obwohl er schnell einen Rückzieher machte, sind die Menschen wütend über diese Äußerung und Kurodas offensichtliche Missachtung der Realität.

„Die Preiserhöhungen sind beunruhigend, aber es lässt sich nicht ändern. Ich gehe nicht mehr so oft auswärts essen“, sagte Seiko Fukuchi, eine 82-jährige Hausfrau gegenüber den japanischen Medien.

Anzeige

Zu Kurodas Äußerungen sagte sie: „Er und die Menschen um ihn herum mögen ein gutes Leben führen, aber es gibt Menschen, die wegen des Coronavirus Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ich möchte, dass er nachdenkt, bevor er spricht.“

Eine 74-jährige Rentnerin sagte, sie sei wirklich wütend über die Aussage des Vorsitzenden der Bank of Japan.

„Ich dachte: ‚Versuchen Sie einmal, einen Monat lang von demselben Gehalt zu leben wie ein Durchschnittsbürger‘.“

Zu den jüngsten Preiserhöhungen sagte sie: „Meine Generation hat den Ölschock erlebt. Damals war es in Ordnung, denn auch unsere Löhne stiegen. Aber jetzt bin ich erschrocken, weil ich diese Art von Inflation erlebt habe. Ich kann nichts mehr unternehmen, was Spaß macht und Geld kostet.“

Immer mehr Unternehmen haben Probleme

Auch bei Unternehmen kam die Aussage des Vorsitzenden der Bank of Japan nicht gut an. Die Beschaffungskosten steigen und viele Geschäfte und Hersteller versuchen, die gestiegenen Kosten nicht an die Kunden weiterzugeben. Allerdings wird das immer schwieriger und die Zahl der Hersteller, die die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben, nimmt zu.

Nach Angaben von Ken Hayatsu, dem Präsidenten des Supermarktbetreibers Daimon Sankei, musste dieser in den letzten sechs Monaten die Preise für etwa die Hälfte aller Artikel des Supermarktes erhöhen, insbesondere für Produkte, die Speiseöl und Mehl enthalten. Und weitere Preiserhöhungen werden unvermeidlich sein.

Mittlerweile sind die Preise von über 10.000 Produkten in Japan gestiegen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Teikoku Databank bei 105 großen Lebensmittelherstellern wurden zum 1. Juni die Preise für 10.789 Artikel erhöht oder sollen erhöht werden. Es wird erwartet, dass die Preise von mehr als 3.000 Artikeln im Juli und darüber hinaus steigen werden.

Von den über 10.000 Artikeln, bei denen die Preise gestiegen sind, sind 40 Prozent verarbeitete Lebensmittel wie Nudeln und Schinken. Auch viele alkoholische Getränke und Gewürze sind teurer geworden.

Die Preiserhöhungen liegen im Durchschnitt bei schätzungsweise 13 Prozent und nach einer Analyse der Teikoku Databank ist es sehr wahrscheinlich, dass Unternehmen, die die Kostensteigerungen nicht vollständig auffangen können, die Preise wiederholt und in einem noch nie dagewesenen Tempo erhöhen werden.

Anzeige
Anzeige