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Japan-Modell funktioniert nicht

Coronavirus in Japan – Deutschland sollte sich bloß nichts abschauen

In der letzten Zeit berichteten viele deutsche Medien, dass Japan ein Vorbild für den Kampf gegen das Coronavirus ist und Deutschland einiges lernen kann.

Soviel zur Theorie, denn in der Praxis warnen mittlerweile Experten im Land davor, dass der Kampf gegen das Coronavirus dort nicht funktioniert. Denn anders als viele Medien bei uns berichten, hat Japan die Lage nicht im Griff.

Experten in Japan warnen, dass das System nicht mehr funktioniert

Japan kämpft gegen das Virus, indem man versucht Infektionscluster zu zerschlagen, um die Pandemie einzudämmen. Allerdings steigen die Infektionen stark an und daher sagen Experten, dass das System nicht funktioniert.

„Die gegenwärtige Epidemie kann nicht durch die Zerschlagung von Clustern unter Kontrolle gebracht werden“, sagte ein beratendes Ausschussmitglied des Gesundheitsministeriums. „Es ist notwendig, energische Schritte zu unternehmen, um Infektionen zu verhindern.“

Mehr zum Thema:  Immer mehr Krankenhäuser in Japan sind überlastet

Die von öffentlichen Gesundheitszentren landesweit durchgeführte Cluster-Bekämpfung ist ein wichtiger Bestandteil von Japans Ansatz zur Bekämpfung des Coronavirus und beinhaltet eine aggressive Rückverfolgung der Kontakte, um die ursprünglichen Quellen der Ausbrüche zu identifizieren.

Diese Methode, die als „Japan-Modell“ bezeichnet wird, soll die Verbreitung des Virus im Land bisher wirksam eingedämmt haben.

Doch die gegenwärtige Situation, die von vielen Experten als dritte Infektionswelle beschrieben wird, unterscheidet sich von den beiden vorangegangenen Wellen dadurch, dass die Vielfalt der Cluster wesentlich größer geworden ist.

Während der zweiten Welle im Sommer traten die meisten Cluster in nächtlichen Vergnügungsvierteln auf. Nun wurden Cluster an verschiedenen Orten festgestellt, darunter in medizinischen Einrichtungen, an Arbeitsplätzen und in ausländischen Gemeinschaften.

Da die Besorgnis über den Arbeitskräftemangel in den öffentlichen Gesundheitszentren wächst, hat das Gesundheitsministerium beschlossen, dass Einrichtungen der Altenpflege bei der Aufspaltung von Clustern Vorrang haben werden.

Doch trotz dieses Schrittes, der zum Teil darauf abzielt, die Arbeitsbelastung der öffentlichen Gesundheitszentren zu verringern, stößt dieser Ansatz nach Ansicht von Experten an seine Grenzen, da die Coronavirus-Fälle landesweit an fünf aufeinanderfolgenden Tagen um mehr als 2.000 Fälle angestiegen sind.

Eine kleine Zahl, aber man darf auch nicht vergessen, dass Japan im Vergleich zu uns relativ wenig testet. Auch hier warnen Experten bereits seit langem, dass die Dunkelziffer um einiges höher sein dürfte.

„Cluster-Bekämpfung ist wirksam, um lokale Ausbrüche in Gebieten einzudämmen, in denen sich Infektionen nicht weit verbreitet haben“, sagte ein Mitglied des Beratungsgremiums.

„Aber es ist schwierig, Ausbrüche in Gebieten unter Kontrolle zu bringen, in denen die Infektionswege bei der Hälfte der neuen Fälle unbekannt sind“, fuhr das Mitglied fort.

„Die Regierung sollte Maßnahmen ergreifen, um Infektionen zu verhindern“, fügte das Mitglied hinzu und forderte härtere Schritte, einschließlich Einschränkungen für Langstreckenreisen über Präfekturgrenzen hinweg.

Alle halten sich an die Regeln, von wegen …

Auch ein Argument, das gerne ausgegriffen wird, ist, dass sich die Menschen in Japan komplett an die Regeln halten. Das stimmt so allerdings nicht, wie uns zum Beispiel unser Redakteur Sebastian in einer Episode unseres Podcasts erzählt hat. Sebastian ist in Tokyo und erlebt die Situation hautnah. Zwar werden Masken getragen, aber eben nicht von allen, es gibt viele Menschen, die alle möglichen Regeln ignorieren.

Das verlängerte Wochenende hat ebenfalls gezeigt, dass auch Empfehlungen von Gesundheitsexperten nicht immer gehört werden. Im Vorfeld wurde eindringlich davor gewarnt zu verreisen. Kyoto erlebte allerdings eine Reisewelle.

Zuletzt gibt es noch das Argument, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nicht rechtlich bindend sind, aber weitgehend eingehalten werden.

Nun, das hat man bei der zweiten Welle bereits gesehen, in der viele Restaurants und Spielhallen trotzdem geöffnet hatten. Warum auch nicht, es gibt ja keine Strafen. Etwas, was die Gouverneure der Präfekturen übrigens kritisieren.

Zum Schluss kommt noch eine andere „Kleinigkeit“ hinzu: Unsere Gesellschaft ist grundlegend anders als die japanische. Aber dies ist nur ein weiteres kleines Detail.

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