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Erstmals können Saburo Neis Taten belegt und anerkannt werden

Dank altem Visum wird Japans zweiter vergessener Schindler wiederentdeckt

Während des Zweiten Weltkriegs waren Deutschland und Japan Verbündete. Japan mischte sich deswegen nicht in die Verfolgung der Juden ein, beteiligte sich allerdings auch nicht wirklich daran. Der japanische Botschafter in Litauen, Chiune Sugihara konnte dem Treiben allerdings nicht tatenlos zusehen und rettet hunderten von Juden mit einem Visum das Leben. Heute ist er für seine Taten als japanischer Schindler bekannt. Ein historischer Fund zeigt jetzt allerdings, dass er nicht der einzige war, der heimlich half.

Kürzlich sind Dokumente in den USA aufgetaucht, die belegen, dass noch jemand anderes Juden die Flucht ermöglicht hat. Der damalige Generalkonsul Saburo Nei in Wladiwostok in der damaligen Sowjetunion verteilte ebenfalls Transitvisa an Juden.

Altes Visum bei Nachforschungen gefunden

Es gab schon eine Weile die Vermutung, dass Nei bei der Flucht über Japan geholfen hat. Bisher war nur klar, dass es Aufzeichnungen zu Nei im russischen Staatsarchiv gibt, die auf sein Handeln verweisen. Dokumente dazu wurden bis jetzt nicht gefunden, was den aktuellen Fund zu einer Sensation macht. Dem 76 Jahre alten Schriftsteller Akira Kitade ist es zu verdanken, dass Nei nicht vergessen wird.

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In seinen Nachforschungen zu seinen Büchern über jüdische Flüchtlinge stieß er auf den Juden Simon Korentajer aus Polen, der Dank eines Visums von Nei nach Japan flüchten konnte. Sein noch lebender Urenkel Kim Hydorn in den USA konnte die Geschichte bestätigen und schickte ein Bild von dem von Nei unterschriebenen Visum. Es ist damit das erste Mal, dass eins der Papiere gefunden wurde.

Ausgestellt wurde das Visum am 28. April 1941 und erlaubte die Einreise in die USA über die Häfen von Tsuruga und Yokohama. Neben Neis Unterschrift ist auf dem Schreiben das offizielle Siegel des Konsulats. Korentajer hatte im Februar 1941 versucht, in der US-Botschaft in Moskau ein Visum zu bekommen, was jedoch abgelehnt wurde. Schon 1939 musste er mit seiner Familie aus Polen nach Litauen und Russland fliehen.

Hilfe aus Mitleid

In seiner Verzweiflung fuhr Korentajer bis nach Wladiwostok und bat Nei um ein Visum. Die japanische Regierung hatte eigentlich verboten, Visa nach Japan zu verteilen, wenn es keine Einreiseerlaubnis fürs Zielland gibt. Nei ignorierte die Anweisung und rettete so Leben. Korentajer selbst kam im März 1941 nach Japan, reiste über Kobe nach Shanghai und kam erst 1947 in die USA.

Laut russischen Aufzeichnungen soll Nei am 3. März 1941 einen Beamten des Volkskommissariat gestanden haben, dass er unerlaubte Visa ausgestellt hatte. Er hatte Mitleid mit den vielen Flüchtlingen und wollte helfen. Wie vielen Menschen er die Flucht ermöglichte und damit das Leben rettete, kann keiner sagen.

Mehr Aufmerksamkeit für Nei und seine Taten

Tatsächlich besaßen Nei und Sugihara sogar zusätzlich eine Verbindung. Nei sollte auf Anordnung des japanischen Außenministeriums die Visa von Sugihara überprüfen, da sie dem Ministerium Schwierigkeiten machten. Als Reaktion schickte Nei ein Telegramm zurück, in dem er erklärte, dass er von der Anfrage alles andere als begeistert war.

Bis zu seinem Tod 1986 verlor Nei kein Wort über seine Aktion. Erst 2016 befassten sich die Menschen mehr mit seiner Vergangenheit. In seiner Heimatstadt Miyazaki in der gleichnamigen Präfektur wurde eine Wertschätzungsgesellschaft gegründet, die versuchte auf seine Leistungen aufmerksam zu machen. Kitade erklärte, dass Nei aus dem Schatten von Sugihara treten kann und endlich auch im Rampenlicht steht. Jetzt, wo sie einen Beweis haben, wollen sie, dass so viele Menschen wie möglich erfahren, dass es noch einen anderen japanische Diplomaten gab, der Juden rettete.

MS

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