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Das Problem Plastikmüll in Japan wird immer wichtiger

Bei einem Treffen der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen und der UNESCO Mitte Dezember sprach der Bürgermeister von Kyoto, Daisaku Kadokawa, mit Stolz über die Erfolge seiner Stadt im Bereich des nachhaltigen und umweltfreundlichen Tourismus.

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„Seit dem Jahr 2000, in dem wir fast 820.000 Tonnen Haushalts- und Industriemüll produziert haben, haben wir diese Menge um die Hälfte (Stand: letztes Jahr) auf rund 410.000 Tonnen reduziert. Das haben wir trotz eines enormen Anstiegs der Touristenzahlen in den letzten Jahren erreicht“, sagte der Bürgermeister. Ziel der Stadt ist es, die jährliche Menge bis Ende 2021 auf 390.000 Tonnen weiter zu reduzieren.

Zweitgrößter Verursacher von Plastikabfällen

Im September sagte Kadokawa, dass es jährlich 4,2 Milliarden Yen kostet Plastikgegenstände zu entsorgen. Gemeinden in ganz Japan haben das gleiche finanzielle Problem, da immer mehr Besucher, sowohl aus dem Ausland als auch aus dem Inland, in Plastik verpackte Produkte kaufen.

Aber der Wandel steht vielleicht bevor und 2019 könnte als das Jahr in Erinnerung bleiben, indem nicht nur lokale Regierungen wie die von Kyoto mehr Zeit und Mühe aufgewendet haben, um die Menge an Plastik zu reduzieren, sondern auch als das Jahr, indem die nationale Regierung diesem Thema höchste Priorität eingeräumt hat.

Angestoßen wurde diese Entwicklung durch einen Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, der besagt, dass Japan nach den USA der zweitgrößte Verursacher von Kunststoffabfällen pro Kopf ist. Die Regierung nutzte den Gipfel in Osaka, um mehr auf Veränderungen zu drängen.

Mehr recycelbare Behälter und Verpackungen

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Japan sah sich der internationalen Kritik ausgesetzt, da es sich zusammen mit den USA weigerte, auf dem Gipfeltreffen im Jahr 2018 eine Charta zu unterzeichnen, die auf eine Reduzierung der Verwendung von Einwegplastik abzielt.

Im Mai startete eine Strategie, die darauf abzielt, die Menge an Einweg-Kunststoffabfällen bis 2030 um 25 Prozent zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Regierung anordnen, dass alle Behälter und Verpackungen bis 2025 wiederverwendbar bzw. recyclebar entwickelt werden sollen. Außerdem strebt sie bis 2030 eine Verwertungsquote von 60 Prozent bei Behältern und Verpackungen und bis 2035 eine 100-prozentige Verwertung von Altkunststoffen an.

„Wir sollten stolz auf einige der großen Erfindungen des 20. Jahrhunderts sein. Kunststoffe sind eine davon. Ohne Kunststoffe hätten wir keine Pakete mit frischen Lebensmitteln herstellen können, die sich leicht versenden und in Supermärkten ausstellen lassen“, sagte Premierminister Shinzo Abe im Oktober in Kyoto. „Was wir brauchen, ist ein gutes Abfallmanagement und gleichzeitig die Forderung nach Innovationen, die uns Lösungen bieten“, fügte er hinzu.

Gebühren für Plastiktüten

Die Regierung beschloss nach Druck einiger Umweltgruppen, dass ab dem 1. Juli alle Geschäfte damit beginnen müssen, den Kunden für Plastiktüten Gebühren zu berechnen.

„Ich möchte, dass jeder in Japan versteht, dass wir hinter anderen Ländern bei der Erhebung von Gebühren für Plastiktüten liegen. Wir wollen Dinge tun, die die Menge an Plastik in den Ozeanen reduzieren“, sagte Umweltminister Shinjiro Koizumi Anfang des Monats vor Reportern in Tokyo – während er seine eigene wiederverwendbare Tasche trug.

Aber Hiroaki Odachi, Teamleiter bei Greenpeace, sagt, dass der Plan der Regierung zur Reduzierung des Kunststoffabfalls vage und unzureichend sei. „Das Ziel einer 25-prozentigen Reduzierung ist ziemlich niedrig“, sagte er.

Mehr Veränderung in einigen Unternehmen

Das Thema Einweg-Plastiktüten erhielt 2019 aufgrund der schieren Zahl der landesweit verteilten Tüten viel Aufmerksamkeit. Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber jüngste Medienberichte schätzen, dass jährlich 45 Milliarden Einwegplastiktüten an die Käufer verteilt werden.

Doch Einwegplastiktüten machen nur etwa 2 Prozent der rund 9 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle aus, die jährlich in Japan anfallen. Darin enthalten sind Berge von Einweg-Lebensmittelbehältern und -flaschen. Die steigende globale und nationale Besorgnis über zu viel Plastik hat zumindest einige Unternehmen in Japan zu Veränderungen veranlasst.

Starbucks z.B. wird ab Januar mit einer Auslaufphase von Plastikhalmen beginnen, mit dem Ziel, in allen 1.500 Geschäften landesweit bis März Strohhalme zu entfernen. Das Unternehmen sagt, dass durch die Änderung fast 200 Millionen Einweg-Plastikhalme pro Jahr eliminiert werden.

8 Millionen Tonnen Plastik geraten jährlich ins Meer

Die Skylark-Gruppe, die ein Dutzend Restaurantketten in Japan betreibt, hat Plastikhalme bereits verboten. 7-Eleven und Co. stellen inzwischen auf biologisch abbaubare Verpackungen um. Diese nationalen, kommunalen und privaten Bemühungen zur Reduzierung von Plastikabfällen sind auch Teil einer größeren internationalen Bemühung, das Problem der Meeresabfälle anzugehen.

Auf dem G20-Gipfel einigten sich die Mitglieder auf die „Osaka Blue Ocean Vision“, die das Ziel hat, bis 2050 weltweit den zusätzlichen Abfall aus Meeresplastik auf Null zu reduzieren.

Nach Angaben der Wirtschafts- und Sozialkommission der Vereinten Nationen für Asien und den Pazifik ist der asiatisch-pazifische Raum für etwa 60 Prozent des Anstiegs der weltweiten Kunststoffproduktion verantwortlich. Etwa 8 Millionen Tonnen Plastik finden jährlich ihren Weg in die Ozeane und ohne Maßnahmen zur Abfallbeseitigung werden die Weltmeere bis 2025 mit fast 250 Millionen Tonnen Plastik überflutet sein, so die Prognose.

Besorgnis über Kunststoffmüll wird größer

Während es keine offiziellen Schätzungen über die Gesamtmenge an Plastik gibt, die jährlich in die Meere rund um Japan fließt, versuchen einige lokale Regierungen herauszufinden, wie ernst das Problem wirklich vor der eigenen Haustür ist.

Im vergangenen Jahr gab die Union der Kansai-Regierung die Ergebnisse einer Umfrage in der Osaka-Bucht bekannt.

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Die Forscher entnahmen kleine Proben von Plastikmüll aus der Bucht und kamen zu dem Schluss, dass das gesamte Gebiet bis zu 9 Millionen Plastiktüten und Vinylstücke enthalten kann. Insgesamt scheint die Besorgnis der Öffentlichkeit über den Plastikmüll im Meer groß zu sein.

Eine Umfrage des Cabinet Office an der mehr als 1.600 Personen teilnahmen, zeigte, dass 89 Prozent der Befragten Bedenken über das Thema hatten. Etwa ein Drittel der Befragten gab an, dass sie äußerst besorgt seien.

Kaum Diskussionen über Plastikproblem in Japan

56 Prozent sagten, sie würden ihre eigenen Tüten mit in den Supermarkt nehmen und versuchen, keine Plastiktüten zu akzeptieren. Währenddessen gaben 53 Prozent an, sie würden keinen Plastikmüll illegal entsorgen. 38 Prozent gaben an, dass sie versuchen würden, ihre eigenen Flaschen zu benutzen und keine Einweg-Getränkeverpackungen zu kaufen.

„Die nächsten erforderlichen Schritte umfassen Diskussionen über alle Einwegkunststoffe, einschließlich des Verbots unnötiger Einwegkunststoffe und der Einführung wiederverwendbaren Plastiks in großem Maßstab“, sagte Odachi von Greenpeace Japan.

Weltweit haben Dutzende von Ländern ein vollständiges oder teilweises Verbot von Einwegkunststoffen erlassen. Aber in Japan sagte Odachi, dass solche ehrgeizigen Diskussionen im Landtag noch nicht stattfinden.

JT

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