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Kaum Hilfe vorhanden

Der Missbrauch ausländischer Praktikanten in Japan

Immer wieder kommen Fälle von Missbrauch ausländischer Praktikanten ans Tageslicht, auf die die Regierung nur halbherzig reagiert. Das eigentliche Problem hingegen wird nicht bekämpft.

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Es wird kritisiert, dass die Agenturen das Problem nur unzureichend angehen und ihrer Aufgabe, das technische Praktikumsprogramm zu beaufsichtigen, nicht nachkommen.

Ausländische Praktikanten bekommen in Japan immer noch keine Hilfe

Die von den Behörden nach Bekanntwerden eines Missbrauchsfalles eingeleiteten Ermittlungen sind nach Ansicht von Unterstützergruppen nur unzulänglich. Und auch Jahre nach der Einführung des Programms, um den Arbeitskräftemangel zu bekämpfen, gibt es immer noch keinen rechtlichen Rahmen, um Praktikanten zu helfen.

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Das Problem wird unter anderem durch den Fall von drei vietnamesischen Frauen drei vietnamesischen Frauen veranschaulicht, die von ihren Vorgesetzten beleidigt und gezwungen wurden, Überstunden zu machen, ohne dafür bezahlt zu werden.

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Die drei Frauen kamen im Oktober 2019 nach Japan und arbeiteten seitdem in dem Unternehmen.

Die drei Frauen sind der Sendai Keyaki Union beigetreten, einer Gewerkschaft, die Arbeitnehmer vertritt, die sich individuell zusammenschließen.

Nach Angaben der Gewerkschaft wurde den drei Frauen, als sie das Sendai-Büro der Organization for Technical Intern Training (OTIT), die das Praktikumsprogramm beaufsichtigt, um Rat fragten, von einem OTIT-Mitarbeiter mitgeteilt, sie sollten aus der Gewerkschaft austreten, um ihre Arbeitsplätze zurückzubekommen.

Das OTIT, das Kontrollen von Unternehmen und Organisationen durchführt und die Menschenrechte der Praktikanten schützen soll, wurde 2017 gemeinsam vom Justiz- und Arbeitsministerium eingerichtet und soll eigentlich Probleme aufdecken und helfen.

Nach Angaben des Justizministeriums waren Ende 2021 rund 276.000 Ausländer im Rahmen des Programms in Japan beschäftigt. Davon entfielen 58,1 Prozent auf Vietnamesen, gefolgt von Chinesen mit 13,6 Prozent und Indonesiern mit 9,1 Prozent.

Im Geschäftsjahr 2020 erhielt das OTIT rund 13.300 Anfragen von ausländischen Auszubildenden in ihren Muttersprachen, darunter 3.210 Anfragen zu Themen wie Mobbing und Belästigung.

Nach Angaben von Posse, einer gemeinnützigen Organisation, die sich mit Arbeitsproblemen befasst, versuchte im Dezember 2020 ein Mann aus Kambodscha, bei OTIT in Tokyo Hilfe zu bekommen, weil er in einem Unternehmen arbeitete, aber nicht bezahlt wurde. Das OTIT-Büro in Tokyo wollte allerdings zuerst prüfen, ob er wirklich Hilfe benötige, ein Prozess, der viel Zeit beansprucht, die man in so einer Situation allerdings nicht hat. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

Billige Arbeitskräfte für Unternehmen

Das technische Praktikum wurde eingeführt, um den Arbeitskräftemangel zu bekämpfen und um Menschen aus ärmeren Ländern weiterzubilden. Sie dürfen für eine bestimmte Zeit in Japan bleiben, damit sie die in ihrem Heimatland erworbenen Fähigkeiten nach Abschluss des Praktikums nutzen können. So jedenfalls die offizielle Haltung zu dem Programm.

Kritiker sagen allerdings, dass das Programm oft für die Unternehmen eine einfache Möglichkeit darstellt, billige Arbeitskräfte zu bekommen, die man auch schnell wieder loswerden kann. Die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle unterstreichen diese Kritik.

Hilfe zu bekommen, ist oft schwierig, wie auch die Rückkehr ins eigene Heimatland. Denn viele Praktikanten haben viel Geld dafür bezahlt, nach Japan gehen zu können. Dort angekommen, haben sie kaum noch Geld oder sind bereits verschuldet, was eine Rückreise unmöglich macht.

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