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Die unkontrollierbare Wut in Japan

Explodieren aus ganz banalen Gründen kommt immer häufiger vor

Kikeru, das bedeutet so viel wie ein plötzlicher Ausbruch von unkontrollierbare Wut, scheint in Japan immer häufiger aufzutreten.

Die Asahi Shimbun beschrieb Japan im vergangenen Monat als „Kireyasu Shakai“, also eine Gesellschaft, in der es leicht ist, die Beherrschung zu verlieren.

Bei einer stichprobenartigen Umfrage wurden 1.586 Menschen gefragt und 29 Prozent gaben an, bei fremden Menschen schon einmal explodiert zu sein. 39 Prozent gaben an, dass sie bereits das Opfer eines solchen Ausbruchs geworden sind und 76 Prozent sagten, dass ihre Wut manchmal explosionsartig steigt.

Explodierende Wut hat oft banale Gründe

Der Grund für diese plötzliche explodierende Wut können ganz banale Dinge sein. Eine Frau sagte in der Umfrage, dass sie einen Mann auf einem Bahnsteig gefragt hat, ob er nicht die Zigarette ausmachen könnte. Als Antwort schrie der Mann sie an und nannte sie alte Hexe.

Auch andere Menschen berichteten über ihre Erfahrungen, auch über ihre Wutausbrüche.

„Meine Freunde und ich saßen in einem Zug, redeten und lachten, nicht zu laut, wir wollten an diesem Abend feiern. Eine Frau, die vermutlich schlecht gelaunt von der Arbeit nach Hause kam, schrie: „Nicht jeder in diesem Zug hat Spaß!“

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Japan gilt eigentlich als ein Land mit Menschen, die außerordentlich höflich sind. Diese Fassade bröckelt allerdings immer mehr und wenn sie bei einem Menschen bricht, dann kommt oft unbändige Wut zum Ausdruck.

Leben in Japan bedeutet gesellschaftlicher Druck

In einer Gesellschaft, wo es normal ist alles dafür zu tun, um nicht aufzufallen, lebt man mit einem immensen Druck und wenn dieser Druck zu viel ist, platzt es heraus.

Besonders Beschäftigte in Japans Einzelhandel sind oft ein Ventil für diese Wut. Immerhin hat der Kunde immer recht und daher sind Angestellte für viele das perfekte Ziel.

Laut einer Umfrage des Branchenverbands UA Zensen, mussten 70 Prozent von 80.000 Befragten schon einmal einen Wutausbruch eines Kunden aushalten.

Ein weiterer Grund ist das Anstehen, besonders wenn sich jemand vordrängelt oder sie anstupst. Man ist eh schon genervt und für einige Menschen ist es dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Der dritthäufigste Grund bei der Umfrage war die Provokation im Autoverkehr. Straßenrowdy entwickeln sich zu einem Problem in Japan. Erst im vergangenen Monat schoss ein Autofahrer auf einen anderen Verkehrsteilnehmer. Der Grund war simpel, der Schütze war sauer, dass der andere Autofahrer so langsam fuhr.

Kikeru ein größtenteils nüchternes Problem

Und wer nun meint, dass Alkohol oft eine Rolle spielt, der irrt sich. Kikeru ist größtenteils ein nüchternes Problem.

Der Täter glaubt sich natürlich im Recht und sieht sich oft als Opfer, sagen Psychologen der Kyushu-Universität gegenüber der Asahi Shimbun.

Doch wer oder was ist eigentlich schuld, dass die Fassade immer schneller bröckelt und die Nerven sehr schnell blank liegen?

Eigentlich gibt es nur eine Antwort: Die gesellschaftlichen Zwänge. Immer verbeugen vor dem Vorgesetzten, auch eine Standpauke aushalten. Auch wenn man weiß, dass eigentlich der Vorgesetzte, der die Standpauke hält, verantwortlich ist.

Immer arbeiten und kaum Zeit haben, den Stress abzuschütteln und natürlich die eigene allgemeine Situation. Denn auch die Erwartungen von Verwandten bauen einen ordentlichen Druck auf.

Bringt der Sohnemann einmal schlechte Noten nach Hause, passiert es schnell, dass die Schwiegermutter es besser weiß und erst einmal die Erziehungsmethoden bemängelt.

Wut ist wichtig für uns, wenn man das richtige Ventil hat

Ebenfalls ein Grund ist Mobbing, nicht jeder verschließt sich und einige Menschen, die unter Mobbing leiden, suchen sich ein anderes Ventil. Auch Belästigung kann einen dazu bringen, aus der Haut zu fahren, aber nicht bei dem, der belästigt.

Laut Dr. Kaoru Umetani, einem Spezialisten für psychosomatische Medizin, ist Wut durchaus gut für uns, denn wir müssen angestaute Gefühle und Druck herauslassen.

Selbst wenn wir noch so zivilisiert sind, ist es uns nicht möglich, dass wir jemals ganz frei von Wut leben könnten, lautet sein Urteil. Aber das Ventil sollte gut ausgewählt sein.

Und jetzt möchten wir von euch wissen, ob ihr auch schon mal wegen einer Kleinigkeit aus der Haut gefahren seid?

Quellen des Artikels: Asahi Shimbun, Kyodo

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2 Kommentare

  1. Kann jemand mir hier die Quellenartikels zeigen?
    Ich konnte sie nicht finden. 🙁
    Ich will wissen, wie man „Kikeru“ in Kanji schreibt. Denn ich hatte das Wort noch nie gehört!

    • Also eigentlich ist die Quelle, die das Wort benutzt, verlinkt. Das Wort ist allerdings ein Synonym, soweit mir das bekannt ist. (Ich musste gestern auch erst einmal suchen, was das heißen soll). Falls das nicht hilft, kannst Du mich per E-Mail unter micha@sumikai.com anschreiben, ich suche meine Daten zu diesem Artikel dann raus, da sie mir gerade nicht vorliegen.

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