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Politik, Geschichte, Wissenschaft und Kultur

Die Woche in Japan – 08.08. bis 12.08.

Japan hat eine weitere Woche unter extremer Hitze hinter sich, aber noch scheint kein Ende in Sicht zu sein. Auch Tokyo glüht. Die Hauptstadt durchlebt gerade ihre schlimmste Hitzewelle seit 1875 und stellte erst vor wenigen Tagen einen neuen Hitzerekord auf.

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Den hohen Temperaturen zum Trotz versuchten in dieser Woche viele Menschen in Japan, sich zu besinnen und der vielen Opfer zu gedenken, für die es bei den Atombombenabwürfen 1945 auf die Städte Hiroshima und Nagasaki kein Entkommen gab. 77 Jahre sind seit diesen Tagen des Grauens vergangen und die Stimmen derer, die eine weltweite Abschaffung aller Atomwaffen fordern, werden in Japan immer lauter. Auch Premierminister Fumio Kishida setzte sich auf einer erst kürzlich stattgefunden Konferenz der UN in New York verstärkt für dieses Ziel ein und forderte einen Plan für eine atomwaffenfreie Welt.

Fehlende Corona-Test-Möglichkeiten, Sorge um Taiwan und ein neues Kabinett

Wer sich aktuell in Japan auf das Coronavirus testen lassen möchte, braucht, je nachdem, wo er wohnt, entweder Glück oder eine Menge Geduld. Die Infektionszahlen steigen und wer früher aus seiner Quarantäne entlassen werden möchte, benötigt einen negativen Corona-Test.

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Die Nachfrage ist groß, das Angebot in einigen Städten aber zu gering. Auch in Tokyo stehen nicht ausreichend Tests zur Verfügung. Laut des Amtes für Soziales und öffentliche Gesundheit in Tokyo sei die Lücke von rund 67.000 Tests darauf zurückzuführen, dass bestimmte Abteilungen in den Krankenhäusern überfüllt sind. Erschwerend kommt hinzu, dass längst nicht alle Krankenhäuser in Japan mit Covid-19 infizierte Personen aufnehmen.

Aktuell wird verstärkt nach Möglichkeiten gesucht, um das Gesundheitssystem an dieser Stelle zu entlasten. Die japanische Regierung plant unter anderem, landesweit Testkits zu verteilen.

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Bei einem Treffen Anfang der Woche äußerten sich Japans Außenminister Yoshimasa Hayashi und U.N.-Generalsekretär António Guterres besorgt angesichts des angespannten Verhältnisses zwischen Taiwan und China, das den Inselstaat als abtrünnige Provinz ansieht.

China hatte auf den Besuch von Nancy Pelosi, der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, in Taiwan mit einer Militärübung vor der Insel reagiert. Bereits in der letzten Woche forderten Japan, die USA und Australien in einer gemeinsamen Erklärung China dazu auf, die Übungen sofort einzustellen, nachdem fünf vom chinesischen Militär abgefeuerte ballistische Raketen kurz vor der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans niedergegangen waren.

Innenpolitisch war in dieser Woche auch so einiges los in Japan. Japans Premierminister Fumio Kishida hat sein neues Kabinett sowie die neue Führung der Liberaldemokratischen Partei vorgestellt.

Yasukazu Hamada, der bereits zwischen 2008 und 2009 als Verteidigungsminister tätig war, kehrte in sein altes Amt zurück und löst damit Nobuo Kishi, den jüngeren Bruder von Shinzō Abe, ab. Eine Entwicklung, die bereits abzusehen war.

Yasutoshi Nishimura wurde zum Industrieminister und Taro Kono zum Minister für Digitalisierung ernannt. Hiroshi Moriyama wird die Leitung des Wahlstrategieausschusses übernehmen.

Kabinettschef Hirokazu Matsuno, Außenminister Yoshimasa Hayashi und Finanzminister Shunichi Suzuki sowie der Minister für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus, Tetsuo Saito, behielten ihre Ämter.

Insgesamt wurden nur zwei der insgesamt neunzehn Ministerposten mit Frauen besetzt. Sanae Takaichi wurde zur Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit ernannt und Keiko Nagaoka erhielt ihren ersten Kabinettsposten als Ministerin für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie. Damit schrumpft die Zahl der Frauen im Kabinett erneut.

Japans Bevölkerungszahlen sinken weiter

Japans Bevölkerung schrumpft immer weiter. Hin zum Januar wurden nur noch 125,93 Millionen Menschen gezählt. Das entspricht einem neuen Rekordrückgang von 726.342 seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2013. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Menschen in der Bevölkerung, die 65 Jahre oder älter sind, auf 29 Prozent.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, versucht die japanische Regierung, die Lebensverhältnisse junger Familien zu verbessern und die Elternschaft an sich attraktiver zu machen. Ein Thema in dieser Woche: Vaterschaftsurlaub. In Japan noch längst keine Selbstverständlichkeit. Neuste Statistiken zeigen, dass 2021 14 Prozent der japanischen Männer Vaterschaftsurlaub genommen haben. Ein neuer Rekord.

Japans Regierung möchte Väter in Zukunft allerdings noch gezielter unterstützen. Unter anderem soll es Männern ermöglicht werden, ihren Vaterschaftsurlaub ohne eine langfristige vorherige Anmeldung im Unternehmen in Anspruch zu nehmen. Und was ihren Lebensunterhalt in dieser Zeit betrifft, so will die Regierung ihnen zukünftig bis zu 80 Prozent ihres üblichen Gehalts zahlen.

Und sonst so diese Woche?

Auch in der Welt der Literatur- und Geschichtswissenschaften war in dieser Woche ganz schön was los. Die Restauration von Ryunosuke Akutagawas (1892-1927) berühmten „Notizbuch Nr. 6“ brachte neue, bisher unentdeckt gebliebene Einträge des berühmten japanischen Zeitungskorrespondenten und Schriftstellers ans Licht.

Des Weiteren sind Handschriften des Autors Mori Ogai aufgetaucht. Bei den gefundenen Manuskripten handelt es sich um zwei Kapitel seines Spätwerkes „Shibue Chusai“, inklusive Verbesserungen und Korrekturen, die der berühmte Autor einst auf westlichem Papier niedergeschrieben hat.

Die japanische Stadt Kōchi feiert ihr erstes Yosakoi Festival seit Beginn der Pandemie und auch das Tanabata-Festival in Sendai findet trotz der aktuellen pandemischen Lage wieder in seinem vollen Umfang statt.

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