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Zum ersten Mal kommt es wirklich zu einer Klage eines Betroffenen

Diskriminierungen nach Vaterschaftsurlaub weisen für Japan ganz neue Probleme auf

Japan will schon seit einer Weile mehr die Familie und die Frau fördern. Das stellte die Regierung jedoch vor neue Schwierigkeiten, wie die Kinderbetreuung. Ein ganz neues Problem trägt aktuell jedoch den Namen Patahara und betrifft die Väter des Landes. Die müssen nämlich vermehrt mit Diskriminierungen und Mobbing am Arbeitsplatz rechnen, wenn sie sich Vaterschaftsurlaub nehmen wollen, zu dem die Regierung aktuell ermutigt.

Zum ersten Mal in der Geschichte Japans gibt es vor Gericht eine Klage zum sogenannten Patahara, ein Wort, das noch ganz neu ist. Nächste Woche soll die Verhandlung zu einem Fall starten, bei dem sich ein Vater zur Geburt seiner beiden Söhne freinahm. Als regelrechte Strafe versetzte ihn sein Arbeitgeber Asics ganz alleine in die Abteilung für Übersetzungen von Japanisch ins Englische, etwas, das er überhaupt nicht kann.

Schon lange keine Einzelfälle mehr

Vorher arbeitete der Mann in der Marketingabteilung von einem der größten Sportartikelhersteller Japans. Doch nach seinem ersten Vaterschaftsurlaub 2015 änderte sich alles für den Mann und er landete plötzlich bei der Lagerarbeit. Dort tut er nur wenig, vom Übersetzen versteht er wie gesagt nichts.

Mit seiner aktuellen Klage will er seinen ursprünglichen Posten zurückbekommen, den er ohne Erklärung verlor. Zusätzlich fordert er als Entschädigung um die 37.000 Euro. Asics äußerte sich bereits zu den Vorwürfen und will die Klage vor Gericht anfechten. Sie bedauern es dazu sehr, dass sie trotz Bemühungen keine Einigung erreichen konnten.

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In einer weiteren Erklärung heißt es, dass sie Vielfalt vorantreiben wollen. Gleichzeitig planen sie laut eigener Aussage, ein Arbeitsumfeld und System zu fördern, in dem alle Angestellten produktiv bleiben können, trotz Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung. Ein Einzelfall ist das Ganze allerdings nicht und es gibt auf ähnliche Beschwerden ähnliche Reaktionen.

Aktuell gibt es ähnliche Vorwürfe gegenüber eines Tochterunternehmens von NEC Corp. und Kaneka Corp. Sie bestreiten ebenfalls alle Anschuldigungen. Zuletzt sorgte jedoch der Fall rund um den Kanadier Glen Wood für Aufsehen, der einen Brokerage-Manager-Job bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley zurückforderte. Da sein Sohn viel zu früh in Nepal zur Welt kam, wollte er drei bis vier Wochen freihaben, was ihm sein Chef verweigern wollte. Am Ende durfte er doch gehen und kehrte nach fünf Monaten im März 2016 zurück, nachdem es sein Sohn sicher nach Japan geschafft hatte. Als Reaktion wurde sein Job geändert und er kämpfte mit Diskriminierungen.

Unter anderem zwang man ihn zu einem DNA-Test, um zu beweisen, dass er der Vater ist und er musste zwei psychiatrische Tests durchführen lassen. Nach einem Jahr unter Schikanen entließ ihn das Unternehmen einfach. Bei Wood streitet das Unternehmen alle Vorwürfe ab und will sich gleichermaßen bei einer Klage gerichtlich wehren. Eine Online-Petition zeigt jedoch, dass die Menschen auf Woods Seite sind. Zusätzlich bekräftigen ihn Japaner, die ähnliches am Arbeitsplatz erlebten.

Japans Arbeitswelt hat kein Verständnis für Urlaub

Professor Makoto Yoshida von der Ritsumeikan Universität ist Experte für Sozialwissenschaft und sich sicher, dass Japan noch Jahrzehnte brauchen wird, um den Vaterschaftsurlaub zu akzeptieren. Das größte Problem sei dabei für ihn die fest verwurzelte Arbeitsdenkweise im Land. Die Firma steht im Mittelpunkt und Angstelle sollen alles für sie geben und loyal bis zum Ende sein. Ein Vaterschaftsurlaub gilt da in der Männer-dominierten Arbeitswelt fast schon als Verrat an diesen Idealen.

Yoshida erklärt, dass Angestellte, die sich Vaterschaftsurlaub nehmen, deswegen bei den Chefs als nutzlos gelten. Sobald dann die Kollegen mitkriegen, wie schlecht es dem Vater nach dem Urlaub ergeht, sind sie selbst abgeschreckt, ebenfalls Vaterschaftsurlaub zu nehmen. Eine schreckliche Situation für Eltern, denen es laut Gesetz jedoch unabhängig vom Geschlecht erlaubt ist, bis zu einem Jahr Elternurlaub zu nehmen. Eine Garantie für ein weiteres Gehalt gibt es nicht, dafür soll im Notfall eine Unterstützung von der Regierung helfen.

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Trotzdem nehmen viele Eltern nicht die Elternzeit oder den bezahlten Urlaub in Anspruch. Nur sechs Prozent der Väter im ganzen Land nutzten die Möglichkeit. Auf der anderen Seite sind es 80 Prozent der Frauen, die in die Elternzeit gehen. Allerdings ist das die Zahl, nachdem um die Hälfte schon wegen der Hochzeit oder dem Kind kündigt.

Familie oder Job?

Einige Unternehmen versuchen jedoch vermehrt, den Elternurlaub zu fördern und befürworten ihn. Allerdings bekommen die unteren Angestellten laut Kritikern davon nicht viel ab. Das ist zu einer Zeit, wo die japanische Regierung mit allen Mitteln versucht, die Geburtenrate im Land wieder zu steigern, alles andere als förderlich. Aus diesem Grund steht mittlerweile die Überlegung von ihrer Seite im Raum, den Elternurlaub einfach zur Pflicht zu machen. Wie lange es jedoch für ein derartiges Gesetz noch braucht und ob es überhaupt dazu kommt, kann keiner sagen.

Umso mehr soll die aktuelle Klage als Vorbild für alle anderen Betroffenen gelten, die unter ähnlichen Diskriminierungen litten. Der Mann will trotz seiner Hilflosigkeit für das einstehen, was er für richtig hält. Sein Anwalt Naoto Sasayama sieht in diesem Fall ein wichtiges Zeichen für die japanische Gesellschaft. Denn er wirft die wichtige Frage auf, ob eine Person entscheiden muss, ob das Unternehmen mehr wert ist als die eigene Familie. Patahara ist ein Problem, das sich nicht länger ignorieren lässt, wenn Japan wirklich mehr für die Familien des Landes tun will.

Quelle: TAS

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