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US-Militär sorgt für Widerstand

Dreamtown-Projekt in Iwakuni entwickelt sich zu einem Albtraum

Mit dem Dreamtown-Projekt wollte die Stadt Iwakuni eine „Traumstadt“ für die Einwohner schaffen, doch der Traum hat sich mittlerweile zum Albtraum für viele Menschen entwickelt.

Für das Projekt sollte der Mount Atago eingeebnet werden, damit dort eine große Wohnanlage entstehen kann. Der Plan scheiterte allerdings an Fehlern in der Einschätzung der Rentabilität.

Behörden setzten hohe Erwartungen in das Dreamtown-Projekt

Die Behörden haben das Dreamtown-Projekt schließlich auf und begannen auf dem Gelände Einrichtungen für das in der Nähe stationierte US-Militärpersonal zu bauen.

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Heute befinden sich auf dem Gelände unter anderem eine Sporthalle und ein Krankenhaus und so sehr das Areal von einem stetigen Zustrom von Besuchern lebt, sind die Gefühle der Anwohner eher gemischt über den Ausgang des Projekts.

Abgeschlossen ist das Projekt, wenn in wenigen Monaten ein Park fertiggestellt wird. 23 Jahre nach Baubeginn.

Das Gebiet liegt etwa 3,5 Kilometer südwestlich des Zentrums von Iwakuni und umfasst ein rund 100 Hektar großes, hügeliges Gelände auf dem ein Teil der Bauarbeiten unter regem Einsatz von schwerem Gerät stattfand.

Mitten in dieser letzten Bauphase liegt nun der 3,7 Hektar große Park, der bereits mit einem überdachten Platz und einer Konzertbühne im Freien ausgestattet ist und nur noch auf die Fertigstellung einer Grasfläche und von Spielgeräten wartet.

Auf Initiative der Stadt Iwakuni und der Präfektur Yamaguchi wurde das Dreamtown-Projekt 1998 mit großen Ambitionen gestartet. Das Herzstück war der gepriesene Plan, einen Wohnkomplex für 1.500 Haushalte zu schaffen, zusammen mit einer Grundschule und einem Park in der Nähe.

Nach diesem Plan wäre die neue Gemeinde eine „Traumstadt“ geworden, in der etwa 5.600 Einwohner leben sollten.

Neben dem Bau dieser neuen kleinen Stadt sollte das Projekt auch genügend Boden sichern, um einen Teil der Marine Corps Air Station Iwakuni vor die Küste zu verlagern.

Nicht mehr rentabel

Zu diesem Zeitpunkt sind die Grundstückspreise für das allerdings Gebiet stark gesunken und die Nachfrage nach neuen Häusern kam ins Stocken. Angesichts der Aussicht auf massive rote Zahlen sahen sich die Präfektur und die Gemeinde gezwungen, die Initiative für den Wohnkomplex ganz einzustellen und drei Viertel des Entwicklungsgebiets an die japanische Regierung zu verkaufen, um ein erwartetes Defizit auszugleichen.

Die japanische Regierung wiederum beschloss, das neu erworbene Grundstück als Wohnkomplex für zusätzliches US-Militärpersonal zu nutzen, das nach der Verlegung von US-Flugzeugträgern auf den Stützpunkt Iwakuni benötigt wurde.

Die Behörden nutzten das Gebiet auch zum Bau einer Sportanlage, die seither gemeinsam vom US-Militär und der Stadt Iwakuni betrieben wird.

Das verbleibende Viertel des ursprünglichen Grundstücks wurde von der Stadt in eine Art Zentrum für Medizin und Katastrophenschutz umgewandelt, mit der Gründung von Einrichtungen wie dem National Hospital Organization Iwakuni Clinical Center und einem Zentrum für Brandbekämpfung und Katastrophenschutzmaßnahmen.

Die Sportanlage mit dem Namen Atago Sports Complex spielt heute eine zentrale Rolle bei der Förderung der Kommunikation zwischen dem US-Militär und den Einwohnern von Iwakuni, wobei fast jedes Wochenende Sportveranstaltungen und Feste organisiert werden. Familien können sich auf dem Spielplatz vergnügen und ältere Menschen können dort spazieren gehen.

Rückblickend auf den komplizierten Weg, den das Entwicklungsprojekt genommen hat, ist Yoshihiko Fukuda, Bürgermeister von Iwakuni, entschlossen, es zu einem Gewinn für die Zukunft der Stadt zu machen.

Start- und Landebahn sorgt für Proteste

In den folgenden Jahren wurden die Ausläufer des Berges erschlossen und zu einem Wohngebiet. Als das Dreamtown-Projekt zusammen mit der Verlegung der Start- und Landebahn des Iwakuni-Luftwaffenstützpunkts zum ersten Mal ins Gespräch gebracht wurde, hätten nur wenige Anwohner Einwände erhoben.

„Uns wurde gesagt, dass der Plan den Bau einer neuen Grundschule beinhalten würde, was wir uns schon immer gewünscht hatten.“, so Morio Yamanaka, ein 88-jähriger Anwohner. „Wir waren alle der Meinung, dass das Projekt eine gute Sache für unsere Gemeinde ist.“

Doch es formierte sich schnell Widerstand. Im Juli 2008 gründete der 77-jährige Hiroshi Okamura eine Bürgergruppe, die sich für den Erhalt des Mount Atago einsetzt.

Seitdem organisiert die Gruppe dreimal im Monat eine Versammlung vor dem auf den Berg befindlichen Schrein, um gegen die Pläne zu protestieren, dass das Entwicklungsprojekt zur Errichtung von Einrichtungen für das US-Militärpersonal führte, die im ursprünglichen Plan gar nicht vorgesehen waren.

Während die Sporteinrichtung zum Beispiel von einem Klientel lebt, das sich hauptsächlich aus amerikanischen Soldaten zusammensetzt, ist der Schrein nicht annähernd so wohlhabend und wurde im letzten Frühjahr durch die Absage von Sumo-Kämpfen hart getroffen, da die Zahl der teilnahmeberechtigten Kinder schwand.

„Der Berg Atago war nicht nur ein heiliger religiöser Ort, sondern auch ein Knotenpunkt der Kommunikation zwischen den Bewohnern. Das ganze Gebiet muss ein Ort bleiben, der sich zuerst um die Anwohner kümmert.“, sagte ein entschlossener Okamura.

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