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Dreiste Götterboten – Bisse und Blessuren durch Hirsche in Nara

Japan – Die weiß gefleckten Sikahirsche in Nara sind die eigentliche Attraktion der Stadt südlich von Kyoto, doch immer mehr Touristen beschweren sich über Bisse und Blessuren. Dass die Tiere manchmal unliebsam mit den vielen Besuchern umgehen, ist aber vor allem auf das Fehlverhalten der Menschen zurückzuführen.

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1.500 freilaufende Sikahirsche bevölkern die Straßen und Parks der Stadt Nara. Die „Nationalheiligtümer“ sind allerdings nicht nur eine beliebte Touristenattraktion, sondern auch eine zunehmende Plage für die Landwirtschaft und ein großes Ärgernis für den ein oder anderen Touristen. Denn: Noch nie wurden so viele Menschen von den Hirschen gebissen wie im letzten Jahr.

Insgesamt 164 kleine „Verletzungen“ wurden den lokalen Behörden in den letzten Monaten gemeldet. Das gab die Präfekturregierung von Nara am Donnerstag bekannt. Die meisten Opfer der Hirsch-Bisse waren Touristen – ein Großteil von ihnen kommt aus China. Zwar war die Zahl der „Angriffe“ durch Sikahirsche noch nie so hoch wie im letzten Jahr, das ist allerdings noch kein Grund zur Sorge, denn mit der steigenden Anzahl an Besuchern steigt logischerweise auch die Zahl der Bisse und Blessuren.

Sikahirsche in Nara
Die Bewohner von Nara sind es gewohnt, im Einkaufszentrum, auf der Fußgängerzone oder am Straßenrand auf freilaufende Sikahirsche zu treffen | Flickr © Caribb (CC BY-NC-ND 2.0)

Sikahirsche – Die prominentesten Bewohner von Nara

Die Stadt Nara in der gleichnamigen Präfektur gehört nicht nur wegen ihrer großen Anzahl an bedeutenden Schrein- und Tempelanlagen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Japan, sondern vor allem wegen ihrer weiß gefleckten Hirsche. Die Tiere, die hier von den Menschen gefüttert und gestreichelt werden, sind die eigentliche Attraktion in Nara. Sie bevölkern Straßen, Bahnhöfe, Tempelanlagen und es ist auch keine Seltenheit, dass die Hirsche rudelweise den Verkehr lahmlegen oder den ein oder anderen Straßenstand belagern.

Japan - Hirsche in Nara
Sikahirsche gelten im Shintoismus als heilige Götterboten © Naomi Iwagami Dillenséger

Auch wenn die Sikahirsche zugleich Blickfang und beliebte Attraktion sind, gehen sie manchmal nicht gerade zimperlich mit den vielen Touristen und Besuchern um. Sie zerren mitunter an Jacken und Hosen, reißen den Menschen das Futter aus den Händen oder treiben Passanten vor sich her. Auch zwicken sie den zumeist erschrockenen Besuchern gerne mal in den Po oder in andere Körperteile, wenn das Futter nicht ausreicht. Immerhin sind es die stolzen Sikahirsche gewohnt, dass sie von den Menschen gefüttert werden, denn im Nara Park kann man an jeder Ecke das sogenannte „Shika Senbei“ (Hirsch-Cracker) kaufen und die Hirsche damit füttern.

„Man spielt nicht mit Essen und man spielt auch nicht mit Wildtieren“

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Viele Besucher locken die Tiere mit den Crackern an und verstecken das Futter dann wieder, um einen guten Urlaubsschnappschuss zu machen. Andere fuchteln mit dem Futter vor dem Gesicht der Tiere umher oder versuchen den Tieren einen Streich zu spielen. Einige Touristen gingen sogar einen Schritt weiter und versuchten, sich auf den Rücken der Hirsche zu setzen. Wer sich so verhält, der sollte auch damit rechnen, von den Sikahirschen gebissen oder angegriffen zu werden.

„Solche Fälle sind sehr häufig geworden. Einige Menschen denken, dass die Sikahirsche zahm und trainiert sind“, sagt Yuichiro Kitabata von der Präfekturregierung. Im Gespräch mit der Japan Times betonte er, dass die Sikahirsche in der Regel keine Menschen angreifen, wenn sie nicht selbst angegriffen werden. Außerdem seien die Tiere an den Umgang mit Menschen gewöhnt. Wer die Tiere normal füttert, der sollte keine Probleme haben. Trotzdem sei es wichtig, im Kopf zu behalten, dass es sich hier immer noch um Wildtiere handelt, so Kitabata. Aus diesem Grund ist die erhöhte Zahl an „Angriffen“ durch Sikahirsche vor allem auf das rücksichtslose Verhalten von einigen Besuchern zurückzuführen.

Japan: Sika-Hirsche in Nara
Immer auf der Jagd nach den Shika Senbei Crackern | Flickr: Shenghun Lin(CC BY-NC-ND 2.0)

Die Präfekturregierung hat bereits Informationsvideos und Hinweisschilder ins Leben gerufen, um die Menschen für den richtigen Umgang mit den Sikahirschen zu schulen.

Landwirte beklagen Ernteschäden

Ob brav oder nicht, die Sikahirsche sind nicht nur für den einen oder anderen Touristen ein Ärgernis. In den letzten Jahren haben sich regionale Landwirte immer wieder über die wachsende Anzahl der Tiere beschwert. Diese würden über die Ernten auf den Feldern herfallen und somit große finanzielle Schäden anrichten. Bereits vor wenigen Monaten begann die Stadt in Folge dessen überschüssige Tierbestände auszumerzen. Dabei wurden Hirschfallen in Gegenden rund um Nara aufgestellt. Die Zahl der Sikahirsche, die auf diese Weise gefangen und im weiteren Verlauf getötet wurde, sollte sich auf insgesamt 120 Tiere bis zum Jahresende 2017 belaufen.

„Die unnötige Tötung von Tieren ist ein Verbrechen“

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Zwar sind nicht die Hirsche im beliebten Nara-Park, sondern freilaufende Tiere in den Randbezirken von der Aktion betroffen, doch die Maßnahme war nicht ganz unumstritten: Die Japan Bear and Forest Society kritisierte bereits, dass das „unnötige Töten der Tiere ein Verbrechen darstellt“. Die Sikahirsche gelten im Shintoismus als heilige Götterboten und genießen in Japan sogar den Status eines Nationalheiligtums.

Auf Seiten der Bauern heißt es, dass man keine anderen Möglichkeiten sehe, die Hirsch-Plage in den Griff zu bekommen. Gegenüber der Japan Times äußerte ein Landwirt, dass er zwar wisse, dass die Hirsche heilige Götterboten darstellen, aber die Tiere hätten eben auch wenig Interesse daran, in die Wälder zurückzukehren und würden darüber hinaus zunehmend aggressiver werden.

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