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Dürfen die Japanerinnen auch ohne Schminke aus dem Haus?

Schminke als gesellschaftliche Norm in Japan

Schminke ist ein wichtiger Teil des Aussehens bei fast jeder Japanerin. Es ist genauso wichtig ein „perfektes“ Gesicht zu haben wie sich angemessen zu kleiden. Dürfen die Japanerinnen aber wenigstens an einem freien Tag ohne Make-up einkaufen gehen oder ist die japanische Gesellschaft gegen „nackte“ Gesichter?

Traust du dich, ohne Make-up aus dem Haus zu gehen?
Und deinem Freund dein ungeschminktes Gesicht zu zeigen?
Die meisten deutschen Leserinnen werden sich dabei “Was ist denn das für eine blöde Frage?” denken. Bei den Japanerinnen schaut die Situation aber etwas anders aus.

Japanische Cosplayerin zeigt ihr „wahres“ Gesicht

Ende Mai 2019 hat eine bekannte japanische Cosplayerin @itws_a zwei Fotos auf ihrem Twitter veröffentlicht. Auf dem ersten sieht man sie ohne jegliches Make-up mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Die ungeschminkte Stirn glänzt, die Augen sind geschwollen und die Haare werden mit einem elastischen Band vom Gesicht weggehalten. Auf dem zweiten Foto sehen wir die Cosplayerin in einem rosafarbenen Kostüm und hübsch geschminkt.

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Der Tweet hat schon über 50 Tausend Likes und wurde über 20 Tausend Mal retweeted. Manche fanden es sehr mutig von der Cosplayerin, die anderen verstehen nicht, wozu man sowas zeigen soll.

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In diesem Video werden junge Japanerinnen gebeten, ihre Schminke zu entfernen. Man sieht, dass die Frauen kein großes Problem dabei haben. Aber es handelt sich auch um Japanerinnen, die unkonventionelle Kleidungsstile und Make-up bevorzugen. Sie sind schon etwas abgehärtet davon, ständig blöde Sprüche von Passanten zu hören.

Darf eine Japanerin ungeschminkt einkaufen?

Hier ist ein kurzer Comicstrip von der Zeichnerin もじゃクッキ, die für ihre Katze, die sich über alles aufregt, berühmt ist:

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In diesem Comic geht es darum, dass sich ein Igel (also die Künstlerin selbst) schnell ein Eis holen will. Damit sie sich aber nicht schminken muss, trägt sie eine Sonnenbrille, um das nackte Gesicht zu verstecken. In dem Laden wird sie dann von einer Freundin (dem Vogel) erkannt und auch ihr „Cover“ aufgedeckt.

In dem Comic wird auch betont, dass sich viele Frauen im Sommer hinter Sonnenbrillen verstecken. Dann muss man sich nicht schminken und kann anstatt von Kontaktlinsen eine Brille tragen.

Obwohl es verständlich ist, dass Mädchen, die bestimmte Modetrends verfolgen, sich auch schminken, ist es ein Rätsel, wieso man sich beim Einkaufen auch noch unbedingt voll geschminkt zeigen soll.

Der „nackte“ Look, also ein ungeschminktes Gesicht, hat sogar eine besondere Bezeichnung auf Japanisch – すっぴん suppin.

Während die japanischen Männer für sich die Welt des Make-ups weiter entdecken, versuchen die Frauen Mut zu finden und ihr nacktes Gesicht der Gesellschaft zu zeigen.

Der Moderatorin von Fuji TV ist die Arbeit auch wichtiger als Make-up

Neulich wurde die Moderatorin von Fuji TV, Yurika Mita, in japanischen Medien sehr dafür gelobt, dass sie über das Erdbeben in Yamagata am 18. Juni fast ohne Make-up berichtet hat. Frau Mita war dabei selber im Epizentrum von dem Erdbeben und hat eine Notfallmeldung gefilmt. Wegen des plötzlichen Aufkommens hatte die Moderatorin keine Zeit sich komplett zu schminken und hatte nur ganz leichtes Make-Up aufgetragen.

Mita meinte, dass es sie schon etwas nervös gemacht hat, fast ungeschminkt vor der Kamera zu stehen. Nicht zu vergessen, dass durch das Licht, das für die Aufnahmen benutzt wird, auch beim voll geschminkten Gesicht, weniger im Video erscheint. Aber dann hat sie sich komplett auf ihre Arbeit konzentriert und es war nicht mehr so wichtig.
Viele Japaner haben im Internet die Moderatorin gelobt und geschrieben, dass sie auch ohne Schminke sehr hübsch ist.

Man sollte aber nicht vergessen, dass Schönheit in Japan ein großes Geschäft ist.

Schminke als gesellschaftliche Norm in Japan

Es ist eine der Lieblingsfragen bei Japanern: “Würdest du dich ohne Make-up auf die Straße trauen? Und würdest du zu Hause vor deinem Freund auch Make-up tragen?”

Dabei wird die Schminke ziemlich früh in das Leben der Japanerinnen eingeführt. Ratschläge, wie man sich richtig schminkt, lassen sich schon in Magazinen für Grundschülerinnen finden.

Mädchenmagazin, Schminke
Magazin für japanische Mädchen. Bild: melon-panda.livejournal.com

Von einer Japanerin, die auch noch berufstätig ist, wird ja noch immer erwartet, ein “perfektes” Bild zu zeigen. Sie sollen sich an bestimmte Kleidungsregeln halten und auch das Gesicht soll angenehm und hübsch sein. Dabei legen die Japaner noch immer sehr viel Wert auf “natürliches” Make-up.

Es ist auch als “unhöflich” angesehen, das müde Gesicht zu zeigen, wenn man es doch mit Make-up verbessern kann. Auch hier sieht man, dass die gesellschaftlichen Normen ziemlich viel Druck auf die Japanerinnen ausüben.

Beautyindustrie unterstützt den Bedarf sich zu schminken

Und letztendlich ist Make-up ein wichtiger Teil der großen Beautyindustrie.

Zum Beispiel wird einer der besten Pinsel der Welt für das Auftragen von Schminke laut Beautybloggern von der japanischen Firma Hakuhodo produziert. Genau diesen Pinsel bekam auch die jetzige First Lady von Amerika als Geschenk von dem japanischen Premierminister Shinzo Abe. Dabei kann ein Hakuhodo-Pinsel von 20 bis zu über 100 Euro kosten.

Auch andere Produkte, die man für ein „schönes“ Gesicht braucht, sind öfters nicht so billig. Und danach brauchen die Frauen auch noch richtige Pflegeprodukte zum Wegwischen von Make-up und Aufrechterhalten der Haut. So kassieren die Firmen zusätzlich Geld.

Sich für Make-up-Trends zu interessieren und sich täglich zu schminken ist nichts Schlechtes. Aber wenn es schon so weit kommt, dass man sich ungeschminkt nicht aus dem eigenen Zimmer traut, muss die Gesellschaft sich die Frage stellen: Ist das „perfekte“ Gesicht wirklich so wichtig?

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