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Ehemalige Schülerin macht ihren Fall öffentlich

Ehemalige missbrauchte Schülerin setzt sich gegen Missbrauch an japanischen Schulen ein

Kindesmissbrauch ist in Japan ein großes Problem, das oft jedoch totgeschwiegen wird. Es wundert deswegen nicht, dass Opfer lieber schweigen. Eine ehemalige Schülerin, die missbraucht wurde, hat jetzt jedoch genug. Sie macht ihren Fall öffentlich und setzt sich für mehr Schutz ein.

Die 42 Jahre alte Ikuko Ishida hat nach mehr als 30 Jahren den Mut aufgebracht einen ihrer Lehrer wegen sexuellem Missbrauch zur Verantwortung zu ziehen. Von der Junior Highschool bis zur Universität missbrauchte sie der Lehrer. Sie will jedoch kein Opfer mehr sein und viel mehr will sie, dass andere es nicht werden.

Problem mit der Verjährungsfrist

Damals sagte sie nichts und war sich gar nicht wirklich bewusst, was mit ihr passierte. Sie dachte als Teenager nicht daran, dass ein Lehrer, das Vorbild als perfekter Erwachsener, so etwas tut. Rückblickend sagt sie, dass sie furchtbare Angst hatte, die sie für Jahre lähmte und zum Schweigen brachte. Sie war am Ende nur noch leer und fühlte nichts.

Die Aufarbeitung ihres Traumas führte dazu, dass Ishida 2016 eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) entwickelte. Trotzdem fragte sie im selben Jahr bei der Bildungsbehörde von Sapporo eine Untersuchung des Lehrers an und forderte eine Bestrafung. Der Lehrer selbst bestritt alle Anschuldigungen. Er wurde deswegen nie entlassen und unterrichtet bis zum heutigen Tag.

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An die Polizei kann sich Ishida wegen der Verjährungsfrist nicht wenden, weswegen eine Klage nutzlos ist. Aus diesem Grund versucht sie auf anderen Wegen weitere Opfer zu verhindern. 2019 verklagte sie öffentlich den Lehrer und die Bildungsbehörde von Sapporo auf 30 Millionen Yen. Im August wurde der Fall abgewiesen, ebenfalls wegen der Verjährungsfrist. Ishida ließ sich davon nicht unterkriegen und legte Berufung ein, da die dem eigentlichen Verbrechen nicht geklärt ist.

Mehr als 40 Prozent der Schüler erleben Missbrauch

Zusätzlich führte sie dieses Jahr eine Umfrage zu Missbrauch an Schulen durch, mit erschreckenden Ergebnissen. 717 Personen nahmen daran teil, wobei 80 Prozent Frauen waren. 42,4 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie in der Schulzeit oder nach ihrem Abschluss sexueller Gewalt von einem Lehrer erfuhren.

Viele beschrieben, wie sie Komplimente für die Entwicklung ihres Körpers erhielten oder beim Helfen in der Klasse angefasst wurden. Die meisten fühlten sich dabei unwohl und konnten ihre Gefühle jedoch nicht einordnen. Bei sieben Prozent kam es zu direkten sexuellen Handlungen, wobei auch hier einige ihre Vergewaltigung zuerst nicht als Übergriff sahen.

Die Regierung hat bereits versprochen, sich mehr gegen Sexualverbrechen und sexuelle Gewalt einzusetzen. 2017 wurde das Strafgesetzbuch zum ersten Mal seit 110 Jahren in Bezug auf Sexualverbrechen überarbeitet. Eine Klausel soll drei Jahre später die Veränderungen durch die härteren Strafen überprüfen. Ein passendes Gremium wurde dafür im März aufgestellt. Sie fordern unter anderem längere Verjährungsfristen.

Bemühungen der Regierung sind nicht ausreichend

Ishida selbst nahm an einer Sitzung des Gremiums teil und sprach über Missbrauch durch Lehrer. Sie erklärte dabei, dass Kinder oft nicht erkennen, dass sie Opfer sind, da sie dafür noch gar kein Bewusstsein haben. Gegenüber Reportern gab sie an, dass Menschen verstehen sollen, wie schnell Kinder in Schulen Opfer von Missbrauch werden können.

Wie wichtig Veränderungen sind, zeigen Zahlen von 2018. 282 Lehre wurden in dem Geschäftsjahr in allen Schulstufen wegen unangemessenen Handlungen und sexuellem Missbrauch bestraft. Das sind jedoch nur die Fälle, die wirklich Folgen hatten. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Seit Jahren steigen dazu die Zahlen rasant an. 2017 waren es 210 Fälle. Für Ishida reicht das jedoch nicht. Sie will, dass die Politik ein größeres Gefühl für die Krise in Bezug auf die Übergriffe im Bildungssystem bekommt.

MS

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