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Neben Corona ist Japan am Problem selbst schuld

Ehemaligen Katastrophengebieten in Japan fehlt es an ausländischen Praktikanten

In Japan setzten immer mehr ländliche Gegenden auf Arbeitskräfte aus dem Ausland. Auch die ehemaligen Katastrophengebiete von 2011 haben Programme für technische Praktikanten aus anderen Ländern. Die können allerdings aufgrund der Pandemie nicht ins Land reisen, was ein großes Problem ist.

Betroffen ist davon unter anderen die Stadt Kesennuma in Miyagi, die 2011 von dem Tsunami verwüstet wurde. Um die Gemeinde wiederzubeleben, wurden Maßnahmen getroffen, um vor allem technische Praktikanten aus Indonesien anzulocken.

Zahl der Praktikanten reicht nicht aus

Seit Sommer 2019 gibt es sogar ein islamisches Gotteshaus mit einem nahen Restaurant, das komplett auf Schweinefleisch verzichtet. Dazu gibt es jeden Monat zweimal Japanischkurse, die von Anwohnern selbst angeboten werden.

Mehr zum Thema:  Rund 20.000 Praktikanten sitzen in Japan fest

Zu Beginn schien der Plan sogar aufzugehen, und mehrere Personen aus Indonesien fingen an in der Stadt zu arbeiten und sich recht wohlzufühlen. Es waren jedoch nicht genug, um wirklich der Fischerei- und Fischverarbeitungsindustrie der Stadt zur Erholung zu verhelfen.

In dem Bereich gibt es nämlich nur noch wenig Personal. In Kesennuma lebten selbst nur 60.000 Menschen, weswegen sie auf ausländischen Arbeitskräfte angewiesen sind.

Die Hoffnung, die gewünschte Quote möglichst schnell zu erreichen, verflog mit dem Beginn der Pandemie. Die technischen Praktikanten durften nicht Einreisen, sodass plötzlich zahlreichen Betrieben aus den verschiedensten Bereichen keine Arbeitskräfte mehr hatten.

Andere Länder sind zum Arbeiten attraktiver

Im Juni 2020 war die Zahl der technischen Praktikanten in Japan bei nur 400.000. Das Fischunternehmen Kawamura in der Region, dass auf Arbeitskräfte aus Indonesien spezialisiert ist, sollte dabei eigentlich 40 Mitarbeiter erhalten, 18 kamen nicht an.

Besonderes in der Erntesaison der Wakame-Algen machte das anschließend große Probleme. Andere Unternehmen und Städte melden ähnliche Schwierigkeiten. Für Kawamura sind die Ausländer dazu noch mehr als nur Arbeitskräfte, sondern auch Teil die Gemeinschaft. Wenn sie fehlen, geht auch von der Gemeinde etwas verloren.

Ein weiterer Grund, warum es an Arbeitskräfte fehlt, ist die Tatsache, dass andere Länder einfach bessere Chancen bieten. So bezahlt Südkorea im Schnitt besser als Japan. Zusätzlich läuft bei ihnen das Programm direkt über die Zentralregierung und nicht wie in Japan über kostspielige Vermittler.

Sugawara, Präsident des Tiefbauunternehmens Sugawara Kogyo und Erbauer des islamischen Gotteshauses, erklärte, dass auch der Wohlstand in Indonesien zunimmt. Aus dem Grund würden viele nicht mehr Arbeit im Ausland suchen. Obwohl die Zahl geschrumpft ist, will er jedoch weiterhin die Stadt zu einem Ort machen, wo sie gerne arbeiten wollen.

Japan soll den Menschen mehr bieten

Ein weiterer Faktor für die niedrigen Zahlen ist die komplizierte Gesetzeslage in Japan. Unter dem Praktikantenprogramm der Regierung dürfen Ausländer maximal fünf Jahre zum Lernen im Land bleiben. Dazu kommt ein neues Einwanderungsgesetz.

Unter ihm können Personen mit besonderen Fähigkeiten ein neues Arbeitsvisum erhalten, mit dem sie auch fünf Jahre bleiben dürfen, aber weniger Arbeitseinschränkungen haben als Praktikanten. Viele drängen deswegen dazu, dass den Praktikanten die Ansiedlung in Japan erleichtert wird und Japan ihnen mehr bietet, damit sie ins Land kommen.

Die Präfektur Miyagi selbst versucht auch mittlerweile mehr technische Praktikanten in die Region zu holen und überlegt unter anderen die Eröffnung einer japanischen Sprachschule. Gouverneur Yoshihiro Murai betonte, dass der Bevölkerungsrückgang an den Küstengebieten seit 2011 die größte Herausforderung für die Gegend sei. Die Migration von neuen Leuten sei deswegen sehr wichtig.

Japan braucht ausländische Arbeitskräfte

Die ehemaligen Katastrophengebiete verzeichnen im Vergleich zu den anderen Präfekturen einen schnelleren Bevölkerungsrückgang bei erwerbsfähigen Personen. Während der allgemeine Durchschnitt bei sechs Prozent liegt, sind es in Iwate, Miyagi und Fukushima elf.

Japan wird also in der Zukunft gar nichts anderes übrig bleiben, als immer mehr auf ausländische Arbeitskräfte zu setzen. Die Regierung sieht die Ausländer zurzeit nur als zusätzliche Arbeitskräfte und behandelt sich nicht wirklich gut. Professor Yoshihisa Saito warnt davor, dass bald niemand mehr kommt, wenn Japan sich nicht ändert.

Saito fordert unter anderen, dass technische Praktikanten ihre Familien mit nach Japan nehmen dürfen und das es ein breiteres Spektrum an Visa gibt. Dass das bisherige System mit dem neuen Visum nicht gut ankommt, zeigten die ersten Zahlen.

Die lagen nämlich deutlich hinter den geplanten Zielen. Dazu haben sich auch bereits die zahlreichen Misshandlungen, Diskriminierungen und Ausbeutung in japanischen Betrieben herumgesprochen. Wenn also das System nicht abschreckt, dann sind es die Arbeitgeber. Es ist demnach verständlich, dass Ausländer woanderes anfangen.

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