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Ehemaliger Vize-Landwirtschaftsminister gesteht vor Gericht Mord an seinem Sohn

Vater hatte Angst vor einem Mordversuch durch sein eigenes Kind

Vor einigen Monaten kam es in Kawasaki zu einem Amoklauf, der drei Personen das Leben kostete. Der Täter war ein zurückgezogener Mann mittleren Alters, der zu den Toten gehörte. Als Reaktion auf das tragische Ereignis griff der ehemalige japanische Vize-Landwirtschaftsminister Hideaki Kumazawa seinen eigenen Sohn an und tötete ihn. Am Mittwoch begann nun die Gerichtsverhandlung gegen ihn, wo er sofort die Tat gestand.

Kumazawa gab in der ersten Sitzung zu, dass er seinen 44-jährigen Sohn Eiichro am 1. Juni tötete. Mehrmals stach er mit einem Messer in seinen Nacken. Der Mann starb anschließend noch im Haus an schwerem Blutverlust. Grund für den Angriff auf seinen eigenen Sohn war die Angst vor ihm. Laut dem Staatsanwalt hatte Kumazawa Angst um seine Sicherheit und die der Anwohner.

Angst vor weiterem Amoklauf

Nach seinen Angaben lebte sein Sohn als sogenannter Hikikomori zurückgezogen von der Gesellschaft und zeigte aggressives Verhalten. Er war nur eine Woche vor dem Mord zu seinen Eltern zurück in den Nerima-Bezirk gezogen, nachdem er nach seinem Schulabschluss alleine im Mejiro-Bezirk von Tokyo gelebt hatte.

Schon einen Tag nach seinem Einzug griff er wohl Kumazawa an, als er mit ihm über den Müll im Haus sprechen wollte. Aus Angst hielt er sich mit seiner Frau von da an nur noch im zweiten Stock auf und sie blieben dem Sohn fern. In der Zeit beschloss er, ihn zu töten, bevor etwas Schlimmeres passiert.

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Kumazawa hinterließ nach dem Mord eine Notiz, in der er erklärt, dass es wohl keinen anderen Ausweg gibt. Er selbst rief nach der Tat sofort die Polizei und gestand. Sein Anwalt bestätigt dabei, dass er seinen Sohn nur tötete, da er fürchtete, dass er sie sonst zuerst ermordet.

Besonders habe er sich um die Kinder in der Nähe gesorgt, nachdem es wenige Tage zuvor zum Vorfall in Kawasaki kam und sich sein Sohn aggressiv über sie beschwerte. Kumazawa selbst habe Eiichiro unterstützt, als bei ihm Schizophrenie und das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurden und sich um ihn gekümmert.

Da Kumazawa bereits die Tat gestand, wird das Bezirksgericht von Tokyo vermutlich schnell eine Entscheidung fällen. Trotzdem bat die Staatsanwaltschaft das Bürgergericht darum, den Fall nur mithilfe der vorgelegten Beweise zu beurteilen und nicht noch aus einer anderen Perspektive. Einige befürchten nämlich, dass eine milde Strafe aufgrund des Hintergrunds und des Status von Kumazawa zustande kommt.

Hikikomori kämpfen weiter mit Vorurteilen

Der Vorfall in Kawasaki selbst sorgt im ganzen Land für große Aufmerksamkeit. Besonders weil der Täter ein Hikikomori im Alter von 51 Jahren war, war der Amoklauf lange im Gespräch. Erstmals erhielten Hikikomori im Alter von 40 bis 64 Jahren Aufmerksamkeit, von denen es um die 613.000 Betroffene in Japan geben soll.

Viele Menschen waren plötzlich verunsichert und die Vorurteile gegen die Einsiedler nahmen zu. Experten riefen jedoch dazu auf, dass die Betroffenen nicht dazu neigen, aggressiv zu sein und dass ihre Familien ihnen helfen sollen.

Sie sollen weiter versuchen, mit den Betroffenen Kontakt aufzubauen und spezielle Einrichtungen oder Selbsthilfegruppen aufsuchen. Das Problem aufgrund der sozialen Stigmatisierung oder Schuldgefühlen zu verbergen, ist auf Dauer keine Lösung. Zusätzlich bringt es eine große finanzielle Belastung mit sich, wenn die Eltern schon ziemlich alt sind.

Das 80-50-Problem nimmt immer mehr zu und beschreibt Eltern in den 80ern, die sich um Hikikomori in den 50ern oder älter kümmern. Je älter die Betroffenen sind, umso schwerer ist es meistens, sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Trotzdem ermutigen viele Organisationen die Familien, sich auf verschiedene Weise helfen zu lassen und ihre Kinder nicht aufzugeben.

Kyodo

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