Ein Blick über Tokyo Bay von Umi no Mori

Auf einer windigen Insel in der Mitte der Bucht von Tokyo, erhebt sich ein kleiner Berg über die Wellen. Ein paar Möwen und Krähen gleiten über das braune Schilf, während der Fuji sich am Horizont abzeichnet. Die Insel erscheint fast idyllisch, aber sie ist ein absoluter Fake. Und gemacht aus Müll. Umi no mori.

Die New Sea Surface Disposal Site ist die letzte Ruhestätte für Müll aus  Tokyos  23 Bezirken. Darüber kriechen Müll-Laster und Bulldozer,  die Tokios Abfall in ein sorgfältig geschichtetes Sandwich in  30 Metern Tiefe verpacken. Die Insel besteht aus Asche von verbranntem Müll, pulverisiertem, nicht brennbarem Müll und Klärschlamm, zusammen mit echtem Boden. Abgasrohre für Methangas, die aus dem Müll herausragen unterbrechen die Masse, während sichtbare Sediment-Schichten einen Blick auf Plastik-Schrott und ähnliches werfen lassen, der bereits Jahrzehnte alt ist.  Aber die sind selten, der Müll ist hier meist unsichtbar. Vergraben unter einer Bodenschicht. Und genau so wie die Deponie wächst, wächst auch die Stadt.

Zukünftige Oase

umi no mori (sea forrest)
Umi-no-Mori ( Sea Forest ) ©Kaz Ish via wikimedia commons

Die Deponie und die angrenzenden Dämme werden in Zukunft zu Parkanlagen. Das Gebiet ist Teil eines ungefähr 1.000 Hektars großen Gebiets, südlich von Odaiba. Eine künstliche Insel, im Angesicht Tokyos. Wenn sie fertig ist, wird die westliche Hälfte der Insel aus Erde sein und mit einer Anlage soll dort der Versand von Schiffscontainern unterstützt werden. Die östliche Hälfte,  die aus Müll besteht, wird schließlich zu Grünflächen mit Freizeiteinrichtungen. Eine Ecke dieser Oase aus Müll die bereits fast fertig ist, ist Umi no Mori. Es ist ein Park mit 150 Hektar, ist in etwa die Größe eines durchschnittlichen Golfplatzes. Die Aussicht auf den Hügel ist bereits mit Gras bedeckt und von Pinien gesäumt.

Freuen Sie sich auf einen herrlichen Blick auf die Uferpromenade der Stadt und die Tokyo Gate Bridge.

Umi no Mori soll laut Planung, irgendwann nach den Olympischen Spielen in Tokio eröffnen. Künftige Generationen von Tokyotern  werden sich dann hier am Meer sonnen können und dabei auf Müll gehen.“Umi no Mori wurde geschaffen, um etwas Negatives – den Müll aus dem Alltag der Menschen – in etwas Positives zu verwandeln“, sagt Nami Murakami vom Port of Tokyo Marine Parks Department. „Es wird ein Gebiet von Bäumen entstehen, die von Tokyotern gepflanzt und gepflegt werden, wodurch ein schöner Wald wachsen wird.“

Der gestrige Trash

In der Edo-Zeit (1603-1868), vor der Ära der Massenproduktion, haben die Japaner viel von dem recycelt, was an Müll anfiel. Doch im späten 19. Jahrhundert begann die Veränderung mit der sich schnell entwickelnden Industrialisierung. Die erste moderne Regelung für die Müllabfuhr war das Abfallentsorgungsgesetz von 1900 und die erste Müllverbrennungsanlage die von Tokio, die 1924 in Osaki gegründet wurde.
Seit dem Jahr 2000 werden die Müllverbrennungsanlagen in der zentralen Hauptstadt von der Clean Authority of Tokyo 23 verwaltet (CAT23 ), die von den 23 zentralen Bezirken von Tokio gegründet wurde. Ryokichi Minobe erklärte einen „Krieg gegen den Müll“, da die Metropole in der Mitte des Hochwirtschaftswachstums der Nachkriegszeit am Abfall zu ersticken drohte. Die Kampagne wurde ins Leben gerufen um die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für das Müll-Problem zu erhöhen und einer möglichen Opposition, den Bau neuer Müllentsorgungs-Fabriken näher zu bringen. Den Müll einfach ins Meer zu kippen, hatte bisher eine lange Tradition. Sie geht mindestens so weit zurück wie die Deponie Nr. 8 in Shiomi in den 1920er Jahren, gefolgt von einer in der Nähe von Yumenoshima in den 1950er Jahren und Wakasu in den 1960er Jahren. Als diese Mülldeponien sich füllten, begannen große Deponiearbeiten für Müll- und Ladungsspeicher auf der Tokyo-Bucht, zwischen den Tama- und Arakawa-Mündungen.

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