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HomeNachrichten aus JapanAbschaffung des Punktabzugs für stotternde Personen in japanischen Englisch-Prüfungen gefordert

In mündlichen Englischprüfungen ein Problem

Abschaffung des Punktabzugs für stotternde Personen in japanischen Englisch-Prüfungen gefordert

Jedes Jahr gibt es in Japan Aufnahmeprüfungen an den Oberschulen. In Tokyo werden unter anderem auch die Englischkenntnisse sowohl schriftlich als auch mündlich abgefragt.

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Und genau mit dieser mündlichen Abfrage haben Menschen, die stottern, ein Problem. Denn oft werden ihnen Punkte abgezogen, obwohl sie keine Fehler machen, da die Probleme mit der Aussprache vom Stottern herrühren.

Kein Punktabzug mehr beim Stottern

Nun hat eine Gruppe von Experten, Betroffenen und anderen Personen eine Erklärung vorgelegt, in der gefordert wird, dass der Punktabzug abgeschafft werden soll. Die Erklärung wurde der Regierung der Metropole Tokyo vorgelegt.

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Die Gruppe fordert, dass Symptome, die auf ein Stottern hindeuten, nicht dazu verwendet werden dürfen, einem Prüfling Punkte abzuziehen. Sie schlägt außerdem Alarm im Hinblick auf eine mögliche Einführung der Sprachtests in allen Aufnahmeprüfungen für japanische Oberschulen.

Lernende der dritten Klasse einer öffentlichen Mittelschule, die sich an einer städtischen Oberschule bewerben, müssen die Sprachtests voraussichtlich im November ablegen. Für den Test können maximal 20 Punkte vergeben werden, die zur Gesamtpunktzahl der Schüler:innen bei den Aufnahmeprüfungen für städtische Oberschulen hinzugezählt werden.

Bisherige Regelungen reichen nicht aus

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Nach Angaben der Abteilung für Lehrplan- und Orientierungsplanung des Tokyo Metropolitan Office of Education wurden für die Vorprüfungen an den öffentlichen Mittelschulen bis zum Jahr 2021 besondere Maßnahmen eingeführt. Dazu zählt unter anderem, dass stotternde Kinder, die sich im Voraus anmelden, dreimal so viel Zeit zur Beantwortung der Fragen erhalten. In der Prüfungsrubrik werden jedoch zahlreiche unnatürlichen Pausen, Schweigen und stockendes Sprechen als Gründe für einen Punktabzug gewertet.

In der schriftlichen Erklärung wird behauptet, dass die derzeitigen Normen „die wahren Fähigkeiten von stotternden Schüler:innen unterschätzen„, und es wird gefordert, dies bei der Vergabe von Punkten zu berücksichtigen.

Eine von 100 Personen stottert

In Bezug auf die besonderen Maßnahmen heißt es, dass die Kinder und ihre Erziehungsberechtigten diese möglicherweise nicht vollständig verstehen oder die entsprechenden Anträge nicht rechtzeitig stellen. Deshalb sollen Hinweise auf den Websites der Schulen bereitgestellt und ausreichend Zeit für die Stellung von Anträgen eingeräumt werden.

Es wird angenommen, dass einer von 100 Menschen stottert. Einige leiden unter sozialen Ängsten, die sie im Umgang mit anderen Menschen unruhig machen, weil sie wegen ihres Zustands verspottet oder schikaniert werden. Yoshikazu Kikuchi, ein Arzt am Universitätskrankenhaus Kyushu, der dem freiwilligen Gremium angehört und selbst stottert, rief dazu auf, das Thema angemessen zu berücksichtigen: „Die Aufnahme in die Aufnahmeprüfungen für die Oberschule könnte das Leben von Schüler:innen, die stottern, verändern.“

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