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Experten wollen, dass Japan Spielsucht als psychische Störung behandelt

Wie in vielen Ländern spielen in Japan viele Jugendliche und Kinder gerne Videospiele. Manche allerdings entwickeln mit der Zeit ein regelrechtes Suchtverhalten, was alles andere als gesund ist. Aus dem Grund fordern Experten nun von Japan, dass sie die Spielsucht als psychische Störung einstufen.

Mittlerweile gehört die Onlinespielsucht zu der am schnellsten wachsenden Suchtform, die ebenfalls Erwachsene befällt. Suchtexperte Dr. Susumu Higuchi ist der Leiter des Kurihama Medical and Addiction Centers. Er war 2011 der Erste in Japan, der gezielt gegen Internetsucht und Spielsucht vorging.

Laut Higuchi verschlechtert sich die Situation immer mehr und Japan soll etwas dagegen unternehmen. Jeden Tag sehe er neue Patienten und die Spielsucht verschlimmert sich durchgehend. Die Folgen einer längeren Abhängigkeit sind Vernachlässigung der Freunde, Familie, Schule, Arbeit und eigenen Bedürfnissen wie Essen, Schlafen und Hygiene. Besonders der E-Sport-Boom verlockt mit Glamour, Karriere und viel Geld zum Dauerspielen.

Bei der Mehrheit der Betroffenen handelt es sich um Jungs im Teeangeralter, die Shooter oder RPGs spielen. Meistens sind es die eigenen Familien, die sie in die Klinik bringen. Erwachsene Männer neigen allerdings gleichermaßen dazu, von ihrer Leidenschaft ins krankhafte zu rutschen. Mädchen trifft es ebenfalls, jedoch leiden sie weniger unter einer Spielsucht, sondern verfallen den sozialen Medien. Insgesamt behandelt Higuchi jährlich um die 1.800 Menschen, von denen 90 Prozent an einer Spielesucht leiden. Jedoch gab es 2018 laut dem japanischen Gesundheitsministerium alleine 930.000 Oberschüler mit einer Internetsucht.

Viele Betroffene, kaum freie Plätze

Während die Fälle mit einer leichten Sucht sich meistens relativ schnell ins richtige Leben zurückholen lassen, ist das bei schweren Fällen komplizierter. Wie bei richtigen Drogen fordert das Gehirn Belohnungen in Form von Dopamin. Patienten denken, dass sie ihr Verlangen nur mit Hilfe von Spielen befriedigen können. Wenn sie nicht spielen können, reagieren sie launisch, gereizt, depressiv oder wütend.

Um den Abhängigen erfolgreich zu helfen, müsste Higuchi sie länger behandeln, teilweise bis zu einem Jahr. Seine Klinik kann allerdings nur 20 Patienten pro Tag aufnehmen. Aktuell sind Reservierungen schon für die nächsten Monate komplett vergeben. Als es im Februar freie Plätze gab, kam es zu 300 Anrufen innerhalb zwei Stunden. Alle wollten einen Platz in der Klinik. Insgesamt gibt es in Japan nur 80 Einrichtungen, die Spielsucht behandeln.

Internationale Anerkennung als Krankheit

Higuchi und seine zwei Kollegen sind komplett überlastet und können vielen nicht mehr helfen. Obwohl er die Sucht als medizinischen Zustand behandelt, ist er in Japan nicht als dieser anerkannt. Higuchi kann jedoch belegen, dass es mit einer Substanzabhängigkeit gleichgestellt ist. Viele interessieren sich jedoch nicht dafür. Der Experte ist mittlerweile sogar so weit, die Internet/Spielsucht schlimmer einzustufen als eine Drogenabhängigkeit. Der Grund dafür ist, Internet ist überall verfügbar, teils sogar kostenlos und Spiele lassen sich ebenfalls überall spielen. Ein kompletter Entzug von Technik erscheint deswegen unmöglich.

Obwohl viele Higuchi nicht ernst nehmen, steht die Weltgesundheitsorganisation auf seiner Seite. Am 11. März soll Spielsucht offiziell international als Krankheit mit einer Diagnose vorgestellt werden. Wenn die Mitgliederstaaten des World Health Assembly dem zustimmen, gilt die Sucht ab 2022 wirklich als Krankheit. Trotz alledem gilt die Abhängigkeit nicht als einfach zu definieren.

Eltern sollen vorsichtig und behutsam sein

Higuchi hofft, dass Japan sich mehr um die Krankheit und die Betroffenen kümmert, sobald die Einstufung offiziell ist. Vorbild ist für ihn dabei Südkorea, die bereits mit mehreren Maßnahmen versuchen, vor allem Kinder, vor der Spielsucht zu schützen. Neben bestimmten Regelungen gibt die Regierung um die 8.834.300 Euro für Präventionsprogramme und Behandlungszentren aus. Um jedoch jetzt schon was zu tun, fordert Higuchi von den Spieleunternehmen Sony und Nintendo ebenfalls Maßnahmen zu ergreifen, um die Jugend zu schützen. Ihnen wirft er nämlich vor, Kunden wissentlich an Spiele zu fesseln und praktisch süchtig zu machen.

Eltern empfiehlt hingegen Kindern nicht die Konsolen zu klauen, Kontroller zu verstecken, das WLAN abzuschalten oder gar Konsolen zu zerstören. Das führt lediglich zu Wut und es kann zu gefährlichen aggressiven Reaktionen kommen. Stattdessen sollen sie versuchen, die Kinder mit sozialen Aktivitäten einzubinden und abzulenken. So gibt es eine positive Trennung von der digitalen Welt. Betroffenen soll dazu klar werden, dass sie wirklich ein Problem haben. Eine stationäre Behandlung ist nur sinnvoll, wenn es wirklich gewollt ist.

Quelle: Kyodo

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