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Fast 50% der Selbstmordfälle durch Überarbeitung ereignen sich in Japan kurz nach psychischen Erkrankungen

„Karoshi“ lautet die japanische Bezeichnung für Tode aufgrund von Überarbeitung. Fast die Hälfte der Selbstmorde in Japan, die sich zwischen 2012 und 2017 ereigneten, sind auf Überstunden zurückzuführen. Es zeigte sich dabei, dass Betroffene kurz vorher Anzeichen einer psychischen Erkrankung zeigten.

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Das vom Ministerium am 26. Oktober veröffentlichte Weißbuch 2021 über Maßnahmen zur Verhinderung von Karoshi zeigte, dass gestresste Arbeitnehmende sich in den frühen Stadien einer psychischen Erkrankung eher das Leben nehmen. Bei etwa der Hälfte mit Überarbeitung als Grund kam es innerhalb von sechs Tage zum Suizid, nachdem sie Zeichen einer psychischen Erkrankung zeigten

Depressionen und andere psychische Erkrankungen lösen Selbstmordgedanken aus

Überarbeitung ist und bleibt in Japan ein großes Problem. Stressjobs gibt es in sehr vielen Branchen, zumal es in der Bevölkerung gemeinhin als tugendhaft gilt, viel arbeiten zu gehen, und sich für die Firma, für die man arbeitet, aufzuopfern.

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Den Angaben des Ministeriums zufolge gab es zwischen 2012 und 2017 497 Fälle, in denen der Selbstmord der Arbeitnehmenden auf zu viel Stress am Arbeitsplatz und die durch die Überarbeitung entstandenen psychischen Erkrankungen zurückzuführen war

In 235 der Fälle ereignete sich der Selbstmord innerhalb von sechs Tagen nach dem Einsetzen von Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen.

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93 von ihnen nahmen sich innerhalb von 7 bis 29 Tagen nach der Entwicklung einer entsprechenden Störung das Leben. 75 taten dies innerhalb von 30 bis 89 Tagen, während 46 von ihnen ihrem Leben innerhalb von 360 Tagen oder noch später nach dem Einsetzen einer psychischen Erkrankung ein Ende setzten.

Aufseiten des Ministeriums hat man inzwischen jeweils einen oder mehrere Faktoren identifizieren können, die eine psychische Störungen bei den Arbeitnehmenden ausgelöst haben.

Zu lange Arbeitszeiten zermürben die Psyche

„Regelmäßige lange Arbeitszeiten“ seien der häufigste Faktor, der hier demnach für ganze 201 der Selbstmorde verantwortlich sei, stellte das Ministerium fest. Es folgten in 177 Fällen „(erhebliche) Veränderungen bei Aufgaben und Arbeitsvolumen“ und in 109 Fällen „Arbeiten für zwei aufeinanderfolgende Wochen oder mehr“.

In der Zwischenzeit wurde bestätigt, dass 179 der Arbeitnehmenden, die sich das Leben nahmen, zuvor medizinischen Fachpersonal aufgesucht haben.

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Von 88 Arbeitnehmenden, deren monatliche Überstunden unmittelbar vor der Entstehung einer psychischen Erkrankung die Marke 160 Stunden überschritten, gingen nur etwas mehr als 20 Prozent in ein Krankenhaus, bevor sie sich das Leben nahmen.

Nach einer Erkrankung ist es meistens zu spät

„Es wird zu spät sein, wenn Unternehmen Maßnahmen (gegen Selbstmorde durch Überarbeitung) erst dann ergreifen, wenn schwerwiegende Ereignisse aufgetreten sind, die psychische Erkrankungen auslösen könnten“, sagte ein Beamter des Gesundheitsministeriums. „Sie müssen regelmäßig Stresstests bei Arbeitnehmern durchführen und Mitarbeiter mit psychischen Problemen beraten.“

Das Weißbuch zeigte, dass Vollzeitbeschäftigte im Geschäftsjahr 2020 1.925 Stunden im Job verbrachten, die kürzeste Zeit seit der Verfügbarkeit vergleichbarer Daten im Jahr 1993.

Auf der anderen Seite wuchs die Zahl derer, denen eine arbeitsbedingte psychische Erkrankung bescheinigt wurde. 608 waren es in diesem Jahr, also 100 mehr als im Vorjahr. 81 von ihnen haben sich das Leben genommen. Das sind 7 weniger als im Vorjahr.

Anmerkung der Redaktion: Sollten Sie Suizidgedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (https://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen helfen konnten, einen Ausweg aus einer problematischen Situation zu finden.

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