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Fast die Hälfte der Mitarbeiter in Kinderberatungsstellen werden nicht richtig geschult

Nur wenige Regionen bilden freiwillig ihr Personal ausreichend aus

Wenn in Japan der Verdacht besteht, dass Kinder misshandelt werden, werden sie meistens vorübergehend in staatliche Notfalleinrichtungen gebracht, um sie zu schützen. Eine Umfrage einer japanischen Zeitung ergab nun allerdings, dass fast die Hälfte der zuständigen Angestellten nicht weiß, wie sie richtig auf die Kinder aufpassen sollen.

Befragt wurden zwischen Dezember 2019 und Januar 2020 alle 47 Präfekturen, 20 Großstädte und drei Kerngemeinden mit Kinderberatungsstellen. Die Zeitung wollte unter anderem wissen, wie viele Stunden die Einrichtungen nutzt, um Personal auszubilden und was die Schulungen beinhalten. Bei 70 Einrichtungen in ganz Japan hatten insgesamt 45,7 Prozent der Angestellten keine Erfahrung in der Überwachung und Aufzeichnung des Verhaltens der Kinder.

Fehlender Standard ist das größte Problem

Aufzeichnungen sind für den zukünftigen Schutz und die Unterstützung der Kinder sehr wichtig. Mit ihnen wird unter anderem entschieden, ob sie weiter in den Zentren bleiben sollen. Nach den nationalen Richtlinien ist das an sich kein Verstoß. Bei den vorübergehenden Schutzeinrichtungen für Kinder ist nämlich nicht vorgegeben, welche Art und wie viel geschultes Personal als Erzieher, Betreuer oder anderen Stellen eingesetzt werden sollen.

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Laut dem Wohlfahrtsministerium gibt seit der Überarbeitung des Kinderschutzgesetzes 2016 zwar eine Reglung, die jedoch nicht auf alle zutrifft. Kinderfürsorge- und Unterstützungsbeamte müssen eine Schulung mit bestimmtem Inhalt und Dauer absolvieren. Allerdings gibt es eine derartige Anforderung noch nicht für Berater und Erzieher, die in den vorübergehenden Kinderzentren arbeiten. Die Entscheidung liegt demnach bei den lokalen Gebietskörperschaften allein.

Der nicht vorhandene Standard ist deswegen jedoch ein großes Problem und sorgt für große Unterschiede bei den Methoden der Kommunalverwaltungen. Zuletzt wurden die Praktiken der Kinderberatungszentren im Jahr 2019 genauer untersucht, nachdem ein zehnjähriges Mädchen in Noda, Chiba gestorben war. Sie wurde wegen Misshandlung durch die Eltern in Sicherheit gebracht. Nach einem Monat kam sie jedoch wieder zurück zu ihren Eltern, die sie dann zu Tode misshandelten.

Einige bekommen keine Schulung, andere werden jährlich belehrt

Wie Chiba angab, gab es zu dem Mädchen in der Einrichtung keine Aufzeichnung zu ihrem Verhalten. Ebenfalls wurde kein Treffen einberufen, um eine weitere Unterstützung des Kindes zu besprechen. Eine Quelle, die Bezug zu der Kinderberatungsstelle von Chiba hat, gab an, dass die Angestellten unzureichend ausgebildet waren. Verhaltensaufzeichnungen seien pro forma und es ist möglich, dass die Meinungen des Personals nicht ernst genommen werden.

Tatsächlich gaben elf Einrichtungen der 47,7 Prozent an, dass ihr Personal überhaupt keine Ausbildung bekommt. Dazu gehört die Präfektur Akita, die nach eigenen Angaben ihre Mitarbeiter während der regulären Arbeitszeit unterrichtet. Die Präfektur Miyazaki erklärte hingegen, dass viele ihrer Angestellten qualifizierte Lehrer oder Erzieher sind und es sei für sie zeitlich schwer, an Schulungen teilzunehmen.

Doch es gibt auf der anderen Seite ebenfalls Regionen, die sich sehr vorbildlich verhalten. In der Präfektur Osaka erhalten alle Personen in ihrem ersten Jahr in den Zentren eine Schulung. Eingeschlossen ist eine Ausbildung in der Verhaltensbobachtung, die um die 15 Stunden umfasst. Training zum Aufzeichnen vom Verhalten gibt es sogar jedes Geschäftsjahr für alle. Die Präfektur Aichi schickt ebenfalls alle jährlich zu acht Schulungen, die zehn Stunden umfassen. Sie versuchen dabei die Trainingsstunden an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen.

MS

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