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Weibliche Teilzeitangestellte verlieren schneller ihren Job

Frauen sind finanziell besonders stark von der Pandemie betroffen

Frauen, die meistens dauerhaft in Teilzeit arbeiten, sind finanziell besonders stark von der Pandemie betroffen. Insbesondere alleinerziehende Mütter trifft die aktuelle wirtschaftliche Situation hart.

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Eine im März vom japanischen Ministerium für innere Angelegenheiten und Kommunikation durchgeführte Studie ergab, dass die Zahl der männlichen Teilzeitarbeitnehmer im Vergleich zu 2019 um 20.000 gestiegen ist.

Zahl der weiblichen Teilzeitkräfte ist deutlich gesunken

Die Zahl der weiblichen Teilzeitkräfte, von denen die meisten alleinerziehende Mütter sind, ist im gleichen Zeitraum um 290.000 gesunken.

Da die Zahl der männlichen und weiblichen Arbeitnehmer in Japan, die wegen der Pandemie entlassen wurden, im Mai 10.000 überstieg, sprechen sich die Unterstützungsnetzwerke für sofortige Hilfsmaßnahmen aus.

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Chieko Akaishi, Leiter der gemeinnützigen Organisation Single Mothers Forum, hielt am 19. Mai eine Pressekonferenz im Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt ab. Eine alleinerziehende Mutter in den 20er-Jahren, die einen einjährigen Sohn in der Region Hokuriku an der Küste des Japanischen Meeres großzieht, sprach über ihre verheerende Situation.

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„Ich konnte eine Kindertagesstätte für meinen Sohn finden, und ich sollte im April mit der Arbeit beginnen, verlor aber meine Arbeitsstelle. Ich habe mich auf eine Mahlzeit pro Tag beschränkt, um mein Kind zu ernähren“, sagte sie.

Aufgrund der Auswirkungen haben Unternehmen Arbeitnehmerinnen mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen beurlaubt oder entlassen. Insbesondere alleinerziehende Müttern sind daher in große finanzielle Probleme geraten.

Zwischen März und dem 5. Mai gingen beim Forum für alleinerziehende Mütter etwa 380 Anrufe und E-Mails ein, in denen um Hilfe gebeten wurde. Darunter sind schwerwiegende Fälle wie „Bitte helfen Sie mir. Wir haben nur noch einen Notvorrat von drei Packungen Reis“, von einer Mutter in den Vierzigern aus der ostjapanischen Region Kanto, und „Ich kann meine Stromrechnungen nicht bezahlen, und er wurde mir abgedreht“, von einer Mutter in den Dreißigern, die in der Region Tohoku im Nordosten Japans lebt.

Akaishi wies darauf hin, dass alleinerziehende Mütter, die in Teilzeit arbeiten, in eine prekäre Lage gebracht werden und leicht von den Arbeitgebern gekündigt werden können.  „Es gibt Fälle, in denen solche Arbeiternehmer nicht einmal Gehaltsnachweis erhalten können, die für das Antragsverfahren zur Aufnahme von Notfallkrediten notwendig sind.“

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Aber auch Frauen, die in Teilzeit arbeiten und kein Kind erziehen, haben Probleme. Eine 40-jährige Frau, die in einem Privattheater in Tokyo in Teilzeit für die Bühnenbeleuchtung zuständig war, drückte ihre Besorgnis mit den Worten aus: „Seit April habe ich überhaupt kein Einkommen mehr. Ich kann nicht leben, wenn ich nicht arbeite.“

Die Frau lebt allein in einer Wohnung in Japans Hauptstadt. Neben ihrer Arbeit am Theater arbeitete sie in Nachtschichten in einer Bar und verdiente etwa 200.000 Yen (ca. 1.670,91 Euro) pro Monat.

Beide Arbeitgeber haben jedoch vorübergehend geschlossen. Obwohl sie für den Monat März eine vorübergehende Urlaubsentschädigung vom Theater erhielt, kam sie unter dem Strich mit 20.000 Yen (ca.167,09 Euro) raus und hat für April keine Zahlung erhalten. Sie befürchtet zunehmend, dass sie die Miete für den kommenden Monat nicht bezahlen kann.

Die meisten Teilzeitkräfte sind Frauen

Mehr als die Hälfte der Arbeiterinnen in Japan arbeiten in Teilzeit. Mieko Takenobu, emeritierter Professor an der Wako-Universität in Tokyo und Experte für Arbeitssoziologie, sagte: „Frauen sind anfällig dafür, in instabile, nicht reguläre Beschäftigungsverhältnisse abgedrängt zu werden, da sie auch Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen und als Hilfsarbeiterinnen betrachtet werden, die vom Einkommen ihres Mannes leben. Es gibt viele Fälle, in denen sie nicht durch die Arbeitsversicherung versichert sind und weder Arbeitslosengeld noch vorübergehendes Urlaubsgeld erhalten können. Es ist dringend notwendig, das System der Einkommenssicherung für nicht regulär Beschäftigte zu stärken und gleichzeitig die Unterstützung für ihre Lebenshaltungskosten zu erhöhen“.

Die Arbeitskräfteerhebung des Innenministeriums ergab, dass die Zahl der nicht fest angestellten Arbeitnehmer in Japan im März 21,5 Millionen betrug, davon 14,73 Millionen weibliche Arbeitnehmer.

Nach Altersgruppen betrachtet, ging die Zahl der weiblichen Teilzeitkräfte im Alter zwischen 15 und 44 Jahren im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück und bei den 35- bis 44-Jährigen war ein konzentrierter Rückgang um 250.000 zu verzeichnen. Bei den 45-Jährigen und älteren Frauen waren die Auswirkungen begrenzt, da die Zahl der Arbeiter in dieser älteren Gruppe in den letzten Jahren zugenommen hat.

Immer mehr Frauen in Japans Arbeitswelt

Die Gesamtzahl der weiblichen Arbeitskräfte, einschließlich der Festangestellten, ist aufgrund des Bevölkerungsrückgangs und des Arbeitskräftemangels angestiegen.

Die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte, die fest angestellt sind, stieg im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres um 580.000.

Während jedoch die jüngere Generation einen Anstieg der regulären Arbeitnehmer mit Festanstellung verzeichnet, blieb die Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren mit einem Zuwachs von nur etwa 10.000 Personen auf einem Tiefstand.

Die Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung für April, die in Kürze bekannt gegeben werden, werden wahrscheinlich noch schlechtere Ergebnisse zeigen.

Michio Goto, emeritierter Professor für Soziologie an der Tsuru-Universität in der Präfektur Yamanashi, der Experte für Arbeitsfragen ist, sagt: „Nach und nach haben sich aufgrund der Coronavirus-Pandemie Veränderungen in der Beschäftigungssituation ergeben. Es besteht die Befürchtung, dass die Unternehmen zwar ihre fest angestellten Mitarbeiter schützen werden, wenn sie ihre Aussichten nach Eindämmung des Ausbruchs prüfen, dass sie jedoch dazu übergehen werden, Teilzeitkräfte zu entlassen oder deren Zahl zu reduzieren. Die weiteren Entwicklungen sollten genau beobachtet werden“.

Ma, Kyodo, AS

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