Anzeige
HomeNachrichten aus JapanFukushima, mehr als nur Opfer einer Katastrophe

Das Obstkönigreich von Japan

Fukushima, mehr als nur Opfer einer Katastrophe

Die Präfektur Fukushima hat es seit der Erdbebenkatastrophe im Jahr 2011 nicht leicht. Noch immer gibt es viele Versäumnisse zu klären, wie es am Ende zu der mehrfachen Kernschmelze im Atomkraftwerk kommen konnte.

Anzeige

Noch immer ist nicht vollständig geregelt, wohin die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, nun gehen sollen. Auch werden die Auswirkungen der Katastrophe noch sehr lange die Präfektur und somit auch ganz Japan direkt oder indirekt beeinflussen.

Dennoch gibt es mehr in Fukushima als eine Atomruine. Wie auch die anderen Präfekturen des Landes, bietet Fukushima seine ganz eigenen Traditionen, lokalen Speisen und Sehenswürdigkeiten, die auch heute noch einen Besuch wert sind.

Vom Clansystem zu den Präfekturen

Mit dem Ende des Tokugawa Shogunats waren es der Date-Clan, der seine Heimat im Fukushima-Becken hatte, und der Ashina-Clan im Aizu-Becken, die zu dieser Zeit besonders einflussreich im nordöstlichen Teil Japans waren. Beide Einzugsgebiete gelten heute als ein Teil der Präfektur Fukushima.

Im späten 19. Jahrhundert vereinigte sich Japan schließlich unter einer kaiserlichen Regierung und schuf 1871 ein neues Präfektursystem, das das bisherige Clan-System ersetzen sollte. Bei einer Präfektur handelt es sich um die höchste Verwaltungseinheit unterhalb der japanischen Landesregierung.

Anzeige

LESEN SIE AUCH:  Die Präfektur Aichi – Der Geburtsort des ersten Shogun und Nobunaga Oda

Dies kann auch mit dem System der Bundesländer in Deutschland oder den Bundesstaaten in den USA verglichen werden. Ursprünglich war das Gebiet von Fukushima in drei Präfekturen unterteilt, die allerdings später zur heutigen Präfektur Fukushima zusammengelegt wurden.

Seide und Kohle waren Exportschlager

In kultureller Hinsicht war das Fukushima-Gebiet während der Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert eines der wichtigsten Hochzentren der buddhistischen Kultur im Nordosten von Japan. Mit der Gründung der kaiserlichen Regierung begann auch die Industrialisierung Japans, sodass die Präfektur Fukushima vor allem dank ihrer Exporte von Rohseide und Kohle eine Blütezeit erlebte.

Fukushima
Weites Fukushima. Foto: Hiroshi Kimura , Unsplash

Anzeige

Je nach Jahreszeit bietet die Präfektur Fukushima einen ganz besonderen Anblick. Die Menschen in Fukushima sind sich der Vielseitigkeit und der Schönheit ihrer Heimat bewusst und wissen diese besonders zu schätzen.

Zu jeder Jahreszeit ein faszinierender Anblick

Im Frühjahr sind es vor allem die Kirschblüten, die vielerorts einen faszinierenden Anblick versprechen. Am Kannonji-gawa Fluss wird man während eines Spazierganges entlang der saftigen Wiesen von über 200 Kirschbäumen eingerahmt. Die sanften Pastellfarben des Hanamiyama-Parks lassen den Besucher in eine Welt versinken, die man vielleicht nur aus einem Kinderbuch zu kennen glaubt.

Im Sommer sind es die weitläufigen Sonnenblumenfelder des Sannokura-Plateaus, welche die Menschen aus ganz Japan anlocken. Auch die Küstenlage ist besonders für den Wassersport immer wieder ein beliebtes Ausflugsziel. Wer es allerdings ein wenig traditioneller mag, kann den Sommer auch in der Stadt Nihonmatsu im Norden von Fukushima verbringen. Dies ist eine Stadt, die ihre traditionellen Wurzeln bis heute bewahrt und das Brauen von Sake und verschiedenste Lackierarbeiten noch immer den alten Regeln entsprechend umsetzt.

Besonders die To-no-hetsuri Klippen sind im Herbst einen Besuch wert. Diese sind turmähnlich und überragen den Okawa-Fluss. Das Wort Hetsuri ist ein Wort aus Aizu und bedeutet im lokalen Dialekt „eine Klippe, die einen Fluss überwacht“ oder „ein steiler Abhang“. Diese seltsam geformten Klippen bestehen aus unterschiedlichen Gesteinsarten, die vor etwa 28 Millionen Jahren entstanden sind und weisen tiefe Risse entlang der vertikalen Fugen auf. Aufgrund der Bäume, die zwischen den weißen, mehrschichtigen Felsen wachsen, ist der Anblick im Herbst besonders spektakulär.

Fukushimas Lage im südlichen Tohoku sorgt dafür, dass im Winter reichlich Schnee fällt. Empfehlenswerte Orte wie Ouchi-juku sehen mit ihren schneebedeckten Strohdachhäusern besonders malerisch aus, während die heißen Quellen im Freien einen besonderen Reiz ausüben, wenn sie einen Blick auf die winterliche Landschaft bieten. Die Präfektur Fukushima beherbergt auch Weltklasse-Skigebiete und bietet natürlich auch winterliche Illuminationen wie bei der Abukuma-Höhle und dem Fest der gemalten Kerzen in Aizu.

Feste und Traditionen von Fukushima

Wenn es um die Traditionen und Festivals geht, ist auch Fukushima keine Ausnahme und bietet den Menschen der Präfektur, aber auch den Besuchern, zahlreiche Möglichkeiten, dem Alltag zu entfliehen.

Die Stadt Aizuwakamatsu ist vor allem für ihr stolzes Samurai-Erbe bekannt. Die Burg, Tsuruga-jo, wurde während des Boshin-Bürgerkriegs dadurch zur Berühmtheit, da sie selbst bei schwersten Angriffen Schutz gewährte. Jedes Jahr findet rund um die Burg und auf der Hauptstraße ein dreitägiges Fest zu Ehren der 3.000 Mitglieder des Aizu-Clans statt, die während des Boshin-Bürgerkriegs umgekommen sind. Der Haupttag des Festes findet jährlich am 23. September statt, der den letzten Tag des Krieges markiert, welcher mit der Niederlage von Aizuwakamatsu im Jahr 1868 endete.

Fukushima Aizuwakatamsu
Die Burg Tsuruga-jo in Aizuwakamatsu. Foto: Bence Biczo, Unsplash

Getreu dem Namen der Veranstaltung stehen große Wasserwannen mit Eimern bereit, aus denen die Zuschauer Wasser schöpfen und dieses auf den Schrein spritzen können. Wer mitmachen möchte, sollte sich auch bewusst sein, dass man unter Umständen selbst ins Kreuzfeuer gerät.

Nach etwa zwanzig Minuten wird der tragbare Schrein abgestellt, um dort eine kleine Pause einzulegen. Wer nun selbst Lust hat, den Schrein zu tragen, kann sich anschließen. Von hier aus geht es weiter, unter dem warmen heißen Quellwasser singend, das auf einen geworfen wird.

Die Küche von Fukushima

Da die Region von Bergen umgeben ist, war es in der Vergangenheit sehr aufwendig, frischen rohen Fisch/Meeresfrüchte in der Region Aizu zu bekommen. Dieser Fakt wirkte sich natürlich auch auf die Küche der Präfektur aus. Kozuyu ist ein traditionelles Suppengericht aus Aizu. Es wird gewöhnlich zu feierlichen Anlässen wie Geburtstag, Neujahr, Festen und zeremoniellen Anlässen serviert. Dieses Gericht gilt in der Region Aizu als das beste lokale Gericht, welches man probieren kann. Normalerweise wird es aus getrockneten Jakobsmuscheln, Shiitake-Pilzen, Karotten, Katuobushi, Konnyaku-Gelee-Nudeln, Sojasoße, Kombu und Bambussprossen zubereitet. Je nach Vorliebe kann allerdings auch anderes Gemüse hinzugefügt werden.

Fukushima ist außerdem auch für eine besondere Art von Gyoza bekannt – Enban Gyoza. Gyoza kann man auf verschiedene Arten zubereiten: gekocht, gedünstet oder in der Pfanne gebraten. Die bevorzugte Art von Gyoza in Fukushima ist Enban („Scheibe“). Das sind Gyoza, die extra knusprig auf einer runden Kochplatte gebraten werden, bis die Unterseite zu einer runden Scheibe verschmilzt. Darüber hinaus finden sich hier die typischen Füllungen aus Schweinefleisch und Gemüse. Doch vor allem der knusprige Boden sorgt für die Beliebtheit dieser besonderen Zubereitung.

Fukushimas fruchtbares Land eignet sich hervorragend für den Anbau von Obst in einer Vielzahl von Sorten. Es wird oft gesagt, dass Fukushima das Obstkönigreich von Japan ist. In Fukushima werden außerdem Pfirsiche, Kirschen, Birnen, Trauben, Äpfel, Kaki, Erdbeeren und Nashi-Birnen in großen Mengen angebaut und geerntet. Unter diesen Früchten dominieren vor allem die Trauben und Pfirsiche der Region.

Mehr als eine tragische Vergangenheit

Bis heute hat Fukushima direkt aber auch indirekt mit den Auswirkungen des Erbebens und der Atomkatastrophe aus dem Jahr 2011 zu kämpfen. Und auch wenn zugegebenermaßen der Gedanke an die unsichtbare Gefahr von Strahlung nicht unbedingt für ein freudiges Gefühl sorgt, sollte man an dieser Stelle nicht vergessen, dass die Präfektur nicht nur an andere Präfekturen angrenzt, sondern auch aus weit mehr besteht als der Atomruine und der Quarantänezone. Dazu kommt, dass die Menschen von Fukushima auf die Hilfe von außen angewiesen sind.

Also vielleicht lässt man sich noch einmal in Ruhe alles durch den Kopf gehen, informiert sich ausgiebig und entscheidet sich vielleicht doch dazu, Fukushima einen kleinen Besuch abzustatten. Mehr zu der Präfektur findet ihr auf Japan Travel und auf der offiziellen Webseite der Präfektur Fukushima.

Anzeige
Anzeige