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Delikatessen müssen vernichtet werden

Fukushimas Pilze strahlen immer noch und bringen Anwohner zur Verzweiflung

Neun Jahre nach der nuklearen Katastrophe in Fukushima hat sich vieles in der Region verändert. Mittlerweile sind viele Gebiete für die Menschen wieder zugänglich und auch Agrarprodukte, Fisch sowie andere Lebensmittel werden international wieder verkauft. Eine Sache hat sich jedoch noch nicht verändert, die Pilze. Die sind nämlich immer noch verstrahlt, was ein großes Problem ist.

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Eigentlich lockt der Herbst viele Menschen nach Fukushima, um in den Wäldern und Bergen Pilze zu sammeln. Das ist seit der Katastrophe nicht mehr möglich. Sämtliche Pilze sind in der Region radioaktiv verseucht und es gibt fast für die komplette Präfektur ein Versandverbot für Pilze. Nach all den Jahren kommen die Pilze immer noch auf gefährlich hohe Cäsium-Werte und ein Verzehr kann tödlich enden.

Waldpilze landen im Müll

Betroffen ist dabei nicht nur das Gebiet direkt an dem zerstörten Kernkraftwerk. Auch in dem mehr als 80 Kilometern entfernten Tanagura wurden 2011 hohe radioaktive Werte in den Wildpilzen festgestellt. Nach neun Jahren kommen die lokalen Matsutake Pilze immer noch auf mehr als 100 Becquerel pro Kilogramm. Das ist das dreifache des Erlaubten für Lebensmittel. Gemüse und Reis aus der Stadt hingegen sind längst wieder zum Verkauf freigeben.

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Tanaguras Matsutake galten vor der Katastrophe als Delikatesse und waren sehr gefragt. Touristen kamen im Herbst, um sie selbst zu ernten, womit die Pilze für die Stadt eine wichtige Einnahmequelle waren, die es jetzt nicht mehr gibt. Es wird deswegen gehofft, dass bald die Matsutake wieder essbar sind.

In der Zwischenzeit sammelt der 71 Jahre alte Jinno Tsutomu, Leiter des Tanagura Vereins zur Ernte der Matsutake, weiter die Pilze. Allerdings um zu verhindern, dass andere Personen sie illegal abschneiden. Am Ende landet seine Ernte nämlich im Müll, was ihn nach wie vor traurig macht und mittlerweile hat Tsutomu schon fast aufgeben, auf Besserung zu hoffen.

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Allgemein leiden aber auch andere Regionen darunter, das ihre Pilze auf den offiziellen Listen nicht freigegeben sind. Da viele Menschen sich nur wenig mit Wildpilzen auskennen, gibt es für alle Arten ein Versandverbot, wenn auch nur eine zu hohe Werte hat. Die Aufhebung des Verbots dauert hingegen und ist langwierig. Bis zu mehr als drei Jahre kann sich das Verfahren für Gemeinden hinziehen.

Es geht eine Esskultur verloren

Neben der Einnahmequelle bricht aber noch was anderes Weg. Wie die Menschen von Tanagura erklären, ist mit dem Matsutake auch viel Kultur verbunden, die nun langsam verschwindet. Eine Esskultur und auch der Zusammenhalt untereinander geht immer mehr verloren.

Kinder würden kein Interesse mehr an saisonale Produkten zeigen, da Familien sie nicht mehr selbst sammeln und kochen. Wie man diese Entwicklung stoppen kann, weiß keiner. So einfach lassen sich Pilze und Gemüse nämlich nicht dekontaminieren.

Laschere Regelungen wären nicht schlimm

Der Grund, wieso Pilze immer noch strahlen, liegt in ihrer Art zu wachsen. Professor Masaru Hiroi erklärte, dass Matsutake Pilze in einer Schicht etwa fünf Zentimeter unter der Erde wachsen. In dieser Schicht liegt auch verrottetes Laub und tonhaltiger Boden. Blätter speichern gut Cäsium und die kalten Winter, die es in Fukushima gibt, verhindern ihre Zersetzung. Aus dem Grund nehmen auch Jahre später noch Pilze die radioaktive Strahlung auf.

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Aus dem Grund versteht Hiroi die strengen Auflagen, weist aber darauf hin, dass es sich bei Pilzen nicht um alltägliche Lebensmittel handel. Er wäre deswegen durchaus für strengere Auflagen für Reis, der täglich gegessen wird, und für etwas laschere bei Waldpilzen. Laut ihm würden die Menschen sie so selten essen, dass die Strahlung so gut wie keine Schäden anrichten würde. Überdenken will die Regierung das System bisher jedoch nicht und so bleibt den Gemeinden weiterhin nichts anderes übrig, als auf bessere Zeiten zu hoffen.

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