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US-Amerikanisches Militär im Verdacht

Gefahr von Flugunfällen durch Tiefflieger beunruhigt Bewohner von Amami-Oshima

Seit Jahren gibt es Ärger im japanischen Insel-Paradies Amami-Oshima. Denn tieffliegende Flugzeuge und Helikopter plagen die Bewohner der größten der Amami-Inseln in Japans Süden. Im Verdacht hat man dort die US-Amerikanischen Streitkräfte, für deren Flieger in Japan Sonderregeln gelten.

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Die Amami-Inselgruppe zählt zur Präfektur Kagoshima auf der südlichen Hauptinsel Kyushu, liegt aber tatsächlich viele Kilometer entfernt im Pazifischen Ozean. Ursprünglich gehörten die Inseln zum Königreich Ryukyu, auf dessen Gebiet sich heute größtenteils die Präfektur Okinawa befindet. Für Touristen sind die Inseln im Süden Japans ein beliebtes Reiseziel.

Statt Ruhe und Entspannung gibt es Tiefflieger-Lärm

Neben Landwirtschaft – auf den Inseln kann immerhin zweimal jährlich Reis geerntet werden und traditionellem Handwerk, insbesondere handgefertigte Seide, ist der Tourismus eine der wichtigsten Geldquellen auf Amami-Oshima. Vor allem die jährlichen Wal-Wanderungen aus nördlichen Gewässern sind ein Besuchermagnet. Gäste auf den Inseln sollen Ruhe und Entspannung erwarten können und keine tieffliegenden Flugzeuge. Doch genau die zerstören die Idylle auf Amami-Oshima.

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Ganze 131 Tiefflüge verschiedener Flugmaschinen wurden von den Einheimischen im Jahr 2021 an die Kagoshima-Präfekturregierung mitgeteilt. Das sind sechs weniger als im Jahr davor, als mit 137 Berichten ein neuer Rekord erreicht wurde. Doch Anwohner gehen davon aus, dass die Zahlen zu niedrig sind und viele Fälle schlichtweg nicht erfasst werden. Denn in den letzten Jahren haben die Tiefflüge konstant zugenommen.

Waren es zu Beginn der Aufzeichnungen durch die Regierung in 2006 noch weniger als zehn Fälle jährlich, stieg die Zahl bis 2016 auf immerhin 80 Sichtungen und stagnierte dann, bis sie ab 2020 rasant nach oben schnellte. Durch die hohe Zahl, im Durchschnitt wird aller zwei bis drei Tage ein Tiefflug gemeldet, steigen auch die Sorgen in der Bevölkerung. Neben der Belastung durch den Lärm fürchten viele auch, dass es eines Tages zu einem verheerenden Unfall kommen könnte. Denn die Tiefflüge ereignen sich vielfach über bewohnten Gebieten.

Sonderregeln für das US-Militär in Japan führen zu Unmut

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Wer für die Flüge verantwortlich ist, ist dabei nicht abschließend geklärt. Alle Indizien weisen jedoch auf eine Verantwortung der US-Amerikanischen Streitkräfte in Japan hin. Denn die beobachteten Flugzeug- und Helikoptertypen entsprechend den vom US-Militär genutzten. So wurden etwa Osprey-Senkrechtstarter gesichtet. Sie stammen vermutlich von den Air Force Militärbasen auf der Insel Okinawa, die ein dauerhaftes Streitthema in der Beziehung zwischen Okinawa und der japanischen Zentralregierung sind.

Der Verdacht wird dadurch erhärtet, dass die Tiefflüge dem US-Militär in der Tat gestattet sind. Denn laut dem US-Japan Status of Forces Agreement, das die Anwesenheit des US-Militärs in Japan regelt, gelten die üblichen japanischen Regeln für Tieffliegen nicht für US-Luftfahrzeuge. Laut japanischen Luftfahrtgesetzen sind Flugzeuge und Helikopter verpflichtet, mindestens mit 300 Meter Höhenunterschied zum höchsten Gebäude in einem 600-Meter-Radius zu fliegen. In kaum bewohnten Gebieten müssen wenigstens 150 Meter Abstand zum Boden gehalten werden.

Die beobachteten Tiefflieger bewegen sich jeweils deutlich unter diesen Werten und erschüttern mit ihren Aktionen die Nerven und Fenster der Einwohner Amami-Oshimas. Forderungen, die Bevölkerung vorab über geplante Flüge zu informieren und diese auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren, blieben bisher unberücksichtigt. Auch bestätigt das Militär nicht, für die Tiefflüge verantwortlich zu sein. Ganz im Gegenteil scheinen die verstärkten Spannungen im pazifischen Raum, insbesondere zwischen den USA und China, zu mehr Manövern und Trainingsflügen zu führen.

Daher ist sich Norifumi Jomura, Vorsitzender der Bürgergruppe „Amami bloc pro-Constitution Peace Forum“ sicher: „Auch wenn die Zahl der Sichtungen in Amami gesunken ist, gibt es Fälle, die ich selbst vergessen habe zu melden. Ich denke, dass es tatsächlich mehr Flüge in niedriger Höhe geben muss, als in den offiziellen Berichten gezählt werden.“ Schwieriger wird die Erfassung aller Fälle für besorgte Anwohner wie Jomura dadurch, dass die Flüge sich in den letzten zwei Jahren über ein größeres Gebiet verteilen. Gleichzeitig ist aber das Interesse der Bevölkerung an der Angelegenheit gestiegen, sodass beobachtete Tiefflüge öfter gemeldet werden.

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