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Kanagawa startet fragwürdiges System

Spionierende Kunden sollen in japanischen Restaurants Corona-Maßnahmen überprüfen

In mehreren Präfekturen von Japan gibt wieder einen Ausnahmezustand. Besonders Restaurants haben deswegen wieder Probleme. Die Präfektur Kanagawa will mit einem System helfen, das allerdings auch Kunden zum Ausspionieren von Geschäften nutzt.

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In der Präfektur Kanagawa wurde am 21. April ein System gestartet, bei dem Restaurants als Mask-Lokale zertifiziert werden können. Damit gelten sie als Restaurants, in denen alle eine Maske tragen müssen, solange sie nicht essen oder Trinken und wo auf weitere Corona-Maßnahmen geachtet wird.

Zertifikate ermöglichen weitere staatliche Unterstützung

Ungefähr 45.000 Restaurants in der Region können sich für das Zertifikat anmelden. Es wird erwartete, dass 200 von ihnen ein Zertifikat erhalten. Neben dem Sonderstatus bekommen sie von der Regierung bezahlte Werbung in Zeitungen und Masken für Kunden, die für sechs Monate reichen sollen.

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Kanagawas Gouverneur Yuji Kuroiwa hofft, dass durch die sogenannten „Mask Mahlzeiten“ die Infektionen in der Region nicht weiter ausbreiten. Allerdings soll deswegen auch sicher gegangen werden, dass sich wirklich an die Maßnahmen gehalten wird. Aus dem Grund sollen Bürger gegen Bezahlung heimlich die Lokale regelmäßig überprüfen.

Wenn es Berichte von Restaurants gibt, welche die Maßnahmen missachten, wird ihnen das Zertifikat wieder entzogen. Die Meldungen selbst werden an die Lokale nicht weitergeben und vertraulich behandelt. Auf der anderen Seite wird der Status „vollständig implementiertes Geschäft“ ausgestellt, wenn die Bemühungen besonders hervorragend sind.

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Die Präfektur betont, dass sie bisher noch keine Kontrolleure eingestellt haben. Dazu gaben sie nicht an, wie und wie viele sie rekrutieren wollen.

Restaurants sind gegen das Beobachtungs-System

Trotzdem stößt die Idee bereits jetzt auf heftige Kritik. Restaurants sind verwirrt und empfinden das System übertrieben. Dazu fühle es sich an, als wenn Kunden nun zu Spionen gemacht werden. Einige verstehen, dass Kontrollen notwendig sind, aber Spione könnten sie nicht akzeptieren.

Ein paar Restaurants wollen sich deswegen auch nicht mehr für das System anmelden. Der Manager eines Udon Restaurants erklärte, dass sie Menschen nicht zum Tragen von Masken zwingen können. Dass Situationen mit Maskenverweigerern auch schnell eskalieren können, zeigte sich bereits in der Vergangenheit.

Der Manager findet das Vorgehen deswegen etwas extrem. Andere sagen, dass das System Steuerverschwendung ist und die Präfektur das Geld lieber für etwas Sinnvolles nutzen soll.

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Aber auch von Politikern gibt es Kritik. Ein Mitglied der Präfekturversammlung wies darauf hin, dass so ein System der Gesellschaft schadet und das Misstrauen untereinander schürt. Kuriowa sieht das anders. Er will die Bürger dazu motivieren Corona-Maßnahmen zu beobachten, damit ein Umfeld entsteht, in denen die Menschen ihre Mahlzeit sicher genießen können.

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