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Von Granitsteinen bis Sesamöl

Gerüchte zum Coronavirus verbreiten sich in Japan immer schneller

Die Angst um den Coronavirus nutzen einige Menschen gerne aus und befeuern diese mit Gerüchten. In Japan verbreiten sich diese Gerüchte mittlerweile sehr schnell.

Das Ausmaß dieser Gerüchte zeigte sich vor Kurzem beim Toilettenpapier. Durch ein Gerücht kauften viele Menschen größere Mengen und die japanische Regierung musste die Öffentlichkeit beschwichtigen. Allerdings ist das nicht das einzige Gerücht, das für Probleme sorgt.

Missverständnisse, Gewinnabsichten oder Spam

Einige dieser Behauptungen sind einfache Missverständnisse, andere sind unheimlicher und absichtlicher und finden ihren Weg in den Posteingang als Spam-E-Mail mit Malware und andere wiederum sind dazu da, um Gewinn zu erzielen.

Das Gesundheitsministerium und das Cybersicherheitsunternehmen Trend Micro raten bereits zur Vorsicht vor einigen Beispielen für eine Desinformationskampagne, einschließlich einer Textnachricht, in der behauptet wird, kostenlose Atemmasken zu verschenken, und der Aufforderung an die Empfänger, auf einen Link zu klicken, der zu einer illegalen Website führt.

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Einige der Gerüchte sind mittlerweile auch in Deutschland aufgetaucht, daher haben wir hier eine Liste der 7 Gerüchte, die sich am häufigsten verbreitet haben.

Gerücht: Wenn man lauwarmes Wasser (zwischen 26 und 27 Grad) trinkt, wird der Coronavirus getötet

Eine Spam-Nachricht, die in der Line-Messaging-App verbreitet wird, weist auf die Idee hin, dass der neue Virus anfällig für Hitze ist und ermutigt die Menschen, so viel heißes Wasser wie möglich zu trinken, das auf 26 bis 27 Grad erhitzt wurde.

Koichiro Yoshida, Professor für Studien zu Infektionskrankheiten an der Kindai University, sagt, dass die Behauptung keine wissenschaftliche Grundlage hat und dass es angesichts des empfohlenen Wärmebereichs, der unter der durchschnittlichen Körpertemperatur liegt, nahezu unmöglich ist, dass das lauwarme Wasser irgendwelche Auswirkungen hat.

Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten gibt an, dass das Coronavirus innerhalb 15 Minuten bei 98 Grad gekochtem Wasser abgetötet werden könnte.

Gerücht 2: Die Aufnahme von Vitamin D wirkt gegen das neue Coronavirus

Das Nationale Institut für Gesundheit und Ernährung hat dieses Gerücht bereits auf seinem offiziellen Twitteraccount als falsch widerlegt. Die Organisation warnte, dass das Gerücht, das auf einer früheren wissenschaftlichen Arbeit beruhte, keine wissenschaftliche Grundlage hat.

Hiroshi Yotsuyanagi, Professor an der Universität von Tokyo, stimmte zu, obwohl er sagte, dass Vitamin D allgemein als hilfreich bei der Stärkung der Immunität gegen Viren angesehen wird.

„Aber das Ausmaß, in dem Vitamin D die Immunität erhöhen kann, ist sehr subtil. Es gibt also keine Möglichkeit, allein durch die Einnahme von Vitaminpräparaten sich nicht zu infizieren.“

Fakt ist also, Vitamin D schadet nicht, bringt gegen den Coronavirus aber nichts.

Gerücht 3: Atemmasken können wiederverwendet werden, wenn sie in der Mikrowelle sterilisiert werden

Viele Experten warnen vor dieser Methode und führten einen Mangel an wissenschaftlichen Beweisen an, die die Behauptung stützen.

Yotsuyanagi sagte, dass das Aufheizen schmutziger Atemmasken nur das Innere von Mikrowellenherden kontaminieren würde, Yoshida sich fragte, ob der Draht in den Masken bei Mikrowellen ein Feuer auslösen würde.

Eine Industriegruppe japanischer Maskenhersteller sagte in einer Erklärung am Mittwoch, dass Atemmasken nicht wiederverwendet werden sollten, es sei denn, sie werden als waschbar beworben.

Wenn der derzeitige Mangel einen dazu zwingt, nicht waschbare Masken mehr als einmal zu verwenden, wird empfohlen, sie vorsichtig in Wasser mit einem neutralen Reinigungsmittel drückt – anstatt sie zu schrubben -, so die Hersteller. Man sollte sie dann ausreichend abspülen und trocknen, wobei die Verwendung eines Maschinentrockners vermieden werden sollte, um Schäden zu minimieren.

Gerücht 4: Wodka kann als Handdesinfektionsmittel eingesetzt werden

Spirytus Rektyfikowany, ein polnischer Wodka, der mit einem Alkoholgehalt von satten 96 Prozent als das stärkste alkoholische Getränk der Welt angepriesen wird, ist in Japan Berichten zufolge Mangelware, da die Menschen verzweifelt nach Alternativen zu Handdesinfektionsmitteln suchen, das mittlerweile auch Mangelware geworden ist.

Million Trading Co., ein in Tokyo ansässiger Importeur ausländischer alkoholischer Getränke, verzeichnete Ende Februar einen Anstieg der Bestellungen des polnischen Wodkas, der sich laut Jiji Press gegenüber den regulären Jahren mehr als verdoppelte. Sowohl Yoshida als auch Yotsuyanagi sagten, es sei möglich, dass das polnische Getränk aufgrund seines extrem hohen Alkoholgehalts ein Ersatz für Handdesinfektionsmittel sein könnte, obwohl keines von beiden für seine Wirksamkeit bürgen könnte.

Gerücht 5: Das Auftragen von Sesamöl auf den Körper blockiert den Eintritt des neuen Coronavirus

Die Weltgesundheitsorganisation bestreitet dies eindeutig und mahnt auf ihrer Website zur Vorsicht: „Sesamöl tötet das neue Coronavirus nicht ab.“

Einige chemische Desinfektionsmittel, so die WHO, können das neue Virus auf Oberflächen abtöten, darunter Desinfektionsmittel auf Bleich- / Chlorbasis, solche mit 75 Prozent Ethanol, Peressigsäure und Chloroform.

Das in Kawasaki ansässige Kosmetikunternehmen Shimura Co. gab bekannt, dass die Anfragen von Kunden nach der Fähigkeit von Sesamöl, das neuartige Coronavirus abzuwehren, gestiegen sind.

„Obwohl unsere Produkte mit Sesamöl Erkältungs- oder Heuschnupfen verhindern können, wenn sie auf Ihre Nase aufgetragen oder zum Spülen Ihres Mundes verwendet werden, ist ihre Wirksamkeit gegen das neue Coronavirus noch nicht verifiziert“, sagte das Unternehmen in einer Erklärung Anfang dieses Monats.

Gerücht 6: Granit wirkt gegen das neue Coronavirus

Die Rede von Granit als möglicher Waffe gegen COVID-19 hat Berichten zufolge dazu geführt, dass Steine ​​auf Einkaufswebsites wie Mercari zu extrem überhöhten Preisen versteigert wurden.

Laut Fuji TV verkauften sich Granitsteine, von denen einige einen Preis von rund 5.000 Yen hatten, innerhalb weniger Minuten auf Flohmarktseiten.

Die meisten dieser Artikel werden nicht mehr auf E-Commerce-Websites beworben, da sie gegen diejenigen vorgehen, die versuchen, von Virenängsten zu profitieren.

Mit ein klein wenig Menschenverstand dürfte allerdings klar sein, dass Viren zu klein sind, um sie mit einem Stein zu erschlagen.

Gerücht 7: Aosa, eine Art essbarer grüner Seetang, wirkt gegen das neue Coronavirus

Das Gerücht stammte aus einer inzwischen gelöschten Pressemitteilung der Chubu-Universität, in der Berichten zufolge kürzlich von Professoren der Schule geleitete Forschungen die potenzielle Fähigkeit des Seesalats entdeckt hatten, die Verbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen – allerdings ging es dabei um eine andere Art des Coronavirus und nicht um COVID-19.

Aber auch hier ist der Verkauf deutlich angestiegen.

TJT

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