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Geschäft mit Walbeobachtungen ist in Japan viel größer als der Walfang

Walbeobachtungen schaden den Tieren nicht und sind sehr beliebt

Vor wenigen Tagen begann Japan wie angekündigt wieder mit dem kommerziellen Walfang. Das sorgte schon vorab für massive Kritik aus der ganzen Welt. Doch eigentlich gibt es schon seit Jahren eine andere Möglichkeit mit den Tieren Geld zu machen, ohne sie töten zu müssen. Das Geschäft mit Walbeobachtungen an Japans Küsten ist nämlich viel größer als der eigentliche Walfang.

Einer der Menschen, die Walbeobachtungen anbieten, ist Kapitän Masato Hasegawa aus Rausu. Er war an dem Tag, an dem der Walfang im 160 Kilometer entfernten Kushiro begann, ebenfalls mit mehreren Menschen auf dem Wasser. Allerdings schauten sie den Tieren nur zu und hatten nicht vor sie zu töten. Vor Rausu in Hokkaido beobachteten sie Orcas und Pottwale. Beide Arten will Japan nicht jagen.

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Zusätzlich hält sich Hasegawa grundsätzlich in dem Nationalpark auf, wo das Fischen streng verboten ist. Trotzdem ist er besorgt. Die Zwergwale, die Fischer an dem Tag jagten, sahen sie ebenfalls. Zwei der Tiere töteten die Fischer dabei, zum Jubel der Einheimischen. Hasegawa befürchtet, dass es schlecht für die Walbeobachtung ist, wenn Japan viele der Wale im Ochotskisches Meer tötet. Dem Gebiet von Rausu kommen sie jedoch bis jetzt nicht näher.

Bei Hasegawa ist mittlerweile die Nachfrage so groß, dass es Wartelisten im Saison-Hoch gibt. Er bestellte deswegen schon ein zweites Schiff, um noch mehr Menschen die Wale zu zeigen. Laut ihm geht es ihm mit diesem Lebensstil wirklich gut, viel besser als wenn er noch als Fischer arbeiten würde, wie vor einigen Jahren. Hasegawa begann als Fischer in der vierten Generation 2006 mit den Wal- und Vogelbeobachtungen, da er einfach keinen Fisch mehr fing.

Lange Zeit war Rausus Haupteinnahmequelle der Fischfang. Doch der Bestand ging in den letzten Jahren deutlich zurück, woran die Einheimischen vor allem den Russen die Schuld geben. Aufgrund der einbrechenden Branche und den sinkenden Handelspreisen wanderten immer Menschen ab und mittlerweile leben weniger als 5.000 Menschen in dem Ort.

Anlaufphase war ohne Unterstützung vom Staat schwer

Für seine beiden erwachsenen Söhne wünscht sich Hasegawa, dass sie seine Arbeit übernehmen. Erst wollte er, dass sie Fischer werden. Aufgrund der ökonomischen Lage verstand er jedoch, dass das unmöglich ist und Walbeobachtungen etwas Stabiles sind. Der Beginn seines kleinen neuen Unternehmens war hart. Aufmerksamkeit zu erhalten und Geld zu verdienen war schwer, da er keine Hilfe von der Regierung erhielt. In den ersten Jahren dachte er deswegen, dass es ein Fehler war. Mit einem langfristigen Fernsehprojekt und Promotion gelang ihm dann doch noch der Erfolg. Um den Lebensunterhalt seiner Söhne macht er sich deswegen keine Sorgen mehr und glaubt, dass sie gerne sein Unternehmen erben wollen.

Die Regierung scheint hingegen komplett auszublenden, dass die Walbeobachtung ein blühendes Geschäft ist, das vor allem Touristen anzieht. Zwischen Okinawa und Hokkaido an den Grenzen von Russland gibt es zahlreiche Beobachtungsangebote. Allgemein stiegen die Zahlen der Angebote zwischen 1998 und 2015 um mehr als das Doppelte an. Orte kommen dazu mittlerweile auf Besucherzahlen von 18.000 Personen zwischen Januar und März.

Touristenzahlen steigen stetig, das Interesse der Regierung nicht

Rausu kam selbst auf stolze 33.451 Wal- und Vogelbeobachter im letzten Jahr. Das ist im Vergleich zu 2016 ein Anstieg von 9.000 Personen. Zusätzlich kurbeln die Kunden ordentlich die Wirtschaft des Ortes an, indem sie in lokalen Hotels übernachten, in Lokalen essen und lokale Spezialitäten kaufen. Ikuyo Wakabayashi von der Shiretoko Rausu Tourism Association bestätigt, dass 65 Prozent der Touristen kommen, um die Wale zu sehen. Die Zahlen steigen und sie hofft, dass Walbeobachtungen weiterhin ein großer Touristenmagnet von Rausu bleiben. Wakabayashi selbst schwärmt von der Schönheit in der Region und den faszinierenden Tieren.

Während die Regierung Walbeobachtung als perfekte Touristenattraktion vergisst, fördern sie lieber den Walfang, der nur eine kleine Branche besitzt. In Japan sind es knapp 300 Personen, die in den Walfang involviert sind, obwohl Walfleisch als wichtiges Nahrungsmittel der Kultur des Landes gilt. Die Nachfrage ist hingegen bei der Bevölkerung verschwindend gering. Gerade mal 0,1 Prozent sollen es pro Jahr essen.

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Restaurants und verschiedene Kampagnen wollen die Beliebtheit von Walfleisch zum wieder aufgenommenen Walfang fördern. Zumindest bei der ersten Auktion von kommerziell gefangenem Walfleisch gab es ein großes Interesse und es kam zu Rekordpreisen. Ob die Nachfrage in der Bevölkerung jedoch wirklich steigt, bleibt abzuwarten.

Kazuo Yamamura, Präsident von der Japan Whaling Association, sieht es deswegen realistisch. Walfleisch galt vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg als beliebter Proteinlieferant, der billig und einfach zu erhalten war. Das Interesse daran sank jedoch Anfang der 60er, da anderes Fleisch billiger wurde und vor allem besser schmeckte. Yamamura glaubt deswegen nicht, dass die Nachfrage schnell steigt, da die Japaner so viel zu essen haben, dass sie es schon wegschmeißen.

Fleisch, das keiner will

Trotzdem will er die Menschen daran erinnern, dass Walfleisch ein gutes Nahrungsmittel sei. Es soll deswegen in Schulen zum Mittag ausgeteilt werden, damit sich vor allem Kinder daran erinnern. Um die ziemlich schwächelnde Industrie zu unterstützen, gab es von der Regierung Subventionen von etwa 41 Millionen Euro für dieses Jahr.

Joji Morishita, Japans ehemaliger IWC-Kommissar, sieht hingegen ein Problem darin, Walfleisch in ganz Japan zu verkaufen. Er ist dafür, nur eine limitierte Menge Fleisch an bestimmten Orten in den Handel zu bringen, wo der Walfang tatsächlich Tradition ist. Zusätzlich weist er darauf hin, dass Wal schwer zu kochen ist. Er sieht trotzdem Geschäftsmöglichkeiten durch kommerziellen Walfang, die realisierbar sind.

In Rausu gibt es nur Wal zum Angucken, zur Erleichterung der Touristen

Kunden von Hasegawa äußeren sich hingegen überwiegend negativ über den Walfang. Sie wollen die Tiere lieber lebendig von Nahem sehen. Rausu wird dazu nicht auf den Trend der Regierung aufspringen, da Walfang noch nie in dem Ort populär war. Fischer, die mal Schwarzwale jagten, sind mittlerweile kein Problem mehr und helfen den Walbeobachtern sogar, indem sie Orcas und andere Wale melden oder über den Wellengang berichten.

Ebenfalls ist die Nachfrage nach dem Fleisch so gut wie nicht vorhanden. Restaurants und Hotels in Rausu servieren absolut kein Walfleisch und tun es vermutlich ebenfalls nicht in der Zukunft. Vor allem Kindern, die in den Ferien auf den Schiffen sind, könnten Fischer doch nicht sagen, dass die Wale, die sie gerade sehen, später auf dem Teller landen. Wal zu servieren verschreckt Touristen aus Übersee, besonders aus Europa.

Rausus Ansehen ist aufgrund der Einstellung global deutlich gewachsen, was natürlich gleichermaßen die Touristen anlockt. Hasegawa betrachtet den Walfang zwar mit Sorge, schaut jedoch optimistisch in die Zukunft. Walbeobachtungen steigen im Interesse und damit vielleicht sogar der Widerstand gegen den Walfang.

Quelle: JT

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