Anzeige
HomeNachrichten aus JapanGesundheit & WissenschaftCoronavirus in Japan lässt Probleme im Gesundheitswesen sichtbar werden

Osaka zeigt, wie es im schlimmsten Fall im Land aussehen könnte

Coronavirus in Japan lässt Probleme im Gesundheitswesen sichtbar werden

Das Coronavirus breitet sich in Japan weiter aus und zeigt die gravierenden Probleme im Gesundheitswesen.

Anzeige

In Osaka, der drittgrößten Stadt im Land, sind die Krankenhäuser überfüllt mit Menschen, die an schweren Symptomen der Infektion leiden. Etwa 35.000 Menschen warten derzeit zu Hause auf einen Behandlungsplatz und die Meldungen, dass jemand zu Hause an den Folgen der Pandemie gestorben ist, häufen sich.

Gesundheitswesen in Japan ist überlastet

Überall im Land melden sich Krankenpfleger*innen und Ärzt*innen zu Wort und klagen über die Überlastung des Gesundheitswesens. Die Frustration wird in vielen Interviews mit medizinischen Mitarbeiter*innen, Familien und Patient*innen in Osaka deutlich. Ein großer Kontrast zu den Worten von Politiker*innen und dem Organisationskomitee der Olympischen Spiele, die nicht müde werden zu betonen, dass die Spiele im Juli sicher und geordnet ablaufen werden, auch wenn sich weite Teile Japans im Ausnahmezustand befinden.

LESEN SIE AUCH:  Darum impft Japan so langsam

Viele sehen Osaka als eine Warnung, was im Rest Japans passieren könnte, wenn sich die Krise zu der Zeit verschlimmert, in dem die Behörden und die Welt sich auf die Olympischen Spiele konzentrieren.

Osakas Probleme sind allerdings eine menschengemachte Katastrophe. Die Präfektur hatte beim ersten Anzeichen des Abklingens der Pandemie den zweiten Ausnahmezustand beendet, obwohl es da bereits Anzeichen gab, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Es ist daher auch kein Wunder, dass viele Menschen fassungslos sind, was aktuell passiert.

Keine Vorbereitung auf eine weitere Welle

Anzeige

Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und hat die Pandemie eigentlich recht gut gemeistert. Doch aktuell zeigt sich ein anderes Bild: Die Infektionszahlen steigen, genauso wie die Todesfälle und die Regierung wirkt hilflos. Dies zeigt sich im Gesundheitssystem in Osaka sehr deutlich. Einige medizinische Expert*innen sagen, dass Notfallpatient*innen mittlerweile nur die Behandlung erhalten, die gerade verfügbar ist und nicht die, die sie am dringendsten benötigten.

Wie Daten des Gesundheitsministeriums zeigen, stehen für Corona-Patient*innen weniger als 5 Prozent der 1,5 Millionen Intensivbetten in Japan bereit. Gerade mal 1.000 mehr als im April vergangenen Jahres. Dabei hätte man aus der dritten Welle eigentlich etwas lernen können.

Und während sich der Ausnahmezustand angesichts der steigenden Zahlen der Infektionen hinzieht, strafen die Menschen die japanische Regierung, wie aktuelle Umfragewerte zeigen.

Olympische Spiele werden stattfinden

Der Premierminister konzentriert sich trotzdem weiter darauf, die Olympischen Spiele in Japan abzuhalten – gegen den Willen der meisten Japaner*innen, wie alle Umfragen in der letzten Zeit zeigen. Es gibt absolut kein Anzeichen dafür, dass die Spiele abgesagt werden. Am Freitag hörte man vom IOC nur, dass die Spiele auch dann stattfinden sollen, wenn sich Tokyo im Ausnahmezustand befindet.

Anzeige

Angesichts der Situation in Japan klingt es eigentlich wie eine Verhöhnung, dass das Organisationskomitee darum gebeten hat, Krankenpfleger*innen nach Tokyo für die Spiele zu schicken. Die Anfrage erntete dementsprechend auch Proteste. Aus dem Gesundheitssystem hört man mittlerweile immer wieder die Warnung, dass man die medizinischen Anforderungen der Olympischen Spiele nicht erfüllen kann, da der Druck auf das Personal steigt.

Die Hoffnung der Regierung liegt daher auch auf der Impfkampagne, die allerdings schleppend läuft. Vollständig geimpft sind gerade mal knapp 2 Prozent der Bevölkerung. Zwar nimmt das Tempo langsam zu und dass zwei weitere Impfstoffe zugelassen wurden, dürfe die Kampagne noch einmal beschleunigen, allerdings gibt es viele andere Probleme, die noch nicht gelöst sind.

Anzeige
Anzeige