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High-Heels-Debatte in Japans zeigt tief sitzende Diskriminierung der Frauen

Frauen kämpfen nicht nur bei Schuhen gegen Diskriminierung

In den letzten Wochen sorgte ein Thema in Japan und der restlichen Welt für Diskussionsstoff. In einer Petition forderte eine Frau ein Verbot für die Kleidervorschriften am Arbeitsplatz für Frauen. Genauer ging es dabei um die Regelung, dass Frauen immer High Heels tragen müssen, während Männern bequemes Schuhwerk erlaubt ist. Doch statt Zuspruch zu bekommen, erhielten die Frauen vor allem online eine Menge Gegenwind. Das zeigte dabei erneut, wie tief die Diskriminierung gegen Frauen sitzt, die sich zu bestimmten Themen äußern.

Die Petition gegen die High-Heels-Regel rief die Schauspielerin und Schriftstellerin Yumi Ishikawa ins Leben. Sie arbeitet Teilzeit in einem Bestattungsdienstleistungsunternehmen. Dort musste sie den ganzen Tag Schuhe mit hohen Absätzen tragen. Sie fragte sich daraufhin, wieso die unbequemen Schuhe Teil der Kleiderordnung für Frauen bei vielen Firmen sind.

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Gegenüber der Mainichi Shimbun erklärte sie später, dass sie einfach die gleiche Option für flache Schuhe haben will, wie die Männer. Für sie ist es eine geschlechtsspezifische Diskriminierung, dass nur Frauen High Heels tragen müssen. Zusätzlich kommt dazu, dass sie ein höheres Verletzungsrisiko darstellen. Trotzdem erhielt sie viele negative Reaktionen.

In einer Versammlung am 11. Juni sprach sie über den Gegenwind. Menschen ignorieren einfach die Not und den Schmerz der Personen, die sagen, dass sie leiden. Stattdessen suchen sie den Fehler bei der Person selbst und zeigen sich pingelig. Wenn dann doch jemand über das Problem spricht, wollen die Leute ihn zum Schweigen bringen, so Ishikawa.

Mobbing und die Angst vor Gewalt

Teilweise kam es jedoch einfach zu einem Missverständnis von Ishikawas Forderungen. Einige glaubten nämlich, dass sie mit ihrer Petition direkt Männer angreifen will, was nicht der Fall war. Vor allem auf Twitter kam es zu zahlreichen negativen Nachrichten und Reaktionen. Nachdem Ishikawa die Petition beim Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales am 3. Juni einreichte, eskalierte die Situation.

Online begannen Personen sie direkt anzugreifen und zu diffamieren. Teilweise kam es sogar zu Drohungen gegen sie. Ebenfalls gab es bösartige Kommentare zu ihrer Zeit als Bikini-Model. Viele warfen ihr Heuchelei vor. Wie könne sie von Geschlechterdiskriminierung sprechen, wenn sie doch selbst ihre Weiblichkeit zum Produkt mache?

Sexualisierung der Frauen als Reaktion

Ishikawa kapitulierte daraufhin wenige Tage später. Sie plant ihren Job zu kündigen, da sie nun sogar Angst vor den Kunden hat. Die Tweets machen ihr Angst und es fühle sich für sie wie Mobbing an. Außerdem verlor sie aufgrund des Stresses Gewicht und bekam ein nervöses Zucken. Sie weist jedoch darauf hin, dass sie nie Kritik von den Menschen in dem Unternehmen oder der Branche erhielt. Am Ende betonte sie erneut, dass sie niemanden angreift. Sie möchte nur, dass Frau und Mann die gleichen Möglichkeiten haben. Für sie ist es ein Thema, das alle angeht.

Derartige aggressive Reaktionen sind für die Rechtsanwältin Keiko Ota leider nichts Neues. Sie selbst erhielt in der Vergangenheit beleidigende Anrufe und Mails von fremden Männern. Der Grund dafür: Sie setzt sich in sozialen Medien gegen sexuelle Gewalt und geschlechtsspezifischer Diskriminierung ein. Die Belästigungen erreichten ihren Höhepunkt letztes Jahr, als ein Fremder ihr und anderen Aktivisten Unterwäsche, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel zuschickte.

Das beweist jedoch für Ota nur die diskriminierende Denkweise von manchen Menschen. Sie drehen die Worte der Frau einfach um oder sexualisieren ihre Verhalten, Aussehen oder die Wortwahl. Solche Belästigungen sollen die Frauen einschüchtern. Menschen im Umfeld sollen deswegen nicht einfach zuschauen, sondern Diskriminierung und Mobbing als inakzeptabel erklären.

Geschlechternormen sind das große Problem

Wie groß das Problem eigentlich ist, zeigte eine Umfrage der Amnesty International. Sie untersuchten, wie Menschen über 778 amerikanische und britische Journalistinnen und Gesetzgeberinnen twitterten. Von 14,5 Millionen Tweets von 2017 waren 1,1 Millionen Beleidigungen oder in einer Form bösartig. Derartige Tweets gab es zusätzlich alle 30 Sekunden.

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Wissenschaftlerin nennt Japans Geschlechterproblem menschliche Katastrophe

Associate Professor für Soziologie Toshiyuki Tanaka sieht die Ursache tief verwurzelt in der Gesellschaft. Männer fühlen sich aufgrund der zusammenbrechenden Geschlechterrollen und der verschlechternden Wirtschaft mangelhaft oder bedrückt. Sie interpretieren den Zuwachs an Frauen als Arbeitskräfte als Bedrohung für ihr Gehalt und Arbeitsplatz, was zur Frauenfeindlichkeit führt.

Allgemein fühlen sich die Männer diskriminiert, was zum Beispiel die Kritik an den Zugwaggons für Frauen zeigt, die vor Grapschern schützen sollen. Derartige Mentalitäten sind ebenfalls der Auslöser für die High-Heels-Debatte. Frauen sollen gefälligst schön aussehen und das sind sie angeblich durch hohe Schuhe. Die negativen Reaktionen und die Diskussion beruhen dabei auf veralteten Geschlechternormen, die nach Tanaka verschwinden müssen.

Quelle: MS

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